Im Dschungel der Städte

26.12.2012

Games-Jahresvorschau 2013, Teil 1: Die wichtigsten Action-Titel

Von Los Santos bis in die Wolken, von der Tropeninsel bis ins All: Das Spielejahr 2013 schickt uns in die äußersten Winkel der digitalen Welt. Teil 1 der Jahresvorschau stellt Action-Adventures und Shooter vor.

Verfolgungsjagden, Base-Jumping, Chopper-Flüge? Check. Eine Spielwelt, größer als RDR, GTA: San Andreas und GTA IV zusammen? Check. Drei spielbare Figuren auf einmal? Moooment... was soll denn das jetzt bitteschön? Seit Rockstar Games Mitte November neue Details zu GTA V preisgegeben hat, kommen die Fan-Foren nicht zur Ruhe. "Das fühlt sich mehr wie Die Sims an, wo es Marionetten und einen Lenker gibt", schreibt ein enttäuschter Fan auf GTAforums.com, "es fehlt einfach die Verbindung zur Spielfigur". Ein anderer beschwört gleich den kompletten Niedergang des Studios: "RIP Rockstar Games."

GTA V. Bild: Rockstar Games

Doch neben den Schwarzmalern gibt es auch jene Fans, die den Wandel der Serie begrüßen: "Man hat mehrere Erzählstränge - das bedeutet, man hat ein langes Spiel und mehr Auswahl. Für mich klingt das gut", schreibt ein Kommentator auf nowgamer.com. Aus Sicht von GTA-Drehbuchautor Dan Houser hat die tiefgreifende Änderung nur Vorteile. In GTA IV sei der Charakter Niko Bellic unglaubwürdig gewesen: Einerseits wollte er sein früheres, gewalttätiges Leben hinter sich lassen, andererseits machte er ständig harmlose Passanten nieder. Die drei Hauptfiguren von GTA V hingegen, sagt Houser, hätten ganz unterschiedliche Blickwinkel auf die Welt - das mache "die moralische Gleichgültigkeit, die quer durch den Cast herrscht, zu einer glaubwürdigen Tatsache". Zudem könne der Spieler jederzeit zwischen den Figuren hin- und herwechseln und ganz nach Belieben bestimmte Handlungsstränge verfolgen - das Spiel werde dadurch abwechslungsreicher, so Houser.

Die drei Hauptdarsteller leben in unterschiedlichen Gesellschaftsschichten von Los Santos: Der Ex-Bankräuber Michael nimmt an einem Zeugenschutzprogramm teil und möchte samt Familie das Luxusdasein im Villenviertel Rockford Hills genießen, gerät aber bald in Geldnot. Michaels ehemaliger Raubkumpan Trevor ist ein gewalttätiger, drogenabhängiger Psychopath, der einen Ausweg aus dem selbstverschuldeten Bankrott sucht. Franklin schließlich ist ein junger Afroamerikaner, der als Repo Man für einen zwielichtigen Autohändler arbeitet. Schon bald tun sich die drei Antihelden auf der "Suche nach dem allmächtigen amerikanischen Dollar" (Houser) zusammen, sprich: Sie überfallen Banken. Die Hauptmissionen bestreiten die Kriminellen mal allein, mal zu zweit oder auch zu dritt - je nachdem, welche Talente gerade gefragt sind. Beispiel: Bei einem Banküberfall seilt sich Michael an einer Hochhausfassade ab; Trevor sichert die Szenerie mit einem Scharfschützengewehr; Franklin fährt das Fluchtauto. Ob das Ganze wirklich so viel Spaß macht, wie Houser verspricht - und ob man sich gut mit den Charakteren identifizieren kann - wir werden es schon bald erfahren: GTA V ist für das zweite Quartal 2013 angekündigt.

