Herunterladen, Drucken, Schießen

07.12.2012

Eine Gruppe von jungen Amerikanern will mit einem Wiki-Waffen-Projekt mit 3D-Druckern funktionsfähige Waffen ausdrucken und die Vorlagen frei zur Verfügung stellen

Die Zeit der persönlichen 3D-Drucker kommt, was neben praktischen Anwendungen und kreativen Verwendungen auch Copy&Paste aus der digitalen Sphäre in die Welt der materiellen Dinge mit sich bringt. Sie müssen nur entsprechend in die beweglichen Komponenten zerlegt werden, die nach dem Druck wieder zusammengesetzt werden. Je nach 3D-Drucker können Einzelteile auch schon ziemlich groß sein. Mit entsprechenden Programmen oder mittels 3D-Objektdatenbanken lassen sich viele Dinge von Modellflugzeugen oder Drohnen über Ersatzteile, Lampen oder Spielzeuge bis hin zu Teilen drucken, aus denen man wieder einen 3D-Drucker zusammenbauen kann. Drucken lässt sich mit Kunststoff oder Kunstharzen, aber auch mit Metall, mit Beton oder sogar mit organischem Gewebe.

Nur Griff und Abzug waren ausgedruckt, das Gewehr hielt nur sechs Schuss durch: Bild: Wiki Weapon Blog

Eine Gruppe von Amerikanern hat sich in den Kopf gesetzt, funktionsfähige Waffen mit 3D-Druckern herstellen zu können. Das würde eine Aushebelung der Waffengesetze mit sich bringen, die in den USA sowieso schon ziemlich schwach sind Das "Wiki Weapon Project" Defense Distributed strebt eben dies an und will "frei verfügbare Pläne für 3D-druckbare Schusswaffen erstellen". Da gibt es auch gleich eine großartig als Manifest übertitelte Sammlung von vier Zitaten, darunter eines von Thomas Jefferson, nach dem niemand an der Verwendung einer Waffe gehindert werden dürfe.

Weil jeder also eine sichere und funktionsfähige Schusswaffe selbst ausdrucken können soll, strebt die Gruppe an, die frei im Internet veröffentlichten Pläne auch für billige 3D-Drucker zu entwickeln. Das Ziel des Projekts soll es sein, "unsere Denkweise über Waffenkontrolle und -kauf zu verändern. Wie werden sich Regierungen verhalten, wenn sie eines Tages unter Annahme handeln müssen, dass jeder Bürger über das Internet einen sofortigen Zugang auf eine Schusswaffe hat? Lasst es uns herausfinden." Beantragt wurde schon mal eine Federal Firearms License (FFL), die Gruppe, beim Einsammeln von Spenden offenbar ganz erfolgreich, war auch auf erste Schwierigkeiten gestoßen, nachdem die Firma Stratasys Ende September einen gemieteten 3D-Drucker lieber gleich wieder zurückgezogen hatte. Allerdings sind zwei Firmen, die aber nicht genannt werden wollen, daraufhin eingesprungen, wo die Gruppe ihre Entwürfe drucken lassen kann.

Am letzten Wochenende hat, nachdem Michal Guslick im Oktober ein AR-15-Gewehr ausdrucken konnte und einige Verbesserungen vorgenommen wurden, die Gruppe erste Schießtests mit einem nur teilweise ausgedruckten Gewehr aus Plastikteilen gemacht. Gedruckt waren der Griff und der Abzug des AR-15-Gewehrs, der Rest wurde aus gekauften Metallteilen zusammengebaut. Sie hätten schon gewusst, dass das Gewehr nicht lange durchhalten wird, sagte Cody Wilson, der Leiter des Wiki-Waffen-Projekts, gegenüber dem Danger Room von Wired, aber es brach schon nach sechs Schüssen auseinander. Der Rückstoß beim Feuern hat vermutlich den Griff zerstört. Man arbeitet an Verbesserungen und glaubt weiterhin, dass es möglich ist, eine funktionsfähige Schusswaffe zu drucken

Weil die Gruppe alles ganz offen betreibt und alle Pläne und Überlegungen der Öffentlichkeit ausbreitet, wurden natürlich auch Kritiker und Waffengegner hellhörig. Auch wenn die Gruppe nun einen Antrag gestellt hat, um Waffen legal herstellen zu dürfen, können dies andere, wenn sie die Pläne erhalten und Drucker zur Verfügung haben, natürlich im Geheimen machen. Schöne Aussichten … gegen die sich aber, abgesehen von Verboten, Schusswaffen auszudrucken, solche zu vertreiben oder zu besitzen, kaum wirklich etwas machen lässt.

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