Am warmen Ofen

Nach dieser Szene sind wir bereit für ein Gespräch alter Männer, irgendwo in der Provinz. Bark hat sich mit dem jüdischen Zeitschriftenhändler Max Rubens angefreundet, an dessen Ofen er gern die Zeitung liest, weil es bei seiner Tochter Cora so ungemütlich ist. Das könnte eines dieser Rührstücke werden, mit denen öffentlich-rechtliche Fernsehsender ihr Seniorenpublikum für dumm verkaufen, wenn im Dialog keine Sentimentalitätsbremse eingebaut wäre. Stolz seien sie auf ihre Sprösslinge, versichern sich die beiden alten Herren. Seine Kinder kommen ohne ihn aus, meint Max, und er ohne sie. Sein Laden bringe genug ein, er habe seine Frau Sarah, manchmal spiele er auf seiner Geige, mehr brauche er nicht zum Leben. "Mein Leben ist genauso wie das Ihre", erwidert Bark. "Außer, dass ich keinen Laden habe, dass meine Frau 300 Meilen entfernt ist und dass ich nicht Geige spielen kann." Es fällt nicht schwer zu ergänzen, was zu Bark Coopers Unglück noch fehlt: Er braucht seine Kinder. Man muss lange suchen, um einen Hollywood-Regisseur zu finden, der ein so desillusioniertes Verhältnis zur Familie hat (dem amerikanischen Heiligtum schlechthin) und sich das auch zu sagen traut. McCarey stellt wie üblich nur fest und kommt ohne Vorwurf aus. Er hütet sich vor eindeutigen Schuldzuweisungen und überlässt das Urteil dem Zuschauer.

Make Way for Tomorrow

"Jemand muss sie eben großziehen", sagt Bark, als eine Mutter mit ihrem Sohn den Laden betritt, um ein Exemplar von "Sincere Confessions" zu kaufen. In einem anderen Film wäre das jetzt der sentimentale Moment (gern mit Hund oder eben, wie in diesem Fall, mit kleinem Kind), der uns falschen Trost spendet und suggeriert, dass alles halb so schlimm ist. Nicht in Make Way for Tomorrow. Statt einem süßen kleinen Jungen den Kopf zu tätscheln, um sodann ein seliges Lächeln aufzusetzen, fragt Max das Kind: "Wirst du nett zu deiner Mutter sein, wenn du groß bist?" Die Mutter sieht ihren Sohn erwartungsvoll an, ihre Gesichtszüge bereiten schon das Lächeln vor, doch der Kleine schweigt. "Jimmy, warum antwortest du dem Mann nicht?" will die Mutter wissen. "Was soll ich sagen?" erwidert Jimmy. Der Mutter ist das so peinlich, dass sie rasch den Laden verlässt, während sie Jimmy sagt, dass "Ja" die richtige Antwort gewesen wäre. Wir bleiben mit der Frage zurück, ob das nicht nur die politisch korrekte, sondern auch die ehrliche Antwort gewesen wäre. Die beiden alten Herren, aus Erfahrung klug geworden, lächeln milde. Und McCarey hat gezeigt, dass man für aufrichtige Geständnisse keine Worte braucht. Jimmys Schweigen ist genug. Kein Wunder, dass dieser Film keinen Oscar erhielt, dass er nicht einmal nominiert wurde.

Make Way for Tomorrow

Meistens haben solche Szenen wie die im Zeitschriftenladen eine rein technische Funktion. Sie dienen dazu, Zeitsprünge oder Ortswechsel zu glätten und dem Zuschauer eine Orientierungshilfe zu geben. McCarey ist das zu mechanisch. Er nützt die dramaturgische Notwendigkeit, um uns etwas über die Beziehungen der Generationen zueinander mitzuteilen. Jimmy wird noch lernen, was er sagen muss (ohne den Worten Taten folgen zu lassen). Bark Cooper, der alte Mann, hat das schon hinter sich und wird trotzdem wieder behandelt wie ein kleiner Junge. Er hat versehentlich seine Brille zerbrochen. Max Rubens fragt ihn, wie seine Tochter darauf reagiert hat. Eine Antwort ist dieses Mal nicht erforderlich. Wir wissen auch ohne sie, dass Cora, die Frau mit den Haaren auf den Zähnen, ihren Vater ausgeschimpft hat, als wäre er ein ungehorsames Kind. Zugleich beantwortet das Rubens’ Ausgangsfrage: Wie werden die Kinder ihre Eltern behandeln, wenn sie groß sind. Bark erfährt das täglich.

