Work-Clouds in der komitativen Sphäre

Rudolf Stumberger 01.01.2013

Wie Net-Medien die traditionellen Zeit-Raum-Strukturen verändern - Zukunft der Arbeit Teil 1

Wenn neue Medien auftauchen, verändern sie unsere kulturelle Umwelt. Sie verändern das Terrain, auf dem wir uns geistig bewegen, und den Zugang zu Orten beziehungsweise zu Informationen, was mitunter das gleiche ist. Das Internet und die digitalen Medien stehen für die bislang letzte große grundsätzliche Veränderung des kulturellen Terrains und es gibt nicht wenige Stimmen, die darin ein revolutionäres Potenzial sehen - politisch zum Beispiel in den arabischen Ländern.

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Eine der größten revolutionären Veränderungen aber wird unsere Arbeitswelt betreffen. Vernetzung und Digitalisierung ermöglichen den völligen Umbau oder gar weitgehende Auflösung oder Verflüssigung von Strukturen. Ort, Zeit und Organisationsform von Arbeit unterliegen einer Transformation hin zu granularisierten, entgrenzten Einheiten. Damit beschäftigen sich die drei folgenden Teile dieser Serie zur Zukunft der Arbeit. Hier im ersten Teil geht es um die kommunikativen Grundlagen dieser Transformationen.

Dazu ein Blick in die Geschichte der Medien: Bereits dem Aufkommen des Fernsehens in den 1950er Jahren wurde ein ähnlich revolutionäres Potenzial wie heute dem Internet und der Digitalisierung zugeschrieben. Der amerikanische Medienforscher Joshua Meyrowitz etwa beschrieb in "Überall und nirgends dabei. Die Fernsehgesellschaft"[1], wie das damals "neue" Medium Fernsehen die sozialen Beziehungen beeinflusste. Er thematisierte den Prozess, wie eine Veränderung der Medienlandschaft soziale Umwelten verändert, indem sie den Zugang zu Wissen in einer Gesellschaft verändert.

Das Fernsehen, so die Argumentation von Meyrowitz, habe dazu geführt, dass viele soziale Bereiche, die vorher getrennt waren, sich nun überlappen (z.B. die Welt der Kinder und der Erwachsenen). Die Menschen waren in verschiedene Informationswelten eingebunden und dadurch voneinander getrennt, da der Zugang zu den verschiedenen Informationswelten mit sozialen Barrieren versehen war (z.B. ist eine gewisse Schulbildung nötig, um ein Buch lesen und verstehen zu können).

Diese Trennung wurde noch verstärkt durch die Isolation verschiedener Menschen an verschiedenen Orten. Das wiederum erzeugte unterschiedliche soziale Identitäten aufgrund der ganz spezifischen und begrenzten Erfahrungen, die an dem jeweiligen Ort gemacht werden konnten. Indem sie nun viele verschiedene Klassen von Menschen am selben "Ort" "versammelten", haben die elektronischen Medien viele vorher unterschiedliche soziale Rollen ineinander verschwimmen lassen.

Veränderung der "Situations-Geographie"

Die Folgen sind auch politischer Natur. Zum einen sind die Identitäten der Menschen nicht mehr an erster Stelle von einem bestimmten Ort und einer bestimmten Gruppe geprägt: Wenn sich viele früher getrennte Situationen mithilfe der elektronischen Medien vermischen, haben sie vermutlich eine homogenisierende Auswirkung auf Gruppen-Identitäten. Die Bindung an und Prägung durch eine traditionelle Gruppe wird so abgeschwächt und diese Bindung wird überlagert durch andere soziale Beziehungen zwischen den Menschen - eine Entwicklung, die in der Soziologie unter den Begriffen der "Individualisierung" und der "Pluralisierung" von Lebensstilen gefasst wird.

Entscheidend ist: Die elektronischen Medien beeinflussen uns also nicht nur durch ihren Inhalt, sondern auch dadurch, dass sie die "Situations-Geographie" unseres Lebens entscheidend verändern. Elektronische Medien wirken sich so auf das soziale Verhalten nicht kraft ihrer Inhalte, sondern durch die den Medien immanente Eigenschaft der Schwächung der Beziehung zwischen physischem und sozialem Ort aus.

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