Fahrradfahren ist nicht gefährlicher als Autofahren

14.12.2012

Bei Männern unter 20 Jahren ist Autofahren deutlich gefährlicher, über 70 Jahren erst wird das Radeln riskanter

Radfahren soll gefährlich sein. Deswegen wird immer einmal wieder über eine Helmpflicht gesprochen. Gegner sagen, eine Helmpflicht würde manche Menschen abhalten vom Radeln, was nicht nur der Gesundheit diene, sondern auch den die Luft belastenden und Lärm produzierenden Verkehr reduziere. Unklar jedoch ist, ob das Gefährdungsrisiko für Radfahrer höher ist als das für Autofahrer oder Fußgänger. Britische und australische Wissenschaftler sind nach Auswertung von Unfalldaten für Großbritannien zu dem Ergebnis gekommen, dass Autofahren in aller Regel deutlich gefährlicher ist als Radfahren. Nur Männer im Alter von über 70 Jahren scheinen vom Fahrradfahren stärker gefährdet zu werden.

Für die in PLoS One erschienene Studie haben die Wissenschaftler Daten über Krankenhauseinlieferungen und Todesfälle in England zwischen 2007 und 2009 für Fußgänger, Fahrradfahrer und Autofahrer nach Altersgruppen und Geschlecht ausgewertet. Nach einer nationalen Umfrage wurden aus Entfernung und Reisezeit nach Alter, Geschlecht und Fortbewegungsart in Durchschnittsgeschwindigkeit umgerechnet. Die Benutzung öffentlicher Nahverkehrssysteme wurde nicht mit einbezogen. Die Todesraten wurden mit holländischen Daten verglichen. Interessant ist schon einmal, dass Fußgänger durchaus gefährlich leben. Während Auto- und Fahrradfahrer durchschnittlich nach einem Unfall 2,9 Tage im Krankenhaus verbringen, kommen Fußgänger erst nach 4,7 Tagen wieder aus dem Krankenhaus.

Meist seien bislang bei Vergleichen über die Gefährlichkeit der Fortbewegung einige Fehler begangen worden. Man könne beispielsweise lange Autofahrten nicht mit Radfahren über kürzere Strecken vergleichen. Wichtiger als die zurückgelegten Kilometer ist die im Verkehr verbrachte Zeit. Es sei auch irreführend, bei internationalen Vergleichen die Bevölkerungsgröße zur Grundlage zu nehmen. Zudem müssten eben auch vergleichbare Zahlen verwendet werden. Es sollten also nur Unfälle herangezogen werden, die im Verkehr entstehen, Fußgänger inklusive. In Großbritannien sind die meisten Autofahrer mittleren Alters und zur Hälfte Frauen. Bei den Fahrradfahrern sieht dies ganz anders aus. Hier überwiegen die Männer - und die sind überwiegend jung. 24 Prozent der schweren Verletzungen unter Fahrradfahrern betreffen Männer unter 20 Jahren, bei den Autofahrern sind es 12 Prozent. Weil Männer und junge Menschen risikofreudiger sind, werden etwa aufgrund dieser Gegebenheiten Vergleiche zwischen Autofahren und Radfahren gerne schief.

Die Unfallrate - Risiko pro Stunde - ist bei den meisten Altersgruppen bei allen drei Fortbewegungsarten etwa gleich, aber Verletzungen pro eine Million Stunden unterscheiden sich stark nach Alter und Geschlecht. Bei Männern im Alter zwischen 21 und 49 Jahren ist das Risiko etwa gleich, bei Frauen aber nur für Fußgänger und Autofahrerinnen im Alter zwischen 21 und 69 Jahren. Autofahrer leben am gefährlichsten, wenn sie jung sind, riskanter wird es wieder ab 70 Jahre. Beim Gehen und Radfahren steigt das Risiko mit dem Alter. Am meisten gefährdet sind männliche Autofahrer im Alter von 17-20 Jahren, hier ist das Risiko fünfmal höher als beim Radfahren, und männliche Radfahrer über 70 Jahren. In der Regel ist es für Männer im Verkehr riskanter als Frauen, letztere erleben mehr Unfälle als Fußgängerinnen im Alter von 70+, die Männer mehr als Autofahrer ab 60+. Das Risiko für autofahrende Männer unter 30 Jahren ist etwa gleich hoch wie für Fahrradfahrer, im Alter von 17-20 Jahren ist es deutlich höher. Den jungen Männern sollte man also eher empfehlen, sich wenn möglich mit den Rad fortzubewegen. Ähnliche Ergebnisse wurden in den Niederlanden gefunden. Hier lagen die tödlichen Unfälle von Fahrradfahrern bei Menschen bis zu 50 Jahren unter denen von Autofahrern, im höheren Alter wird auch hier Fahrradfahren gefährlicher.

Die mit dem Fahrradfahren einhergehenden Risiken sind mithin ziemlich gering. Wenn ein Mensch statistisch eine Stunde täglich mit Fahrrad und dabei 180.000 km fährt, liegt die Wahrscheinlichkeit für einen tödlichen Unfall bei 1:150. Die Wissenschaftler verweisen auf Studien, die zeigen, dass die Vorteile für die Gesundheit beim Radfahren um Dimensionen höher liegen als die Risikowahrscheinlichkeiten. Fußgänger sind nach zurückgelegten Kilometern mit 45 Todesfällen pro einer Milliarde km gefährdeter als Fahrradfahrer (34), wobei Gehen, so die Wissenschaftler, die offenbar Radfahren fördern wollen, nie als sonderlich gefährlich bezeichnet worden sei.

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