Lesen gut, Mathematik befriedigend

11.12.2012

Das PIRLS- und das TIMSS-Zeugnis: Deutsche Grundschulen im internationalen Vergleich

Seit Jahren verweisen Bildungskritiker auf das Vorbild Finnland, wird man jetzt, nach PIRLS (deutsch Iglu) und TIMSS, weiter nach Osten schauen und sich mehr mit den Schulsystemen in Singapur, Hong Kong, Südkorea, Taiwan und Russland befassen?

Internationale Leistungsvergleiche sind, wie man spätestens seit dem PISA-Schock weiß, umstritten. Auf eine grundlegende Kritik der Beurteilungsmaßstäbe der heute veröffentlichten Leistungsvergleiche, PIRLS und TIMSS, muss man noch warten.

Einstweilen zeigt der erste Blick auf den internationalen Vergleich der Lese- und der mathematischen Fähigkeiten von Viertklässlern, dass Deutschland irgendwo weiter unten in einer weiter gefassten Spitzengruppe ist, um einiges entfernt von den Besten, gerade wenn es um Kompetenzen in Mathematik oder Naturwissenschaft geht. Am Beispiel Naturwissenschaften werden die Schwierigkeiten des Vergleichs unterschiedlicher Bildungs- und Schulsysteme sichtbar, da Naturwissenschaften in deutschen Grundschulen in eigenständiger Form gewöhnlich noch nicht im Unterrichtsplan vorkommen. Für das Gesamtbild wäre es zudem besser, wenn man auch die Daten der Achtklässler, die ebenfalls getestet wurden, heranzieht.

In den beiden Tabellen, die die Lesefähigkeit (PIRLS) und die mathematische Fähigkeiten (TIMSS) der Grundschüler nach Leistungen ordnen, steht Singapur ganz oben; Hong Kong ist in beiden Tabellen ebenfalls unter den ersten vier. Und auch Taiwan findet sich in beiden Tabellen in der Spitze.

Lesen

Alle beiden Rangeinteilungen wurden nach jeweils vier Maßgaben erstellt - je nach Anteil bei den fortgeschrittenen, hohen, durchschnittlichen oder niedrigen Kriterien. Beim Lesen wurde nach Kompetenzen bei literarischen Texten, Kurzgeschichten, Erzählungen und bei Sachtexten gefragt, beide Genres waren mit Illustrationen oder Schaubildern ergänzt. Bei dem Kriterium für das "Advanced International Benchmark" mussten die Schüler zeigen, dass sie bei den literarischen Texten zu den überspannenden Themen etwas zu sagen hatten und Handlung und Motive interpretieren konnten. Bei den Sachtexten kam es darauf an, komplexe Informationen aus verschiedenen Teilen des Textes zu unterscheiden und zu interpretieren.

Deutschland liegt hier hinter Ungarn und Bulgarien gleichauf mit Italien auf Platz elf. Mit zehn Prozent der Viertklässler, die diese Maßgabe erfüllen. Zum Vergleich in Singapur sind es 24 Prozent der Schüler und in Russland 19 Prozent, in Hong Kong und England 18 Prozent; jeder zehnte Viertklässler in Deutschland und ungefähr jeder fünfte in Russland bewies in den Tests höchste Lesefähigkeit. In der Kulturnation Frankreich war es jeder zwanzigste.

Mathematik

Bei den mathematischen Kompetenzen galten Schüler als fortgeschritten, wenn sie ihr Verständnis und ihr Wissen in einer Auswahl unterschiedlichster komplexer Situationen anwenden konnten und ihren Lösungsweg erklären konnten. Die Definition des "Advanced International Benchmark" für Mathematik ist ambitioniert.

They can solve a variety of multi-step word problems involving whole numbers, including proportions. Students at this levels show an increasing understanding of fractions and decimals. Students can apply geometric knowledge of a range of two-and three dimensional shapes in a vaiety of situations. They can draw a conclusion from data in a table and justify tehir conclusions.

Als Maßgabe für die "hohen internationale Zielvorgabe" galt, dass die Schüler ihr Wissen und ihr Verständnis anwenden konnten, um Probleme zu lösen.

Bei dem fortgeschrittenen Leistungsfeld sind die Abstände enorm. Die beiden Spitzenreiter Singapur und Südkorea zählen 43 bzw. 39 Prozent der Grundschüler, die das höchste Leistungskriterium ("advanced") erfüllen, und 78 bzw. 80 Prozent, welche den hohen internationalen Zielvorgabe ("high international benchmark") entsprechen.

Für die deutschen Viertklässler, auf Platz 22 hinter Kasachstan, Rumänien und der Slokwakei, liegen die Werte für "fortgeschrittene Kenntnisse" bei 5 Prozent und für "hohe" bei 37 Prozent. Unter den ersten fünf Ländern finden sich ausschließlich asiatische, mit Hong Kong auf Platz drei (37 Prozent "fortgeschrittene"), Taiwan (34 Prozent) und Japan auf Platz fünf (30 Prozent). Mit etwas Abstand folgt Nordirland als erstes europäisches Land auf Platz sechs (24 Prozent "fortgeschrittene Kenntnisse").

Man darf gespannt sein, wie die Ergebnisse nach genaueren Analysen in der nächsten Zeit interpretiert werden.

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