Mars One veröffentlicht Anforderungen für Bewerber zur Marsmission

10.01.2013

Noch in diesem Jahr soll das Casting für die geplante Marsreise ohne Rückflug starten

Mars One ist einem vom niederländischen Unternehmer Bas Lansdorp gegründete Stiftung mit dem Ziel, 2023 die ersten Menschen auf den Mars zu bringen. Bekannt geworden ist das Projekt vor allem deshalb, weil die ganze Sache im Reality-TV-Format ablaufen soll und die Astronauten ohne Rückflugmöglichkeit auf dem Mars eine Station aufbauen sollen.

Lapidar heißt es:

Einmal auf dem Mars gibt es keine Möglichkeit der Rückkehr zur Erde. Eine tief verwurzelte Zielstrebigkeit wird jedem Astronauten helfen, seine oder ihre psychische Stabilität und Konzentration aufrechtzuerhalten, während sie zusammen für eine gemeinsame und bessere Zukunft arbeiten.

Was die Marsastronauten erwarten können: eine Containersiedlung in einer Wüste. Bild: Screenshot von einem Mars-One-Video

Man würde sich ja wünschen, dass dies die Menschen auf dem doch immer weitaus schöneren und gefährdeten Raumschiff Erde auch machen könnten, aber offenbar braucht es Flüchtlinge, die in einer unwirtlichen Wirklichkeit nicht anders können, als zu kooperieren, um das Überleben zu sichern - und einmal auf dem Wüstenplaneten Mars angekommen, kann es sowieso nur besser werden, wenn man etwas macht.

Notwendig sind todesmutige und verwegene Menschen, die sich auf ein solches irreversibles Abenteuer einlassen wollen, das vermutlich allerdings eine Luftblase bleiben dürfte. Allerdings wurde die Mannschaft von Mars One inzwischen verstärkt und am Dienstag wurden schon einmal die Anforderungen veröffentlicht, denen mögliche Bewerber entsprechen sollen. In der ersten Hälfte des Jahres findet dann global die Ausschreibung für die interessierten Marsastronauten statt, die in das Ausbildungsprogramm aufgenommen werden wollen. Natürlich will man nur die besten Kandidaten.

Der Unternehmer Bas Lansdorp mit der Geschäftsidee. Bild: Screenshot von einem Mars-One-Video

Gesucht werden Menschen oder Teams, die letztlich alle Probleme lösen können. Einmal auf dem Mars gibt es keine Hilfe, es werde auch unvorhergesehene Probleme geben. Ganz allgemein sollen die Bewerber "intelligent, kreativ, psychologisch stabil und körperlich gesund" sein. Psychische Stabilität ist zwingend erforderlich für ein Leben in Gefangenschaft, das nicht erst mit dem Start in den Weltraum, sondern schon vorher auf der Erde in den abgeschlossenen Simulationscontainern beginnt. Selbst bei den optimalsten Bedingungen, also dass ein Leben in einer Marsstation möglich ist und in der Station auch weitere Teams Platz finden, die nach und nach von der Erde kommen, so lange Mars One nicht Konkurs macht oder sich niemand mehr für die Astronauten interessiert, wird es auf dem Roten Planeten öde bleiben.

Mit acht unbemannten Flügen sollen zwischen 2016 und 2021 Material auf den Mars gebracht werden, damit das erste Team 2023 daraus das Fundament der Marsstation aufbauen kann. Auf der Erde werden die Auserwählten angeblich acht Jahre lang Angestellte von Mars One sein und auf den Flug und den Daueraufenthalt vorbereitet werden. Gesucht werden keine Experten. Ausbildung könne nicht schaden, heißt es, allerdings würden die ausgewählten Teilnehmer alle Fertigkeiten, die sie für den Mars benötigen, während des Trainings lernen. Fragt sich nur, welche Experten mit welcher Erfahrung Mars One da anzubieten hat?

Nur weg ist die Devise. Bild: Screenshot von einem Mars-One-Video

Ansonsten müssen die Bewerber mindestens 18 Jahre alt sein, eine obere Altersgrenze wurde noch nicht festgelegt, allerdings vergehen zwischen Einstellung und Abflug mindestens zehn Jahre, alsso jung sollte man schon sein. Sie sollen willens sein, "gesunde Beziehungen aufzubauen und zu unterhalten". Natürlich sollen sie anpassungsfähig, aber gleichzeitig kreativ, belastbar und einfallsreich sein. Sie sollen vertrauen können, was wahrhaft notwendig ist, aber zur Selbstreflektion fähig sein. Das könnte bei den Bewerbern der Harakiri-Aktion aber vielleicht doch ein wenig seltener vorkommen.

Die Bewerbung soll im Übrigen weltweit als Casting betrieben werden. In jedem Land, so stellt sich Mars One den Ablauf vor, werden nach der ersten Auswahl 20-40 Bewerber an Wettkämpfen teilnehmen, die ihre Eignung für eine Marsmission testen. Das soll alles im Fernsehen stattfinden, die Zuschauer wählen einen Gewinner pro Land. Mars One will sicherheitshalber weitere Partizipanten für die finale Runde einbringen. In der müssen die Teilnehmer dann aber in der Lage sein, auf Englisch zu kommunizieren, denn diese Runde soll weltweit stattfinden.

Seltsam bilderlos geht es bei Mars One zu. Wie sollen die Lebenswelten im Raumschiff oder in den Containern der Marsmission aussehen? Bild: Screenshot von einem Mars-One-Video

Ein Team von Mars One wird aus den verbliebenen Kandidaten internationale Gruppen zusammenstellen, die dann u.a. in einer simulierten Station unter schwierigen Bedingungen zeigen sollen, dass sie so leben und arbeiten können. Sechs Gruppen mit jeweils vier Mitgliedern sollen übrig bleiben, deren Persönlichkeiten, Fertigkeiten und Chemie zusammenpassen. Diese werden dann fest angestellt und trainiert. Welchen Lohn sie erhalten sollen, darüber wird geschwiegen. Falls sie während des Trainings sich als ungeeignet erweisen, werden sie rausgeschmissen.

Welche Vierergruppe dann als erstes zum Mars fliegt, sollen auch die Zuschauer entscheiden, schließlich sei dies eine Frage der Menschheit. Über die Zusammensetzung der Geschlechter und wie die sexuellen Beziehungen ablaufen sollen, findet man keinerlei Hinweise. Will man Heterosexuelle? Oder sind Homosexuelle auch willkommen? Und was ist, wenn Kinder geboren werden, Beziehungen zerfallen, Eifersucht oder Hass aufkommt? Aber Raumfahrt war immer schon eher ein asexuelles Unternehmen, was in dem Fall aber kaum machbar sein dürfte.

Das klingt alles noch nicht so gut durchüberlegt und geplant, gespannt darf man vor allem sein, woher das Geld kommen soll - und mit welcher Technik schon ab 2016 die ersten unbemannten Flüge starten sollen. Der erste Eindruck: eine Blase, die noch in diesem Jahr mangels Finanzierung platzen wird. Aber wer weiß schon? Verrückt genug ist das Projekt.

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