Von Dieter Hildebrandt stammt der Rat an die Eltern, nett zu ihren Kindern zu sein, weil sie es sind, die einmal das Altenheim aussuchen werden. Das bringt uns zu Nellie, Tochter Nummer Zwei. Weil Barks Brille in der Reparatur ist bittet er Max Rubens, ihm einen Brief von Lucy vorzulesen. Mit jedem Tag, schreibt Lucy, vermisse sie Bark ein wenig mehr. Nellie kenne eine Frau in einem Altenheim und habe sie zu einem Besuch zu ihr mitgenommen. Das Heim sei furchtbar trostlos gewesen, aber Nellie habe es scheinbar sehr schön gefunden und das mehrfach betont. Max ahnt, worauf das hinausläuft und macht eine missbilligende Pause, damit auch die Begriffsstutzigen im Publikum folgen können. Diese Heime müssen schrecklich sein, meint Bark. Max liest weiter.

Make Way for Tomorrow

Nellie, schreibt Lucy, geht es gesundheitlich gar nicht gut. Der Arzt rät dringend zu einem Tapetenwechsel. Eine Europareise soll es sein. Jetzt macht sich die arme Nellie schlimme Sorgen - nicht wegen ihr selbst, sondern weil sie die Eltern nicht zu sich nehmen kann wie versprochen. Diese Nellie-Variante des Nettseins, die mit schönen (und verlogenen) Worten, ist sogar Max Rubens zuviel, der sich sonst so erfolgreich mit sarkastischen Bemerkungen gegen eine zynische Gesellschaft wehrt. Er faltet den Brief zusammen, gibt ihn zurück und fordert Bark auf, den Rest zu lesen, wenn seine Brille repariert ist. Dabei wendet er den Blick ab, weil er Bark nicht in die Augen schauen kann. Uns, dem Publikum, ist das nicht vergönnt. Wir haben Bark soeben dabei zugesehen, wie er älter und gebrechlicher wurde, während ihm dämmerte, was das für ihn und Lucy bedeutet. Wenn McCarey fand, dass etwas gezeigt und gesehen werden musste, dann zeigte er es auch. Diese eine Szene, in der zwei alte Männer am warmen Ofen sitzen, enthält mehr Elend und Gewalt als mancher Actionfilm mit Splattereinlagen. Ob es mehr Empörung über die strukturelle Gewalt in einer kapitalistischen Gesellschaft geben würde, wenn Blut dabei fließen würde?

Erholungsreise

Make Way for Tomorrow steckt voll bitterer Ironie und zeigt, wie aus kleinen Dingen große Katastrophen werden können. Bei Barks Anruf in New York ist Lucy sehr besorgt, weil er sich mit dem Geld für das Ferngespräch auch einen warmen Schal hätte kaufen können. Der Schal, mit dem er im Zeitungsladen hantiert, ist offenbar nicht warm genug. Am Ende der Szene geht Bark hinaus auf die Straße. Es schneit. Auf einer Tafel sind offene Stellen angeschrieben. Für einen Buchhalter wie ihn ist nichts dabei. Danach liegt er mit einer Erkältung … nicht im Bett, sondern auf dem Sofa in der Wohnung von Cora, die er beim Reinemachen stört. Man kann leicht erschließen, was passiert ist. Aufgewühlt von Lucys Brief, ist Bark durch die Straßen gelaufen, um einen Job zu finden (ein Job bedeutet Geld, mit Geld könnte er eine eigene Wohnung mieten und Lucy zu sich holen). Dabei hat er sich verkühlt. McCarey will ein mitdenkendes Publikum. Er gibt uns alle nötigen Informationen, verbinden müssen wir sie selber. Das ist gut für den Verstand und steigert die emotionale Intensität des Films. Wer bei einer Geschichte mitdenkt hat ein engeres Verhältnis zu ihr und den handelnden Personen als ein passiver Konsument. Ob die Welt ein besserer Ort wäre, wenn ARD und ZDF weniger Rosamunde Pilcher und Sturm der Liebe und dafür mehr Filme wie Make Way for Tomorrow zeigen würden? Ich möchte das nicht ausschließen. Utopien müssen schon deshalb sein, weil sie uns in vermeintlich alternativloser Zeit daran erinnern, dass es sehr wohl Alternativen gibt.

