"Gesteuert von den Doktoren Kagan"

19.12.2012

Der direkte Weg zum kommandierenden General: Wie zwei prominente US-Think-Tank-Mitglieder Petraeus berieten

Näher dran an der Spitze des Militär-Kommandos geht nicht: Das Ehepaar Frederick und Kimberly Kagan hatten beiden fast ein Jahr hinweg direkten Zugang zu General David H. Petraeus, als er Kommandeur der US Forces Afghanistan und der ISAF in Afghanistan war (von Anfang Juli 2010 bis Mitte Juli 2011). Anders als Militärangehörige waren sie keinem umständlichen Dienstweg verpflichtet, um Gehör zu finden, sondern sie konnten ihre Expertise unbürokratisch, unmittelbar und ausgiebig an den General bringen.

Stimmen die Recherchen des Journalisten Rajiv Chandrasekaran, so räumte man den beiden Think-Tank-Persönlichkeiten aus Washington einen eigenen Schreibtisch im Quartier des Militär-Kommandos ein, sie erhielten Zugang zu Strategiebesprechungen auf höherer Ebene, und die dafür notwenige Sicherheitserlaubnis, was ihnen auch erlaubte, Einsicht in Geheimdienstinformationen zu nehmen. Beide sollen zum Beispiel abgehörte Gespräche zwischen Talibanmitgliedern mit großem Vergnügen und Engagement gelesen haben.

Die Kagans waren "de facto hochrangige Berater des Viersterne-Generals", schreibt Chandrasekaran, die durch Kriegsgebiete reisen durften und mit ihm unzählige private Treffen in seinem Büro abhielten. Das Weiße Haus und das Pentagon wusste angeblich nichts über das erstaunliche Ausmaß der Einbindung des Ehepaars in die Arbeit Petraeus'.

Nun ist dies allein angesichts der notorischen Abschottung, die Miltärs ansonsten gegenüber Zivilisten betreiben (Drohnen zu Land, zur Luft und auf der See), außergewöhnlich; pikant wird es, wenn man den Hintergrund der beiden Kagans mit ins Bild nimmt und die Art der Expertise, die sie lieferten.

Frederick Kagan, Bruder des etwas berühmteren Robert Kagan, dem Mitbegründer des neokonservativen Think Tanks Project for the New American Century, ist Mitglied des American Enterprise Institutes (AEI), einer anderen intellektuellen Heimstatt der Neokonservativen. Kagan wird vom AEI als der einer der "intellektuellen Architekten der erfolgreichen 'Surge Strategie' im Irak" bezeichnet. In Afghanistan warb er bei Petraeus und dessen Stab ebenfalls für die "Surge"-Strategie. Beide Kagans sind laut Washington Post bis heute überzeugte Gegner von Truppenreduktionen.

Kimberly Kagan leitet den Think Tank Institute for the Study of War. Dessen Geldgeber sind große Namen im Militärbusiness und bevorzugte Vertragspartner des Pentagon, wie Northtrup Grunman, CACI oder DynCorp. Für ihre monatelange Beratertätigkeit, die nach Informationen Rajiv Chandrasekarans allgemein auf ein härteres militärisches Vorgehen setzte, bekamen die Kagans kein Geld vom Staat; die monatelangen Aufenthalte in Afghanistans wurden finanziell von den Think Tanks und deren Sponsoren unterstützt.

Da die beiden Kagans über gute Beziehungen in Washington verfügen und als Kommentatoren Beiträge in wichtigen Medien veröffentlichen können, konnte sie mit ihrer Einschätzung über die Lage in Afghanistan auch Generäle unter Druck setzen, so der Zeitungsbericht. Der erzählt davon, dass die beiden mit der subtil angedeuteten Drohung, sie hätten die Auffassung, der Feldzug in Afghanistan sei derzeit erfolglos, sich Anfang 2010 eine Einladung vom damaligen militärischen US-Kommandeur in Afghanistan, McChrystal, beschafft haben.

To some senior staff members in McChrystal’s headquarters, the e-mail read like a threat: Invite us to visit or we will publish a piece saying the war is lost.

Bei einer exklusiven Dinner-Veranstaltung des Institute for the Study of War im August letzten Jahres bereitete Petraeus den anwesenden Sponsoren DynCorp International, CACI International und General Dynamics, das Vergnügen, die Rolle des Ehepaares etwas zuzuspitzen: "Die Kagans benoten und beurteilen meine Arbeit täglich. Was auch zum Verdacht Anlass gibt, dass es da eine Hand in meinem Rücken gibt, die auch meine Lippen bewegt; gesteuert wird sie von einem der Doktoren Kagan." Ein Witz. Frederick Kagans arbeitete übrigens in Afghanistan als Experte für die Bekämpfung von Korruption.

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