Zwischen Licht und Schatten

17.02.2013

Licht ist Zukunft. Die EU-Politik aber ist mit ihren bürokratischen Verordnungen auf dem Weg zurück in die Vergangenheit. Und mächtige Licht-Kartelle aus der Vergangenheit bestimmen über unser Licht

Licht ist nicht einfach nur Licht, es ist der Motor der Welt: Nur dank des Lichts können wir überhaupt sehen - und fotografieren oder filmen. Licht ist die Basis allen Lebens. Unsere pflanzliche Nahrung wächst mit Licht, wir gewinnen Energie mit Licht, wir bearbeiten Material mit Licht, wir kommunizieren mit Licht, wir operieren mit Licht, wir vermessen die Welt mit Licht, wir speichern unsere Daten mit Licht und wir sehen Milliarden Jahre altes Licht, wenn wir zu den Sternen blicken. Jedes Atom, aus dem wir Menschen und der Rest der uns umgebenden Welt aufgebaut sind, war einst Teil eines Sterns. Und vermutlich wird uns die Sonne auch ein zweites Mal Leben schenken, indem sie uns vor dem Klimakollaps rettet - wenn wir denn die Kraft unseres Zentralgestirns nutzen: Jedes Jahr strahlt sie das 15.000-fache des weltweiten Energiebedarfs (circa 1,5 x 1018 kWh) in unsere Richtung ab. Kurzum: Licht ist Zukunft.

Das hat jetzt auch einer der reichsten Menschen der Welt erkannt: Das "Orakel aus Omaha", der weltbekannte US-Investor Warren Buffett, steckte jüngst die astronomische Summe von 2 Milliarden Euro in das Solarunternehmen SunPower. Wenn das weltgrößte Solarprojekt im kalifornischen Antelope Valley 2015 fertiggestellt ist, soll es 579 Megawatt Strom liefern.

Antelope Valley Solar Ranch. Bild: U.S. Department of Energy

"Besser ist es, ein Licht anzuzünden, als auf die Dunkelheit zu schimpfen", so ein chinesisches Sprichwort, dass sich derzeit die Vereinten Nationen und viele erfinderische Pioniere zu Herzen nehmen: Die UNESCO hat den Vereinten Nationen vorgeschlagen, für 2015 das "Internationale Jahr des Lichts" auszurufen, um die "Bedeutung des Lichts für Wissenschaft, Technik, Natur und Kultur herauszustreichen".

Nächtliche Beleuchtung der Erde (um 1995). Bild: NASA

Im Zuge dessen soll es auch einen "Tag des Lichts" geben, der weltweit auf Lichtverschmutzung und das Sparen von Licht aufmerksam macht. Als "Lichtquelle des Friedens", so die UNESCO, soll dabei das SESAME eine besondere Rolle spielen: Das SESAME ist ein in Jordanien ansässiges und von der UNESCO gegründetes Synchrotonlabor, in dem nicht nur mittels eines Teilchenbeschleunigers geforscht, sondern auch die verschiedenen Kulturen des Nahen Ostens zusammengebracht werden.

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Die Pioniere von deciwatt haben eine ganz besondere Erfindung ins Leben gerufen: Ihr Gravity Light kommt völlig ohne externe Stromzufuhr aus und ist daher vor allem für Menschen in Entwicklungsländern interessant, die sich unabhängig mit Licht versorgen möchten.

Das "Gravity Light" hat einen integrierten Dynamo, der durch ein Gewicht angetrieben wird, das man jederzeit "aufziehen" kann: Hierfür zieht man ein Gewicht hoch, das am Seilzug der Lampe hängt - und während das Gewicht, von der Erdanziehungskraft angezogen, wieder nach unten wandert, erzeugt es im Generator der Lampe Strom.

Gravity Light. Screenshots: indiegogo.com

Solche kleinen Erfindungen können zahlreiche Menschen unabhängig machen von externen Stromversorgern oder gesundheitsschädlichen und teureren Kerosinlampen, wie sie in vielen Entwicklungsländern zu finden sind.

Ähnliche Ziele verfolgt die Little Sun des Designers Olafur Eliasson: Der Däne hat 2012 eine handtellergroße und solarbetriebene LED-Leuchte vorgestellt, die all jene Menschen mit Licht versorgen soll, die ohne Strom leben müssen - immerhin 1,6 Milliarden Menschen weltweit.

In den Entwicklungsländern gibt eine Familie durchschnittlich 3 bis 5 US-Dollar für Kerosin aus, um ihr Heim zu beleuchten; die "Little Sun" soll 10 US-Dollar kosten, so dass sie sich nach zwei bis drei Monaten ausgezahlt hat. Und die Solarzellen, die fünf Stunden Sonnenlicht in fünf Stunden LED-Licht verwandeln, halten natürlich länger als ein Vierteljahr. Über 15.000 dieser Leuchten sind bereits in Simbabwe, Kenia und Äthiopien verkauft worden - ein Vertriebssystem soll dafür sorgen, dass defekte Geräte umgetauscht werden können.

Gefährliche Lampen

Der LICHTZEIT e.V. engagiert sich für ressourcenschonende Zukunftsprojekte und plant für 2014 in Berlin die bislang größte Ausstellung zum Licht. Die Themen reichen vom ersten Geburtsschrei des Lichts vor über 13,7 Milliarden Jahren beim Urknall, über den Aufschrei des Lichts der philosophischen Aufklärung bis zum letzten Schrei der photonischen Hochtechnologien. All das sind deutliche Fingerzeige für die kommenden Jahre; hoffnungsvolle Finderzeige, denn Licht ist nicht nur Zukunft, sondern auch Macht.