Make Way for Tomorrow

Cora putzt die Wohnung, weil gleich der Doktor kommt. Was andere Leute von einem denken, das ist ganz wichtig. Darum muss die Fassade stimmen, und darum wird Bark schnell ins Schlafzimmer und ins bequeme Bett gescheucht, als es klingelt. Der Doktor soll einen guten Eindruck von Cora haben, die sich aufopferungsvoll um ihren kranken Vater kümmert. Der Vater wiederum hat kein Vertrauen zum ihm zu jungen und unerfahrenen Hausarzt und will sich nicht untersuchen lassen. Vordergründig ist das ein Schwank zum Thema "Alte Männer und ihre Macken". Man versteht auch, dass einem dieser Opa ziemlich auf die Nerven gehen kann. Tatsächlich ist es eine - fest im Alltäglichen verankerte und deshalb nicht sofort als solche erkennbare - Tragödie, denn Cora verfolgt einen sinistren Plan. Durch das Szenario, das ihre Schwester Nellie entwickelt hat, um sich aus der Verantwortung zu stehlen (vorgetäuschte Krankheit, Europareise zur Erholung), ist sie auf eine Idee gekommen.

Make Way for Tomorrow

In diesem rauen Klima, sorgt sie sich, wird ihr Vater nie gesund werden. Wie wäre es, wenn er nach Kalifornien fahren würde, zu ihrer Schwester Addie (das ist die, die nicht einmal eine Orange geschickt hat und bestimmt hocherfreut ist, wenn der alte Mann vor der Tür steht)? Der Doktor hält das für nicht erforderlich, was aber nichts ändert, weil es sowieso nicht um die Gesundheit geht und Cora das Gegenteil behaupten kann, sobald er gegangen ist. Fortan wird sie einen Hausarzt haben, der Barks Verschickung in das sonnige Kalifornien fordert, so wie Nellie einen Hausarzt hat, der darauf besteht, dass sie nach Europa reist. So generiert die eine Lüge eine andere. Auf der Strecke bleibt ein altes Ehepaar.

Zunächst aber steht Max Rubens vor Coras Tür, um Bark eine von seiner Frau Sarah zubereitete Hühnersuppe zu bringen. Das gestaltet sich als schwierig - nicht so sehr, weil Cora ihrem Vater die Suppe nicht gönnt, sondern weil die Leute glauben könnten, dass er von ihr keine bekommt (was stimmt). Auch der Antisemitismus spielt eine Rolle, ohne dass es direkt ausgesprochen würde. Max weiß, dass ihn Cora nicht in der Wohnung haben möchte, weil er ein Jude ist und versucht, zu Bark vorgelassen zu werden, indem er mit freundlicher Ironie den jüdischen Geschäftemacher gibt, wie es von ihm erwartet wird. McCarey inszeniert das mit der ihm eigenen Subtilität und hat in Maurice Moskovitch, einem Star des jiddischen Theaters in New York, auch den richtigen Darsteller dafür (Moskovitch brillierte 1930 als Jud Süß in einer Bühnenfassung von Lion Feuchtwangers Roman, war ein umjubelter Shylock und ist vor allem als Mr. Jaeckel in Chaplins The Great Dictator in Erinnerung geblieben). Regisseur und Darsteller spielen mit den Klischees vom "Juden", statt sie kritik- und gedankenlos zu reproduzieren wie damals üblich.

Make Way for Tomorrow

McCareys Umgang mit Minderheiten ist bemerkenswert. Als Mamie, die Hausangestellte von George und Anita Cooper, besetzte er die famose Louise Beavers. Statt die ewig gleiche Rolle der servilen Schwarzen spielen zu müssen, darf (und soll) sie eine selbstbewusste berufstätige Frau sein. Im ersten Dialog, den sie zu sprechen hat, kündigt sie Anita an, dass sie sich eine andere Stellung suchen wird, wenn sie weiter auf ihre freien Abende verzichten muss, weil jetzt noch Lucy zu versorgen ist. McCarey inszeniert das als ein Gespräch zweier gleichberechtigter Frauen. Für damalige Zuschauer kam das völlig unerwartet. Schwarze im Hollywoodfilm der 1930er sind unterwürfig, klagen nicht über ihre Arbeitsbedingungen und denken nicht an Kündigung; höchstens werden sie gefeuert.

