Trotz der französischen Luftangriffe rücken Islamisten in den Süden Malis vor

Florian Rötzer 15.01.2013

Zwar spricht der französische Verteidigungsminister von einer erfolgreichen Mission, aber die Situation ist alles andere als klar

Nach Auskunft des französischen Verteidigungsministers Jean-Yves Le Drian entwickelt sich die Situation in Mali "vorteilhaft". Angeblich wurden die Islamisten aus Konna, Gao und Douentza durch Luftangriffe vertrieben, ihr Vormarsch gestoppt und ihre "Infrastruktur" zerstört. Allerdings seien Islamisten in den Süden und in den Westen ausgewichen, sie selbst sprechen von taktischen Rückzügen. Dort gebe es "extrem bewaffnete" Verbände, was immer das näher heißen mag.

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Tuareg-Kämpfer aus der Gruppe Ansar Dine. Bild: Magharebia/CC-BY-SA-2.0

Auch aus Timbuktu sollen die islamistischen Kämpfer sich zurückgezogen zu haben. Die Islamisten haben Waffen aus drei Quellen erhalten: aus Libyen nach dem Sturz von Gadafi, von der malischen Armee zurückgelassene Waffen und solche, die sie mit dem Geld aus dem Drogen- und Geiselhandel gekauft haben. Klar dürfte sein, dass sie sich auf Angriffe vorbereitet haben.

Und ganz so erfolgreich scheint die militärische Intervention Frankreichs tatsächlich nicht zu sein. So haben gestern Islamisten die Stadt Diabali, 400 km nördlich der Hauptstadt Bamako, im Kampf gegen malische und französische Soldaten eingenommen. Bislang war sie noch von der malischen Übergangsregierung kontrolliert worden. Sie sind also weiter nach Süden in Richtung Hauptstadt vorgedrungen, was die französische Regierung eigentlich verhindern wollte. Die Islamisten seien, so der französische Verteidigungsminister von der mauretanischen Grenze gekommen, nachdem sie dort von der französischen Luftwaffe bombardiert worden waren. Die Extremisten würden den Erwartungen entsprechen: "Sie sind schwer bewaffnet. Sie sind sehr entschlossen und gut organisiert." In Bamako sind derzeit um die 500 französische Soldaten stationiert, um die 6000 dort lebenden Franzosen zu schützen.

Die islamistischen Rebellen, die in den von ihnen kontrollierten Gebieten eine extreme Variante der Scharia eingeführt haben, drohen auch mit Anschlägen in Frankreich. So hatte Omar Ould Hamaha, der Sprecher der sunnitischen Islamistengruppe Mujao, am Montag großmundig angekündigt, dass man in Frankreich "die Pforten der Hölle" öffnen werde. Die französische Regierung hatte bereits am Sonntag die Sicherheitsmaßnahmen - den Plan Vigipirate - im Land verstärkt. Sanda Ould Bouamama, ein Sprecher von Ansar Dine, warnte: "Wir haben Panzer, gepanzerte Fahrzeuge, Flugabwehrkanonen, Granatwerfer und andere Waffen. Wir haben bereits ein französisches Flugzeug abgeschossen, wovon jeder gehört haben dürfte. Wir bekämpfen die Franzosen mit denselben Waffen, wie unsere Brüder ihre Invasoren in Afghanistan und im Irak bekämpft haben. Nach Gottes Willen wird Azawad das Afghanistan der Region und Frankreichs Niederang werden."

In Mali scheinen sich die nicht islamistisch-orientierten Tuareg (MNLA), die nach deren Aufstand für ein befreites Azawad von den Islamisten der Gruppen AQMI, Mujao und Ansar Dine zurückgedrängt worden waren (Neoprimitive zerstören Timbuktu), den neuen Machtverhältnissen anpassen zu wollen. Sie haben signalisiert, die französischen Truppen unterstützen und gegen die Islamisten kämpfen zu wollen - allerdings nicht für Mali, sondern für die Bevölkerung von Azawad, also dem riesigen Norden Malis, das alleine schon so groß ist wie Frankreich und Belgien zusammen. Der Aufstand der Tuareg erfolgte nach dem Zusammenbruch des Gadafi-Regimes in Lybien, als viele Tuareg-Kämpfer in ihre Heimat zurückgekehrt waren. Die Gruppe Ansar Dine wird auch von den Tuareg

Nach den Berichten scheint die französische Offensive von den Menschen in Mali, vor allem im südlichen Teil, begrüßt zu werden. Ob allerdings eine erfolgreiche Vertreibung der Islamisten, die sich dann in einem anderen Land ansiedeln und dieses destabilisieren könnten, zu einer stabilen und vor allem demokratisch legitimierten Regierung führen wird, ist in dem Land mit zahlreichen politischen Fraktionen, in dem das Militär wiederholt geputscht hat und in dem zahlreiche Ethnien leben, schwer vorstellbar. Der nördliche Teil von Mali, den die islamistischen Gruppen mit gerade einmal ein paar tausend Kämpfern kontrolliert haben, ist mehr als doppelt so groß wie Deutschland.

Wichtige Ethnien in Mali

Eher zögerlich wird Unterstützung von den Regierungen in Großbritannien, den USA, Dänemark, Belgien und Deutschland angeboten. In Deutschland wird die französische Intervention mittlerweile auch von SPD und den Grünen befürwortet. Nur die Linkspartei verurteilt die "völkerrechtswidrigen Luftangriffe", so Sevim Dagdelen.

Wie die anderen Regierungen denkt die deutsche vor allem an logistische Unterstützung oder an medizinische oder humanitäre Hilfe. Militärisch will man der von Ecowas aufgestellten Truppe, die nach der UN-Sicherheitsresolution die Mission ausführen soll, überlassen. Weltweit wird die militärische Intervention Frankreichs begrüßt oder zumindest nicht kritisiert. Der französische Außenminister Laurent Fabius machte gestern klar, dass Frankreich nicht allein handeln will, aber dass es um eine schnelle Reaktion gegangen sei. Dazu war vor allem die EU nicht imstande, wo man offenbar vom französischen Vorstoß überrascht worden war. Erst jetzt ist eine Zusammenkunft geplant, um eine "gemeinsame Antwort" zu entwickeln.

http://www.heise.de/tp/artikel/38/38357/1.html
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