Gleichberechtigung beim Töten an der Front
Ex-US-Soldatinnen haben mit der Bürgerrechtsorganisation ACLU eine Klage gegen den Ausschluss von Frauen in Kampfeinheiten eingereicht
Immerhin schon 14 Prozent von allen 1,4 Millionen US-Soldaten sind Frauen. Doch weil sie nach einer Vorschrift des Pentagon, aber keiner gesetzlichen Regelung, von Kampfeinsätzen ausgeschlossen sind, würden ihnen mehr als 238.000 Posten prinzipiell verschlossen sein, so heißt es in der am 27. November eingereichten Klage von vier Veteraninnen und dem Service Women’s Action Network. Die Frauen fordern Gleichberechtigung und kritisieren, dass die auf Geschlechtervorurteilen basierende Vorschrift auch die Wirklichkeit der Bedingungen militärischer Konflikte und Kriege verkennen. Seit Ende der Wehrpflichtigenarmee 1973 ist deren Zahl steil angestiegen.
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| Bild: US Army |
Die vier Soldatinnen waren im Einsatz im Irak und in Afghanistan, teils mehrmals. Sie hatten Medaillen wegen Verwundungen und Tapferkeit erhalten und waren in Kampfeinsätzen involviert. Mary Hegar war beispielsweise Hubschrauberpilotin und hatte das harte Trainingsprogramm Survival, Evasion, Resistance and Escape (SERE) durchlaufen. Als ihr Hubschrauber bei einem Einsatz abgeschossen wurde, verteidigte sie sich und ihr Team mit Schusswaffen. Colleen Farrell war beim Marine Corps und Befehlshaberin von Female Engagement Teams (FETs), die alleine oder zusammen mit Soldaten auf Patrouillen gingen und wie die Männer in Gefahr liefen, angegriffen zu werden. Zwar hat die Army die Vorschrift über den Ausschluss etwas gelockert, die Frauen wollen aber die volle Gleichberechtigung.
Nach der Argumentation der Frauen gibt es bei den heutigen militärischen Einsatzgebieten keine klar abgegrenzten Kampflinien mehr. Das Pentagon müsse diese Wirklichkeit anerkennen, die auf Stereotypen basierende Vorschrift aus dem Jahr 1992 aufheben, auch Frauen bei der US Army zu Kampfeinsätzen und damit zu allen Positionen im Militär zulassen: "Vor fast einem Jahrhundert haben Frauen erstmals das Wahlrecht erhalten, die Politik des Ausschlusses von Kampfeinsätzen verwehrt Frauen einen zentralen Bestandteil der vollen Bürgerrechte, dem gleichberechtigten Dienst bei der militärischen Verteidigung unserer Nation." 280.000 Soldatinnen seien bislang in Afghanistan und im Irak gewesen und wären auch in Kämpfe verwickelt worden. 144 Soldatinnen wurden getötet, 860 verwundet. Verwiesen wird beispielsweise auf Jessica Lynch, die 2003 im Irak nach einer Schießerei kurzzeitig in Gefangenschaft geraten war. Daraus wurde eine Heldengeschichte gestrickt (Das Hollywood-Heldendrama im Irak), es gab allerdings verschiedene Versionen.
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Nach der Vorschrift können Frauen im Pentagon alles machen und alle Ränge erreichen, abgesehen von "Spezialeinsätzen, Positionen oder Einheiten (in der Größe eines Bataillons oder kleiner), die routinemäßig für direkte Kampfeinsätze oder routinemäßig zusammen mit Einheiten eingesetzt werden, die direkte Kampfmissionen erfüllen". Das heißt, Frauen können durchaus an Kampfeinsätzen teilnehmen, aber halt nicht routinemäßig. Und sie können an Einsätzen von Spezialeinheiten teilnehmen, aber nicht Mitglied von Spezialeinheiten werden. 1994 wurde die Vorschrift aktualisiert, nach der Frauen nicht bei Einheiten tätig werden dürfen, die kleiner als eine Brigade sind und deren Auftrag der direkte Kampf ist. Auch vom Dienst in bestimmten Stützpunkten können Frauen ausgeschlossen werden.
Für die Frauen ist der Ausschluss eine ungerechtfertigte, gegen die Verfassung verstoßende Diskriminierung, die auch die Fähigkeiten behindere, "effektiv zu kämpfen". Der Welt würde durch den Ausschluss die Botschaft vermittelt, dass Frauen nicht im selben Maße ihrem Land dienen können wie Männer". Sie würden dadurch zu Bürgern zweiter Klasse erklärt, denen auch manche Karriere im militärischen Apparat und viele Vorteile nach Beendigung des Dienstes verschlossen blieben. Die meisten höheren Offiziere seien bei Kampftruppen eingesetzt gewesen, so dass Frauen, die davon ausgeschlossen werden, der Zugang zu vielen Positionen verwehrt werde.
Für die Leiterin des Women in the Military Project ist die Diskriminierung auch deswegen eine Thema der nationalen Sicherheit, weil damit die Möglichkeit eingeschränkt werde, dass das Militär die besten Soldaten einstellen kann. Nach der Aufhebung der "Don't Ask, Don't Tell"-Regelung, nach der Homosexuelle nur eingestellt werden durften, wenn deren sexuelle Orientierung unbekannt war, würden jetzt nur noch die Frauen einem solchen Ausschluss unterworfen sein.
General James Amos, Oberkommandierendes des Marine Corps hat schon einmal angeordnet, alle 53.000 Soldaten über Frauen in Kampftruppen zu befragen. Gefragt wird u.a. auch, ob Frauen in solchen Einheiten die Männer bei ihrem Job stören würden. Das Ergebnis wurde noch nicht bekannt gegeben. Angekündigt wurde nun, dass ab 1. Januar Soldatinnen bei den Marines nun auch Klimmzüge machen müssen. Die beiden ersten Frauen, die zum harten, 13-wöchigen Infantrietraining des Marine Corps in Quantico zugelassen wurden, haben das Training wieder abgebrochen. Im Januar könnten es die nächsten Frauen wieder versuchen.
http://www.heise.de/tp/artikel/38/38111/1.html- Re: Das Problem ist das Sterben der Frauen (3.12.2012 14:15)
- Re: Weil die nicht wissen, was Krieg ist. (3.12.2012 11:19)
- Dann muss aber auch eine Regel her... (2.12.2012 23:34)
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