Blick in den Spiegel

Die Familie war von jeher die heilige Kuh von Hollywood. Idealerweise leben mehrere Generationen harmonisch unter einem Dach, halten eisern zusammen und trotzen so allen Widernissen (Beulah Bondi erhielt 1977 einen Emmy für ihren Gastauftritt in der TV-Serie The Waltons). Was aber, wenn man weder eine Farm noch eine Ranch hat, sondern eine Wohnung in der Stadt, in der die Oma den lieben langen Tag herumsitzt und den anderen durch ihre Dauerpräsenz auf die Nerven geht? Paradoxerweise fällt die Familie dann dadurch auseinander, dass sie zusammengehalten werden soll. Mamie kann kaum mehr Zeit mit ihrem Mann verbringen, weil sie sich um Lucy kümmern muss (welcher andere Film aus den 30ern interessiert sich für das Privatleben einer schwarzen Hausangestellten?). Rhoda geht öfter aus als früher, und weil sie ihre Freunde nicht mehr mit nach Hause bringt (zur Oma), wissen die Eltern nicht, mit wem sie sich da trifft.

Die Lage spitzt sich zu, als Rhoda nachts nicht nach Hause kommt. Lucy fühlt sich mitschuldig, weil sie Anita nichts von deren Heimlichkeiten gesagt hat. Anita, die bisher eine fast engelsgleiche Geduld aufbrachte, platzt der Kragen. Sie sagt der Schwiegermutter, was sie ihr immer schon mal sagen wollte. Tag Gallagher hat auf die ganz besondere Art und Weise hingewiesen, wie McCarey diesen lange überfälligen Streit inszeniert. Beide Frauen blicken sich in Schuss-Gegenschuss-Kompositionen an und dabei auch direkt in die Kamera (oder doch beinahe). In amerikanischen Filmen, und in Filmen generell, sind solche 180-Grad-Schnittfolgen extrem selten. Hollywood hat vom bürgerlichen Theater das Konzept einer unsichtbaren "vierten Wand" übernommen, die Bühne und Zuschauerraum trennt. Schauspieler im Theater tun so, als wäre das Publikum nicht da. Die in Hollywood entwickelten Inszenierungs- und Montageregeln sind darauf angelegt, die Anwesenheit des Publikums vergessen zu lassen.

Make Way for Tomorrow

Bei McCarey schauen sich Lucy und Anita an, und weil die Kamera bei Schuss und Gegenschuss auf einer gedachten, Beulah Bondi und Fay Bainter (Anita Cooper) verbindenden 180-Grad-Achse bleibt, sind wir genau dazwischen. Als Zuschauer ist man da also mitten drin, statt das Geschehen wie sonst vom Rand aus zu beobachten. Es ist sehr schwer, aus einer solchen Position heraus Partei zu ergreifen. McCarey setzt diese 180-Grad-Konstruktionen an dramaturgisch wichtigen Stellen ein. Beim Streit mit Anita geht plötzlich ein Ruck durch die bisher kaum auszuhaltende alte Frau. Statt weinerlichem Selbstmitleid zeigt sie eine innere Stärke, die man bis zu diesem Moment höchstens ahnen konnte. Mitten in Anitas Wutrede sagt sie, dass es ihr leid tut und dass sie gut nachvollziehen kann, wie es der Schwiegertochter geht. Das nimmt Anita (und uns, die wir auch von der Oma genervt waren) den Wind aus den Segeln und gibt Lucy eine Statur, die sie bislang nicht hatte.

