Polen: Internetscout gegen Soldatenschmäher

Jens Mattern 12.12.2012

Jacek Zebryk ist ein polnischer Irak- und Afghanistan-Veteran, doch Krieg führt er immer noch

Für seinen persönlichen Feldzug sitzt der Soldat zu Hause auf dem Sofa, auf dem Couchtisch mit der Häkeldecke der aufgeklappte Laptop. So durchkämmt er polnische Internetforen, im Visier hat er Schmähungen gegen polnische Soldaten im Einsatz.

  • drucken
  • versenden

"Der nächste Okkupant lebt nicht mehr. Applaus für die afghanischen Freiheitskämpfer", schrieb der 28-jährige Piotr G. als Reaktion auf den Tod eines polnischen Soldaten in der afghanischen Provinz Ghazni.

Piotr G. verteidigte sich vor Gericht, als Pazifist könne er sich so äußern. Doch er wurde er zu einem Monat Sozialarbeit verurteilt. Bereits 137 solcher Sätze hat der weiterhin aktive Feldwebel aufgespürt, 56 davon hat die Staatsanwaltschaft an die Polizei weiter gegeben.

"Die Internauten (so werden die Nutzer des Netzes in Polen genannt) sollen begreifen, dass es strafbar ist, Verbrechen zu loben und andere zu entwürdigen", erklärte der Feldwebel gegenüber der Gazeta Wyborcza. Bei Verhandlungen will er den Schmähern weiterhin in die Augen sehen.

Doch die Recherchen und die Auftritte vor Gericht sind aufwändig und vor allem kostspielig. Finanziell unterstützt wird der Soldat durch den staatlichen Rüstungskonzern Bumar, der derzeit auf einen vier Milliarden Euro schweren Vertrag zur Panzerproduktion hoffen darf.

Der Konzern, der in vierzig Subunternehmen unterteilt ist, dominiert den polnischen Rüstungsmarkt. Dessen Sprecher streitet die Finanzierung Zebryks gar nicht ab.

Kritiker, wie der Philosophieprofessor Roman Kubicki aus Posen, befürchten dass so eine offene Diskussion über den Sinn des polnischen ISAF-Einsatzes nicht geführt werden kann, zumal ein Rüstungsunternehmen vor allem an der Weiterführung des Krieges interessiert sei.

In Polen war der Afghanistan-Einsatz stets umstritten, der vollständige Rückzug der Truppen ist jedoch schon auf 2014 festgelegt. Eine Debatte um Sinn oder Unsinn der ISAF-Mission des NATO-Mitgliedes findet darum in Polens Öffentlichkeit nicht statt.

Doch um Zebryk wird es so schnell nicht ruhig. Sein Feldzug hat mittlerweile radikale Gegner auf den Plan gerufen, die ihn anonym bedrohen. Er und seine Familie bekommen mittlerweile Polizeischutz.

http://www.heise.de/tp/artikel/38/38181/1.html
>
<

Darstellungsbreite ändern

Da bei großen Monitoren im Fullscreen-Modus die Zeilen teils unleserlich lang werden, können Sie hier die Breite auf das Minimum zurücksetzen. Die einmal gewählte Einstellung wird durch ein Cookie fortgesetzt, sofern Sie dieses akzeptieren.

Cover

Dein Staat gehört Dir!

Ein Abschiedsbrief an das Wutbürgertum

Reich und unglücklich

Große Erwartungen: Baz Luhrmann's "Der Große Gatsby" ist der Film zum Soundtrack

Klonen als Indiz für eine Jahrtausendangst

James Hughes 05.03.1997

Wider eine irrationale Angst

Der Bioethiker James Hughes sieht im Klonen nur eine weitere nützliche Technik, deren Probleme im Rahmen der bestehenden Gesetze bereits beantwortet werden. Also kein Grund zur Beunruhigung? Vielleicht doch, sagt Hughes und verweist auf die Möglichkeit transgenetischer Tiere, denen sich menschliche Eigenschaften einbauen ließen und mit denen sich die Menschenrechte unterlaufen lassen könnten.

weiterlesen
bilder

seen.by


TELEPOLIS