Biometrische Identifizierung anhand der Kniescheibe

02.02.2013

US-Wissenschaftler haben ein Verfahren entwickelt, um Individuen auch irgendwann an ihren inneren Körperteilen erkennen zu können, was täuschungssicher sei

Wir haben nicht nur Körper, unsere Körper sind auch einzigartig. Daher können Individuen über viele Körpermerkmale von der DNA bis zur Iris, Fingerabdrücken, der Stimme oder dem Gang identifiziert werden, sofern nur Möglichkeiten vorhanden sind, sie zu messen (Grusliges Ensemble).

Verräterische Kniescheibe. Bild: Palica/gemeinfrei

Lior Shamir, Computerwissenschaftler an der Lawrence Technological University in Southfield, Michigan, hat nun ein Verfahren entwickelt, mit dem sich Individuen an ihrer Kniescheibe identifizieren lassen. Man könne biometrische Identifizierung ja nicht nur an äußerlichen Körperteilen wie dem Gesicht, der Iris oder den Fingern realisieren, sondern mittels biomedizinischen Scannern auch an inneren Körperteilen.

Das Programm, das Shamir geschrieben, hat er aus medizinischen Arbeiten zu einem Algorithmus entwickelt, um aus Röntgenbildern von Kniescheiben Spuren von kleinen Verformungen erkennen zu können, die einen Hinweis auf Erkrankungen wie Osteoarthritis geben. Um zu testen, ob damit einzelne Knie identifiziert werden können, wurden jeweils drei Röntgenaufnahmen analysiert und dann aus einem vierten anonymen Bild versucht, den Richtigen unter 425 Versuchspersonen zu erkennen. Das klappte, wie aus der von Shamir und anderen verfassten Studie von 2009 hervorgeht, noch nicht sehr gut, sondern nur mit einer Wahrscheinlichkeit von 34 Prozent.

Da Röntgenbilder das weiche Gewebe nicht darstellen und von ihnen zudem eine Strahlungsbelastung ausgeht, entstand der Plan, für die biometrische Identifizierung Magnetresonanztomographen (MRT) einzusetzen, da damit weiches Gewebe gut dargestellt werden kann und eine Strahlenbelastung nicht stattfindet. Gegenüber Terahertzwellen habe MRT den Vorteil, dass damit keine Bilder vom nackten Körper erzeugt werden, weswegen diese Geräte von vielen Menschen abgelehnt werden und in den USA nun von den Flughäfen abgezogen werden (Aus für "Nacktscanner").

Die Idee ist natürlich, mit dieser Technik auf den boomenden Sicherheitsmarkt zu kommen, also sie beispielsweise an Flughäfen oder an Eingängen in Gebäude einzusetzen. Den in einer Schlange wartenden Menschen würde dann nebenbei und kaum merklich die Kniescheibe gescannt werden, um sie zu identifizieren. Shamir hat, wie er in seinem Artikel schreibt, der v vorab im Journal of Biometrics erschienen ist, für seine neuen Tests einen Magnetresonanztomographen (MRI) verwendet, womit auch gleichzeitig das Problem des Verfahrens klar wird, weil die Tomographen nicht nur große Geräte sind, sondern für die Scans auch relativ lange brauchen. Metalle sollten nicht an den gescannten Körperteilen sein, und wie man nebenbei und unaufdringlich, ohne die Menschen in eine Röhre schieben zu müssen, die Scans machen soll, ist technisch noch nicht gelöst. Die technische Entwicklung gehe aber schnell vor sich, so Shamir, so dass es bald kleinere und schnellere MRI-Geräte geben könnte.

Aber es geht auch erst einmal um das Prinzip. An den Knie-MRT-Scans von 2.686 haben die Wissenschaftler die Bildanalysesoftware getestet. Bei allen Bildern lag die Identifikationsgenauigkeit allerdings gerade einmal bei 45 Prozent, bei einer Auswahl von 100 Patienten konnte die Genauigkeit allerdings auf 93 Prozent erhöht werden. Die Wissenschaftler sehen das Knie nur als Beispiel für biometrische Verfahren, die innere Körperteile betreffen. Das sei genauer und täuschungssicherer, schließlich würde eine Täuschung "einen invasiven und komplizierten medizinischen Eingriff" erfordern, weswegen es einen größeren Widerstand gegen Manipulation als bei Gesichtern, Fingerabdrücken oder Iriserkennung gebe, meint Shamir. Er ist jedenfalls der Überzeugung, dass künftige Forschung "das Konzept der inneren Biometrik entwickeln und zu automatischen Identifizierungstechniken führen wird, die in hohem Grad täuschungssicher sind".

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