Tea-Party-Moses plant libertäre Zwei-Milliarden-Dollar-Kommune
Glenn Beck will in Texas seine persönliche Version von Galt's Gulch errichten
Utopische Kommunen gab es in der Geschichte der USA zuhauf. Häufig waren sie bewusst oder unbewusst religiös geprägt. Die meisten lösten sich nach wenigen Jahren oder Jahrzehnten auf – darunter die Oneida Community, die Brook Farm oder die Ikarier.
Auch Pläne für libertäre utopische Gemeinschaften gab es bereits in der Vergangenheit zuhauf. Bisher wurden diese allerdings meist entweder im Weltraum oder abseits nationaler Hoheitsgewässer auf künstlichen Inseln verortet. Das schien insofern nötig, als man sich ja dem Zugriff des als Übel betrachteten Staates entziehen wollte, um der Entfaltung des Anarchokapitalismus überhaupt Platz zu schaffen. Es existieren deshalb nur verhältnismäßig wenige Fälle der (literarischen) Errichtung einer libertären Utopie auf amerikanischem Boden: Die mit Abstand berühmteste davon ist Galt's Gulch aus Ayn Rands Roman Atlas Shrugged – ein Ort, an dem sich die Genies der Welt versammeln und den sie versteckt halten, damit die unfähige Schmarotzerwelt um sie herum untergehen muss.
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Nun hat der als Moses der Tea-Party-Bewegung bekannt gewordene Radiomoderator Glenn Beck in einer (wie gewohnt) etwas wirren Ansprache auf seiner Website The Blaze angekündigt, dass er Rands Held John Galt nacheifert, indem er mithilfe des evangelikalen Theologen David Barton in Texas eine zwei Milliarden Dollar teure Gemeinschaft namens Independence Park ins Leben rufen will, die sich selbst mit Nahrung und Energie versorgen, forschen, entwickeln, produzieren und verkaufen soll. In ihrem Zentrum plant Beck ein riesiges "Wahrheitsarchiv", in dem seine Fans ihre Kinder zum "Deprogrammieren" schicken und Politiker "die Wahrheit" erfahren können.
Bildung soll in Independence Park nicht in Schulen, sondern durch Sendungen erfolgen und Geld kosten. Außerdem preist Beck Beispiele aus der Geschichte, in denen Kinder mit neun oder zehn Jahren als Lehrlinge arbeiteten. Ohne die Bereitschaft dazu, so der Moderator, könne seine Utopie nicht verwirklicht werden. Becks Vorstellung, geteerte Straßen durch Rasenflächen zu ersetzen, damit unter den reichen und nicht so reichen Einwohnern mehr "Gemeinschaft" entsteht, entstammt dagegen (ebenso wie seine Träume von Sonnenenergie) eher den Illusionsbaukästen der Schluffis der 1960er und 1970er Jahre als den Romanen Ayn Rands. Am wenigsten überrascht in seiner Ankündigung, dass es auch ein eigenes Fernsehprogramm geben wird. Im Unterhaltungsbereich soll es noch "anständiger" werden als die Serie Unsere kleine Farm.
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Nach eigenen Angaben hat sich Beck drei Standorte in drei verschiedenen Bundesstaaten angesehen und mit zwei Gouverneuren gesprochen, wobei sich angeblich ein Ort in Texas als am besten geeignet herausstellte. Wo dieser Standort konkret sein soll, ließ er offen. US-Medien spekulieren darüber, dass es sich möglicherweise um ein Areal in der Nähe seines Haus bei Westlake, in der Umgebung seines Produktionsstudios bei Las Colinas oder auf von ihm gekauftem Farmland befinden könnte. Auch, wie er mit Staats- und Bundesgesetzen (und Behörden, die für die Umsetzung solcher Vorschriften sorgen) umgehen will, ließ der Ex-Fox-News-Star bislang offen. Möglicherweise spekuliert er darauf, dass sein Prepper-Publikum über kurz oder lang ohnehin von einem automatischen Zusammenbruch der staatlichen Ordnung ausgeht.
http://www.heise.de/tp/artikel/38/38356/1.html- Re: Würdest du das auch bei Ayn Rand gelten lassen? (24.1.2013 18:27)
- Re: Nur, wie soll das funktionieren? (19.1.2013 22:25)
- Re: Katja Kipping auch libertär (17.1.2013 17:58)
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