Bioshock Infinite. Bild: 2K Games

Als bissige Satire auf den American Way of Life wusste die GTA-Reihe schon immer zu überzeugen. Andere Games verlagern ihre Gesellschaftskritik ins Dystopische: Bestes Beispiel ist die Serie Bioshock, deren Schauplatz zweimal die unwirtliche Unterwasserstadt Rapture war. Bioshock: Infinite (26. März) etabliert einen neuen Handlungsort: die Wolkenmetropole Columbia, deren Häuser an gewaltigen Heißluftballons hängen. Die prachtvolle Kulisse täuscht über die wahren Zustände hinweg: In Columbia tobt ein Krieg zwischen den ultranationalistischen Gründervätern und einer Gruppe Rebellen mit dem schönen Namen Vox Populi. Mitten in dieses Chaos gerät der ehemalige Pinkerton-Agent Booker DeWitt, als er zur Tilgung seiner Wettschulden einen höchst riskanten Auftrag annimmt: Booker soll Elizabeth befreien, eine junge Frau mit übernatürlichen Fähigkeiten, die schon seit ihrer Kindheit in Columbia gefangengehalten wird. Elizabeth wird von einem mechanischen Riesenvogel namens "Songbird" bewacht, und auch sonst wimmelt die Stadt von gefährlichen Gegnern.

Zum Glück ist Booker ein sehr robuster Zeitgenosse: Er kann ncht nur gut mit herkömmlichen Hieb- und Feuerwaffen umgehen, sondern dopt sich auch mit psychokinetischen Upgrades. Die Palette der sogenannten Vigors reicht vom mörderischen Krähenschwarm bis zu Schwebe- oder Lähmungszaubern. Bookers bevorzugtes Transportmittel ist übrigens ein freischwebendes Schienennetz ("Sky-Line"), an dem er wie auf einer Achterbahn durch die Wolken saust. Bioshock-Fans werden auftretende Schwindelgefühle nur allzu gerne in Kauf nehmen, um das Rätsel der mysteriösen Elizabeth zu lösen. Bleibt zu hoffen, dass das mehrfach verschobene Spiel tatsächlich Ende März erscheint.

Tomb Raider. Bild: Square Enix

Aus dem Himmel zurück auf den Boden der (fiktionalen) Tatsachen. Genauer gesagt: Auf ein entlegenes Tropen-Eiland. Dort lässt es sich prinzipiell überleben - vorausgesetzt, man macht in Nullkommanichts eine Wandlung vom Warmduscher zum Inselrambo durch - so geschehen im unlängst veröffentlichten Shooter Far Cry 3. Wie aber sieht die Sache aus, wenn die nötigen Survival-Skills erst mühsam erarbeitet werden müssen? Das Reboot von Tomb Raider (5. März) versetzt Spieler in die Rolle der jungen Lara Croft, die auf einer archäologischen Forschungsexpedition Schiffbruch erleidet. Als Lara aus der Bewusstlosigkeit erwacht, hängt sie kopfüber gefesselt in einer düsteren Höhle, die von den herumliegenden Voodoo-Artefakten auch nicht heimeliger wird. Kaum hat sie den nervenaufreibenden Weg ans Tageslicht gemeistert, geht es im Kampf auch schon munter weiter: Lara muss Wasser und Nahrung finden, Raubtiere abwehren und eine Söldnerbande besiegen, die sie und ihren Forscherkollegen töten will.

Anders als Far Cry 3 ist das neue Tomb Raider kein Open-World-Game: Die Handlung verläuft weitgehend linear und wird immer wieder von Quicktime-Events unterbrochen, in denen man seine Reaktionsschnelligkeit beweisen muss. Das Gameplay erinnert stark an die Uncharted-Reihe und nicht so sehr an die bisherigen Tomb-Raider-Titel. Der größte Unterschied aber ist die Darstellung von Lara Croft selbst: In ihrer Verletzlichkeit und Furcht wirkt sie viel menschlicher als die pistolenschwingende, übercoole und übersexualisierte Draufgängerin, die man von früher kennt. Der character makeover ist ein kluger Schachzug, um Lara Croft aus dem über die Jahre geronnenen Klischee zu befreien - und um sie als Person wieder interessant zu machen. Nur so nämlich kann sie sich im Laufe des Abenteuers weiterentwickeln - und glaubwürdig von der Gejagten zur Jägerin werden.