Kaum ein Zuschauer wird sich beim Sehen des Films bewusst sein, dass McCarey gegen die Regeln der Hollywood-Ästhetik verstößt; das macht es umso wirkungsvoller. Den 180-Grad-Trick wiederholt er am Ende des zweiten Drittels, nach einer Leinwandzeit von etwa einer Stunde. Nach dem Vorgefallenen haben George und Anita das Gefühl, dass sie sich zwischen Lucy und ihrer Tochter entscheiden müssen, die sie zu verlieren drohen, wenn die Oma noch lange bei ihnen wohnen bleibt. Darum wird Lucy - hinter ihrem Rücken - im "Idylwild Home for Aged Women" angemeldet, das Nellie angeblich so schön findet (nach Geschlechtern getrennte Altenheime waren früher durchaus üblich, was es für Ehepaare noch schlimmer machte). Als dort ein Platz frei wird, muss George seiner Mutter zwei unangenehme Dinge sagen: Bark soll zu Addie nach Kalifornien, die leider nur Platz für den Vater hat, Lucy ins Heim.

Make Way for Tomorrow

Teil 1 gelingt ihm einigermaßen (Kalifornien nur wegen der Gesundheit, und vorübergehend), aber wie kann er das Heim begründen? Lucy hat den Brief des Idylwild Home in der Post gesehen und gibt sich wieder einen Ruck, um es ihm so leicht wie möglich zu machen. Die alte Frau ringt sich zu einer Wahrheit durch, die ihr Sohn nicht aussprechen kann, und danach zu einer frommen Lüge. Ihr sei klar geworden, sagt sie (ganz ohne Vorwurf), dass sie nie wieder mit Bark zusammen leben wird. Deshalb müsse sie nun gestehen, dass sie lieber in einem Heim mit Gleichaltrigen wohnen würde als bei George und seiner Familie. Beide wissen, dass Letzteres geschwindelt ist. Während aber die anderen aus Eigennutz lügen, tut Lucy es aus Liebe zu ihrem Sohn und um das Unvermeidliche erträglicher zu machen. Das ist nicht mehr die tüttelige, um sich selbst kreisende Oma, die wir zu kennen glaubten, sondern eine zähe Person, die gelernt hat, stark zu sein, wenn es darauf ankommt und darum Respekt verdient. Im Roman von Josephine Lawrence wird Lucy immer hilfloser, ein Objekt des Mitleids. Bei McCarey behält sie ihre Würde.

Wenn man sich eine Szene wie die mit George und Lucy ausdenkt und niederschreibt, und wenn man sie dann verfilmt, wie sie im Drehbuch steht, wird das Ergebnis fast unausweichlich sentimental. McCarey entging dieser Falle mit Hilfe der improvisierenden Darsteller. Die Improvisation reduziert das Gekünstelte, fügt stattdessen eine authentische Komponente hinzu, und das Authentische war von jeher der Feind des Sentimentalen (Gary Giddins, Jazz- und Filmkritiker der Village Voice, erklärt so ähnlich das Phänomen, dass es so schwierig ist, die Charaktere in Gut und Böse einzuteilen: weil die Schauspieler von ihrer eigenen Person aus improvisieren, nicht als erfundene Figur, bringen sie menschliche Nuancen in eine Szene, die den üblichen Schwarz-Weiß-Schemata zuwiderlaufen). Grundvoraussetzung war natürlich, dass McCarey Darsteller vom Format eines Thomas Mitchell (George) und einer Beulah Bondi hatte, die als Lucy Cooper eine der ganz großen schauspielerischen Leistungen im amerikanischen Film der 1930er hinlegt.

Make Way for Tomorrow

Nach vollbrachter Tat (Lucy hat ihrer Unterbringung im Altenheim zugestimmt) tritt George, von sich selber angewidert, zu Anita vor einen Spiegel. "So, das war’s", sagt er. "Während die Jahre vergehen, kannst du immer auf diesen Tag zurückblicken und mächtig stolz auf mich sein." Das ist ein typischer McCarey-Moment, bedrückend und doch irgendwie tröstlich. Der Film vergisst niemals, dass das Leben weitergehen muss, das der Alten und noch viel mehr das der Jungen, dass jede Generation ihre Rechte und Erwartungen hat und nicht nur die, mit der wir gerade sympathisieren. Darum steht ein Bild von Rhoda neben dem Spiegel, in dem sich George und Anita doch irgendwie noch ansehen können, auch wenn es ihnen nicht leicht fällt und sie sich gerade nicht besonders leiden können. Dann wird die Leinwand kurz dunkel.

Wenn Steine weinen

Schöne Bescherung

Am warmen Ofen

Riester-Rente oder doch ein Haus?

http://www.heise.de/tp/artikel/38/38375/1.html
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