Mann ohne Eigenschaften bald auch ohne Monopolschutz

20.12.2012

Was 2013 gemeinfrei wird

In Deutschland und in vielen anderen Ländern wird ein Werk 70 Jahre nach dem Tod seines Schöpfers gemeinfrei. Konkret laufen die Fristen aber erst am 31. Dezember jedes Jahres aus. 2013 werden also die Werke all jener Schriftsteller, Wissenschaftler, Komponisten und bildender Künstler gemeinfrei, die 1942 starben.

Der größte Name darunter ist der österreichische Autor Robert Musil, der am 15. April 1942 in Genf an einem Gehirnschlag starb. Neben Musils Internatsanklage Die Verwirrungen des Zöglings Törleß ist vor allem sein Essayroman Der Mann ohne Eigenschaften bekannt, in dem ein Mathematiker denkt und scheitert. Das Werk, das als eines der wichtigsten der klassischen Moderne gilt, wurde auch aufgrund seiner Komplexität und Musils Perfektionismus nie wirklich fertig. Obwohl der Autor den ersten Band bereits 1930 veröffentlichte, zog er später immer wieder Druckfahnen zurück, um sie zu überarbeiten und feilte bis zu seinem Tod am dritten Band, der 1943 posthum erschien.

Robert Musil 1900.

Der im deutschsprachigen Raum zweitbekannteste der mit dem 1. Januar 2013 neuen Gemeinfreien war ebenfalls Österreicher und Schriftsteller: Stefan Zweig, der am 22. Februar 1942 eine Überdosis des Schlafmittels Veronal zu sich nahm, schrieb allerdings sehr viel mehr Bücher als Musil und blieb der Nachwelt vor allem wegen seiner Schachnovelle und seiner historischen Romane in Erinnerung. Der gelungenste darunter ist die 1929 erschienene und ausgesprochen lehrreiche Biografie des exemplarischen Politikers Joseph Fouché, dem es durch den geschickten Umgang mit Personen und Informationen gelang, während der Wirren der Französischen Revolution und danach (bis 1816) oben zu bleiben - egal, wer gerade an der Macht war. Zweig, der jüdischer Abkunft war, emigrierte bereits nach der Machtübernahme des Austrofaschisten Engelbert Dollfuß 1934 nach England und später nach Südamerika.

Bei anderen deutschsprachigen Schriftstellern, die 2013 ohne rechtliches Risiko geteilt und verlegt werden können, besteht mehr Spielraum für Wieder- und Neuentdeckungen: Etwa beim heute weitgehend vergessenen Naturalisten Georg Hirschfeld, beim Expressionisten Jakob van Hoddis, beim Symbolisten Richard von Schaukal, beim Dramatiker Carl Sternheim, beim konservativen Katholiken Rudolf Greinz oder bei der Schweizerin Annemarie Schwarzenbach, die an den Folgen eines Fahrradsturzes verschied.

Bei Autoren aus dem Ausland, die 1942 starben, muss beachtet werden, dass auch Übersetzungen eigene Schöpfungshöhe genießen können. In diesen Fällen muss bei der Berechnung der Gemeinfreiheit auch das Todesdatum des Übersetzers mit einbezogen werden (das vor oder nach dem des Autors liegen kann) - oder man greift einfach zum Original. Beim englischen Lyriker Norman Gale (dessen Gedichte teilweise vom 1938 verstorbenen schizophrenen Katzenmaler Louis Wain illustriert wurden) dürfte das für die meisten kein Problem sein. Anders verhält es sich bei den Japanern Kitahara Hakushū, Nakajima Atsushi und Hagiwara Sakutarō.

Musik kann dagegen auch dann recht unterhaltsam sein, wenn man die Worte, die sie begleiten, nicht versteht. Von den Komponisten, die 2013 gemeinfrei werden, ist der bekannteste Frank Churchill, der Songs für frühe Disneyfilme schrieb und im selben Jahr, in dem er dafür den Oscar bekam, Selbstmord beging. Aus seiner Feder stammen unter anderem Who Is Afraid of the Big Bad Wolf?, Whistle While You Work und Some Day My Prince Will Come aus Snow White, Baby Mine aus Dumbo und ein Großteil der Musik für Bambi. Allerdings darf man diese Stücke ab dem 1. Januar in den USA lediglich nachsingen, nachpfeifen oder nachsummen, weil der Disneykonzern auf die Originalaufnahmen aus den Filmen durch ein 1999 (nach sehr viel Lobbyarbeit) verlängertes Leistungsschutzrecht bis 2032 beansprucht.

Auch als Aufnahmen gemeinfrei werden in vielen Fällen die Werke des (ebenfalls durch die eigene Hand ums Leben gekommenen) New Yorker Tin-Pan-Alley-Komponisten Fred Fisher, der eigentlich Alfred Breitenbach hieß und aus Köln kam. Sein zu Lebzeiten größter Hit, das 1907 veröffentlichte If the Man in the Moon Were a Coon, wurde in den letzten Jahrzehnten kaum mehr gespielt wird, weil er ebenso wie Hot Hot Hottentot von 1925 als politisch unkorrekt galt. Fishers bekanntestes Stück ist deshalb heute das von Al Jolson gesungene Dancing the Blues Away, das er 1914 schrieb.

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