The Last of Us. Bild: Sony Computer Entertainment

Ums Überleben unter widrigsten Bedingungen geht es auch in dem Action-Adventure The Last of Us, das am 7. Mai erscheint. Der PS3-Exklusivtitel entwirft ein postapokalyptisches Szenario: Weite Teile der US-Bevölkerung sind von einem Schmarotzerpilz dahingerafft oder in willenlose Zombies verwandelt worden. Unter den wenigen Überlebenden, die verbissen um Ressourcen kämpfen, befindet sich auch der Schwerkriminelle Joel. Einem sterbenden Freund verspricht er, die 14-jährige Ellie zu beschützen - von da ab schlägt sich das ungleiche Duo durch die von Pflanzen überwucherten Großstadtruinen.

Aus der Third-Person-Perspektive steuert der Spieler den kampfstarken Joel, während die Konsolen-KI das Mädchen Ellie übernimmt. The Last of Us wird vom kalifornischen Studio Naughty Dog entwickelt, das mit Uncharted eine höchst erfolgreiche Spielereihe etabliert hat. Das Gameplay beider Titel weist denn auch deutliche Parallelen auf: Joel klettert und schleicht, sucht bei Schusswechseln dynamisch Deckung und geht schwungvoll in den Nahkampf. Allerdings soll The Last of Us erheblich mehr Handlungsfreiheit bieten als das doch sehr lineare Uncharted - für kritische Situationen wird es verschiedene Herangehensweisen geben. Inhaltlich und atmosphärisch ließ sich Naughty Dog von Filmen wie I am Legend, 28 Days Later und The Road inspirieren. Die Macher versprechen, mehr zu bieten als gängige Survival-Horror-Kost - im Mittelpunkt steht das ungewöhnliche Bündnis der beiden Hauptfiguren.

The War Z. Bild: Hammerpoint Interactive

Keine Sorge: Wer brachiale Zombie-Action sucht, wird 2013 problemlos fündig werden. Mit The Walking Dead: Survival Instinct führt Activision einen Shooter ins Rennen, der an die populäre TV-Serie andockt. Inhaltlich ist das Spiel ein Prequel: Aus dem ländlichen Georgia kämpfen sich die Brüder Daryl und Merle Dixon bis in die Metropole Atlanta vor; unterwegs treffen sie weitere Überlebende, die ihnen entweder helfen oder schaden. In der Rolle des Daryl kann der Spieler die Zombies entweder direkt bekämpfen oder an ihnen vorbeischleichen - ob Survival Instinct auch nur annähernd so viel Spaß macht wie Telltales episodisches Adventure zur Comic-Vorlage, wird sich zeigen. Darüber hinaus geht am 26. April die tropische Zombie-Apokalypse Dead Island: Riptide an den Start. Allerdings wird Deep Silver das Open-World-Game - wie schon den Vorgänger von 2011 - nicht in Deutschland veröffentlichen, Interessenten sind auf die Importfassung angewiesen. Voraussichtlich Anfang 2013 wird auch die Standalone-Version des Zombie-MMOs DayZ erscheinen - sie geht aus einer ARMA-Mod hervor, die 2012 mehr als eine Million Spieler anlockte. Auch die finale Version des Konkurrenztitels The War Z wird zu Jahresbeginn veröffentlicht - eine nahezu vollständige Fassung names Foundation Release soll es schon Ende 2012 auf Steam geben.

