Männer mogeln mehr

23.01.2013

Bei Betrugsfällen in der Wissenschaft sind signifikant häufiger männliche Forscher unter den Schuldigen. Wer mogelt wann und warum?

Wenn Lance Armstrong beim Radfahren betrügt, bringt er damit seine unschuldigen Kollegen um den Sieg, die Zuschauer um das Vertrauen in einen sauberen Sport und die gesamte Wett-Radelei in Misskredit. Wirklich gefährdet hat er damit aber nur sein eigenes Leben. Behumpst jedoch ein Wissenschaftler bei seiner Arbeit, steht womöglich mehr auf dem Spiel: Die Arbeit seiner Kollegen natürlich, die vielleicht auf den falschen Ergebnissen aufbaut, aber auch die Gesundheit von Menschen, die sich vielleicht einer unwirksamen oder gar der falschen Therapie unterwerfen.

"Wissenschaftliches Fehlverhalten", wie der Betrug in der Forschergemeinde heißt, ist ein weit verbreitetes Phänomen, das über das simple Guttenbergen weit hinausgeht: Da werden munter Daten gefälscht oder erfunden, um die eigene These besser bestätigen zu können, es wird ein Erfolg behauptet, wo ein Misserfolg beobachtet wurde oder Probanden mit abweichender Reaktion werden einfach mit fadenscheiniger Begründung aus der Studie entlassen.

Dass die meisten Fehler in Veröffentlichungen nicht durch Irrtümer entstehen, weiß die Forschergemeinde bereits (siehe Geschummelt, nicht geirrt). In den letzten Jahren wächst die Zahl der Betrugsfälle demnach, und nicht in China oder Indien wird besonders häufig geschummelt, sondern in den USA, Deutschland und Japan (dafür wird in China und Indien häufiger abgeschrieben).

Doch wer betrügt - und warum? Das haben US-Forscher jetzt für den Bereich Biologie und Medizin untersucht. Die Ergebnisse veröffentlicht das frei zugängliche Fachmagazin mBio online. Untersucht wurden 227 Betrugsfälle, die bis 1994 zurückgingen. Erstes Ergebnis: Männer gehören dabei überdurchschnittlich oft zu den Schuldigen. Obwohl nur 70 Prozent der Fakultätsangehörigen männlich sind, betrafen 88 Prozent der Fälle männliche Autoren.

Die Forscher hat aber auch interessiert, in welchem Karrierestadium gemogelt wurde. Die Antwort ist überraschend: Arrivierte Forscher sind ebenso anfällig wie ihre jungen Kollegen oder Studenten. Die Verfasser der Studie schlagen deshalb vor, nicht nur Studenten in wissenschaftlicher Ethik zu unterrichten, sondern das komplette Personal der Hochschulen, ähnlich wie man heute über sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz aufklärt.

Die Motive der Betrüger lassen sich weniger klar aus dem Zahlenmaterial herauslesen. Die Forscher vermuten, dass die "Der Gewinner nimmt alles"-Mentalität dazu beiträgt, dass Wissenschaftler auf jeder Karrierestufe das Risiko eines Betrugsversuchs eingehen. Je größer das Labor sei, das ein Professor leite, desto mehr Zuwendungen müsse er einwerben - und desto stärker sei die Versuchung und wohl auch der Zwang, dabei etwas nachzuhelfen.

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