Polen: Internetscout gegen Soldatenschmäher
Jacek Zebryk ist ein polnischer Irak- und Afghanistan-Veteran, doch Krieg führt er immer noch
Für seinen persönlichen Feldzug sitzt der Soldat zu Hause auf dem Sofa, auf dem Couchtisch mit der Häkeldecke der aufgeklappte Laptop. So durchkämmt er polnische Internetforen, im Visier hat er Schmähungen gegen polnische Soldaten im Einsatz.
"Der nächste Okkupant lebt nicht mehr. Applaus für die afghanischen Freiheitskämpfer", schrieb der 28-jährige Piotr G. als Reaktion auf den Tod eines polnischen Soldaten in der afghanischen Provinz Ghazni.
Piotr G. verteidigte sich vor Gericht, als Pazifist könne er sich so äußern. Doch er wurde er zu einem Monat Sozialarbeit verurteilt. Bereits 137 solcher Sätze hat der weiterhin aktive Feldwebel aufgespürt, 56 davon hat die Staatsanwaltschaft an die Polizei weiter gegeben.
"Die Internauten (so werden die Nutzer des Netzes in Polen genannt) sollen begreifen, dass es strafbar ist, Verbrechen zu loben und andere zu entwürdigen", erklärte der Feldwebel gegenüber der Gazeta Wyborcza. Bei Verhandlungen will er den Schmähern weiterhin in die Augen sehen.
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Doch die Recherchen und die Auftritte vor Gericht sind aufwändig und vor allem kostspielig. Finanziell unterstützt wird der Soldat durch den staatlichen Rüstungskonzern Bumar, der derzeit auf einen vier Milliarden Euro schweren Vertrag zur Panzerproduktion hoffen darf.
Der Konzern, der in vierzig Subunternehmen unterteilt ist, dominiert den polnischen Rüstungsmarkt. Dessen Sprecher streitet die Finanzierung Zebryks gar nicht ab.
Kritiker, wie der Philosophieprofessor Roman Kubicki aus Posen, befürchten dass so eine offene Diskussion über den Sinn des polnischen ISAF-Einsatzes nicht geführt werden kann, zumal ein Rüstungsunternehmen vor allem an der Weiterführung des Krieges interessiert sei.
In Polen war der Afghanistan-Einsatz stets umstritten, der vollständige Rückzug der Truppen ist jedoch schon auf 2014 festgelegt. Eine Debatte um Sinn oder Unsinn der ISAF-Mission des NATO-Mitgliedes findet darum in Polens Öffentlichkeit nicht statt.
Doch um Zebryk wird es so schnell nicht ruhig. Sein Feldzug hat mittlerweile radikale Gegner auf den Plan gerufen, die ihn anonym bedrohen. Er und seine Familie bekommen mittlerweile Polizeischutz.
http://www.heise.de/tp/artikel/38/38181/1.html- Re: Diesen Hund hätte es besser auch erwischt... (13.12.2012 11:26)
- Re: Diesen Hund hätte es besser auch erwischt... (13.12.2012 11:05)
- Re: Wie schön, dass Rüstungskonzerne sich Denunzianten leisten können (13.12.2012 10:33)
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