Daten als Bezahlung
Daten werden zur neuen Währung im Netz. Die Digitalen im Gespräch mit Professor Marcus Schögel, Direktor des Instituts für Marketing, Universität St. Gallen
Wir geben als Kunden ständig digitale Daten von uns. Aktiv, indem wir Profile gegen Services tauschen, aber auch passive wie Bewegungsprofile. Unsere Daten werden von Unternehmen aufgezeichnet und weiter genutzt, entsprechend ihres Businessmodells auch verkauft. Bezahlen wir schon einen zum Teil zu hohen Preis mit unseren Daten? Was bekommen wir denn dafür, dass wir mit dem was wir geben können, eine automatisierte Leistung abrufen? Wie sicher ist unsere Zahlung vor einer inflationären Missnutzung. Die Digitalen unterhalten sich diesen Monat genau darüber und merken erst einmal ihr Unwohlsein darüber, dass die Sammlungswut der großen Internetplayer intransparent ist.
Vielleicht ist sie auch wertlos, denn so sehr sich sogar die Schufa mit der Idee herumschlug, Facebookdaten zu sammeln, und damit gehörige Proteste hervorrief, sie kam nicht auf einen grünen Zweig damit. Das alles könnte ein nutzloses Unterfangen sein, wenn die Daten eben sich nicht zu sinnvoller Information verdichten lassen. Oder ein gefährliches. Denn, so Anatol Locker:
Warum muss Spotify meine Religionszugehörigkeit wissen und was mache ich gegen ein falsches Tagging in Facebook? Wer korrigiert falsch zusammengesetzte Daten? Und was passiert mit solchen Fehlern in Ländern, die vielleicht nicht so demokratisch sicher in ihrem Rechtsverständnis sind, wie wir das heute noch gewohnt sind?
Im Gegensatz zu vor ein paar Jahren sind Unternehmen mittels verbessertem Umgang mit Big Data heute in der Lage, durch gezieltes Weglassen von Unwichtigem im Datenstrom durchaus Erkenntnis aus den zigfachen Eingaben zu ziehen. Und so kann es eben in der Verbindung zu Quellen wie der Schufa oder dem Feedback darüber, mit welchem Gerät jemand surft, zu billigeren oder teureren Preisen in Onlineshops kommen. Technisch ist das machbar. Und das hat heute schon Auswirkungen.
"Was ich dokumentieren kann, ist dokumentiert", so Harald Taglinger, "was ich berechnen kann, ist aber nicht wahr, nur logisch." Und deshalb sind alle Befürchtungen, was zur angeblichen Wahrheit werden könnte, so schwerwiegend. Die Alternative zu Daten wären natürlich, so Michael A. Konitzer, "immer noch herkömmliche Zahlungsmittel wie Geld: Wir entlöhnen Google für Email und die Suche, aber genau aus dieser mittelalterlichen Geldwelt hat uns das Internet mit seinen Möglichkeiten und der "free" Kultur auch befreit."
Reichtum besteht in einer solchen Welt aus Wissen und aus Erkenntnis, nicht aus Daten. Reichtum wäre verdichtete Big Data für Erkenntnis. Und es wäre eine lustige Idee, Google bezahlte mich am Schluss über Erkenntnis über mich. Aber umso mehr stellt sich die Frage: Wie schütze ich die Erkenntnis? Welchen Informationsschutz bietet mir das Datenschutzrecht an?
Facebook macht es falsch
Professor Marcus Schögel, Direktor des Instituts für Marketing, Universität St. Gallen, sieht natürlich den Gegenwert von Kundendaten für das Unternehmen. Allerdings gäbe es einfach keinen allgemein gültigen Standard, der in irgendeiner Weise einer Währung gleich käme. Was für ein Unternehmen und auch für einen Kunden werthaltig sei, müsse immer im Einzelfall entschieden werden und entziehe sich klarer Messbarkeit.
Natürlich habe der Kunde ein Anrecht zu erfahren, was über ihn gespeichert werde. Ob ein Unternehmen dabei immer seine Algorithmen preisgeben würde, sei allerdings nicht ausgemacht. Hier helfe die Anreiz- Beitrags-Theorie weiter, um diese Balance zu verstehen. Welchen Anreiz haben Kunden, ihren Beitrag in der Form ihrer Daten zu leisten?
Unternehmen wie Amazon oder Google, die direkt nach der Eingabe eine Verbesserung der Empfehlungen für die Suche oder das Bestellen von Medien bieten können, haben es hier sicher leichter als Facebook. Das Social Network spielt über die Bande und es ist nicht klar transparent, warum die Abgabe von realen Daten etwas im Facebook-Erlebnis für Kunden verbessern sollte. Sogar das Gegenteil kann hier der Fall sein. Und insofern wird man es hier schwer haben, den eigenen Nutzern wirklich über einen klaren Anreiz und Transparenz relevanteren Beitrag abzutrotzen. Zumal ein Facebook-Nutzer nicht wirklich auf die Seite komme, um Werbeangebote zu sehen. Hier sei Google besser aufgestellt.
In eine andere Richtung kann der radikalere Ansatz gehen, einen Grundstamm an Daten für alle zugänglich als Kunde ins Netz zu stellen. So blieben die Daten beim Individuum, und Unternehmen könnten ohne Schwierigkeiten auf diesen Pool zugreifen. Das größere Vertrauen, seine Daten für sich zu behalten, könnte vielleicht dann noch zu zusätzlicher Abgabe von weiteren Daten im Austausch zu Information und transparentem Umgang mit diesem Wissen durch die Unternehmen führen.
So entstände bald etwas, das sich schon eher als Währung bezeichnen lassen könnte.
Drei Medienarbeiter (Michael A. Konitzer, Anatol Locker und Harald Taglinger), die sich schon seit Ende der 80er in digitalen Kanälen bewegen, haben den digitalen Wandel gelebt und begleitet. Sie unterhalten sich in einem Podcast einmal im Monat über die derzeitigen Hotspots und darüber wie in einer sich entwickelnden digitalen Welt die Konstante Mensch sich mit komplexeren medialen Möglichkeiten agiert. Das tun sie nicht alleine. Sie laden Gäste dazu ein. Sie plaudern mit ihm/ihr/ihnen über seine Sicht des Themas. Alle Folgen sind auch via iTunes als Podcast verfügbar.
- Re: Kennst du die Masche mancher fliegender Händler? (5.12.2012 12:49)
- Re: Kennst du die Masche mancher fliegender Händler? (4.12.2012 15:10)
- Kennst du die Masche mancher fliegender Händler? (4.12.2012 13:40)
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