Dead Space 3. Bild: Electronic Arts

Untote sind im Spielekalender 2013 höchst präsent - übertroffen werden sie nur noch von den guten alten Außerirdischen. Bereits im Februar kommt es zum Kräftemessen der Alien-Shooter: Den Anfang macht Dead Space 3 (8.3.), es folgen Aliens: Colonial Marines (13.2.) und Crysis 3 (22.3.). Die ersten beiden Teile des Third-Person-Shooters Dead Space zeichneten sich durch eine beklemmende Atmosphäre aus: Protagonist Isaac Clarke kämpfte sich allein durch klaustrophobisch enge Raumschiffkorridore, attackierende Necromorphs hielt er durch strategic dismemberment in Schach. In Dead Space 3 erhalten Außenareale mehr Gewicht - die Kämpfe gegen gewaltige Monster erinnern ein wenig an Lost Planet, dessen dritter Teil im selben Jahr erscheinen soll. Am Gameplay von Dead Space hat EA ebenfalls geschraubt: Clarke wird sich nun abrollen und in Deckung gehen können. Die wichtigste Neuerung ist jedoch der Koop-Modus, der nach dem Prinzip Drop-In/Drop-Out funktioniert: Mitspieler können jederzeit in die Rolle von Sgt. John Carver schlüpfen, der an Clarkes Seite gegen die Necromorphs kämpft.

Aliens Colonial Marines. Bild: Sega

Aliens: Colonial Marines wird es zweifellos schwer haben, gegen Dead Space 3 zu bestehen. Entwickler Gearbox Software hat zwar zuletzt das großartige Borderlands 2 abgeliefert, bei Duke Nukem Forever jedoch ordentlich gepatzt. Colonial Marines ist ein First-Person-Shooter, der sich stark an das berühmte Film-Franchise anlehnt; inhaltlich knüpft er an Teil zwei aus dem Jahre 1986 an. Als Corporal Christopher Winter nimmt der Spieler an einer Expedition teil, um Ellen Ripley, Dwayne Hicks und andere Vermisste zu retten; Schauplätze sind unter anderem die U.S.S. Sulaco, ein zerstörtes Alien-Raumschiff und der Planet LV-426. Im Spiel werden ikonische Waffen wie der Flammenwerfer und die Pulse Rifle zum Einsatz kommen; natürlich darf auch der Motion Tracker nicht fehlen, der schon im Film für reichlich Spannung sorgte. Man kann dem Spiel nur wünschen, dass es gut wird - schon allein den unzähligen Alien-Fans zuliebe.

Crysis 3. Bild: Electronic Arts

Crysis 2 (2011) war ein packend inszeniertes Action-Spektakel: Außerirdische legten New York in Schutt und Asche, der Spieler hielt dank Nanosuit munter dagegen. Crysis 3 spielt erneut in New York, das jedoch kaum wiederzuerkennen ist: Die korrupte Cell Corporation hat die Stadt mit einem gewaltigen Nanodome versiegelt - offiziell sollen dadurch die verbliebenen Ceph-Aliens isoliert werden. Unter dem Nanodome hat sich die Hochhauslandschaft in eine Wildnis mit dichter Vegetation, Sümpfen und Flüssen verwandelt: Ein idealer Ort für Spieler, die gerne ausgefeilte Guerilla-Taktiken nutzen. Offenbar will Deutschlands erfolgreichstes Entwicklerstudio Crytek die Vorzüge des Insel-Shooters Far Cry mit der vertikalen Action von Crysis 2 kombinieren - eine Rechnung, die durchaus aufgehen könnte, wie imposante Spielszenen belegen.

Weitere AAA-Shooter, die voraussichtlich 2013 erscheinen (Auswahl):

First Person: Dust 514 (Frühjahr)
Metro: Last Light (März)
Rainbow 6: Patriots
ARMA 3
Killzone: Mercenary (Vita-exlusiv)
Third Person: Gears of War: Judgment (März)
Splinter Cell: Blacklist (Quartal 2)

Teil 2 präsentiert weitere Action-Titel und Rollenspiele
Teil 3 dreht sich um Strategiespiele, Platformer und Rätselabenteuer.

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