Diese Macht spüren wir derzeit hautnah, wenn wir eine Glühbirne kaufen wollen … die gute alte Glühbirne ist bekanntermaßen aus den Regalen verschwunden, weil einige EU-Bürokraten in der Verordnung Nr. 244/2009 ein Verkaufsverbot angeordnet haben - ohne demokratische Abstimmung versteht sich.

Der Schwarzmarkt boomt natürlich, so gut wie jeder Berliner Elektrohändler verkauft die guten alten Birnen "unter der Theke". Doch auf legale Weise können wir nur noch quecksilberverseuchte Energiesparlampen kaufen, die sauteuer sind, sauhässliches Licht ausstrahlen und saugefährlich sind: Die Lampen stehen im Verdacht, Krebs auszulösen - nicht nur wegen des Quecksilbers, sondern auch wegen Substanzen wie Phenol, die beim Einschalten der Lampe dazu führen, das giftige Dämpfe austreten.

Moderne Energiesparlampe. Bild: Armin Kübelbeck. Lizenz: CC-BY-SA-3.0

Darüber hinaus gehen von den Lampen beträchtliche Mengen an UV-Strahlung aus, die tief unter die menschliche Haut eindringen und dort gesunde Hautzellen angreifen können.

Und die eingesparten Energiekosten halten sich auch in Grenzen, wenn man bedenkt, dass ein Privathaushalt für seine Waschmaschine genauso viel Strom verbraucht wie für die gesamte Beleuchtung. Profitieren tut nicht die Umwelt, sondern das kommt den Konten der Hersteller zugute. Und die haben schon seit längerem Dreck am Stecken:

Das Phoebus-Kartell und die geplante Obsoleszenz

Am 24. Dezember 1924 gründete sich das mächtige sogenannte Phoebus-Kartell, das sich ein ganz besonderes Weihnachtsgeschenk ausgedacht hatte: Aus purer Profitgier teilte man die Weltmärkte unter sich in "Heimmärkte" auf, in denen die Großkonzerne konkurrenzlos ihre Birnen verkaufen können.

Darüber hinaus traf man die folgenschwere Absprache, dass eine Glühlampe nur eine Lebensdauer von 1.000 Stunden aufweisen sollte. Wer Leuchtmittel auf den Markt bringt, die 50 oder 100 Stunden länger brennen, muss eine Strafe zahlen. Schließlich gehen einem Glühbirnenhersteller, der extrem haltbare Birnen herstellt, recht bald die zahlenden Kunden aus. Mit an Bord des Kartells waren mit Osram und Philips Hersteller, die auch heute noch marktführend sind. Und der Wert von 1.000 Stunden für Glühbirnen gilt in den westlichen Industrienationen bis zum heutigen Tag, während chinesische Lichtspender gegenwärtig satte 5.000 Stunden brennen.

1929 fasste das Phoebus-Kartell folgenden Beschluss: "Die Propaganda soll dahin gehen, dass der Eindruck entsteht, es gäbe eine Konkurrenz zwischen den Lampen-Fabriken. Die Wahl der Mittel bleibt jedem Mitglied vorbehalten, da es wünschenswert erscheint, dass keine Einheitlichkeit nach außen besteht."

Das Kartell teilte 1992 mit, dass es sich 1989 aufgelöst habe - eine Behauptung, für die es weder Beweise noch Gegenbeweise gibt. Nach einem Besuch im Berliner Kartellamt schimpfte der brasilianische Kartellforscher Rudolf Mirow über die angebliche Auflösung der Phoebus-Partner: "Wer's glaubt, wird selig. Das sind keine Kartellverhinderer, sondern Kartellhüter."

Der Skandal an der Sache ist also sonnenklar: Rein technisch ist weit mehr drin als eine Lebenserwartung von 1.000 Stunden; die Reduzierung der Brenndauer ist nichts anderes als "geplante Obsoleszenz".

100 Watt Glühbirne. Bild: KMJ,. Lizenz: CC-BY-SA-3.0

Bereits in der Sowjetunion gab es allerorten Birnen, die eine Leuchtdauer von 5.000 Stunden hatten. Und der völlig vergessene Ingenieur Dieter Binninger baute 1984 in seiner winzigen Kreuzburger Firma sogar Glühlampen, die weit länger als 150.000 Stunden hielten. 1991 meldete er das Patent für die sogenannte "Ewigkeitsglühlampe" an, die nur 5,50 DM pro Stück kostete. Doch die geplante Massenproduktion in den Berliner Narva-Werken fand nie statt. Warum? Weil die großen Zulieferer unter dem Druck der Monopolisten wie Osram, kurzerhand ihre Lieferungen an Binninger einstellten, so dass ihm wichtige Bauteile fehlten. Und um die Glut für Verschwörungstheorien weiter zu schüren, kam Binninger 1991 unter mysteriösen Umständen bei einem Flugzeugabsturz ums Leben.

Natürlich hat jede Glühbirne eine begrenzte Lebensdauer, weil über kurz oder lang alle Wolfram-Atome des Glühdrahts verdampft sind, so dass der Draht bricht und es zappenduster wird. Allerdings kann man die Lebensdauer des Drahts verlängern, indem man den Draht dicker macht. Was in Sachen Brenndauer alles möglich ist, zeigt zum Beispiel das berühmte Centennial Light, die langlebigste Glühlampe der Welt: Seit 1901 leuchtet sie fast ununterbrochen in einer Feuerwache der kalifornischen Stadt Livermore. Die Kohlenfadenlampe war seit 1976 sogar durchgehend in Betrieb, eine Webcam dokumentiert den Oldtimer mit halbstündlichen Bildern.

Eine Kohlenfadenlampe, ähnlich dem "Centennial Light". Bild: Ulfbastel. Lizenz: CC-BY-SA-3.0

Die "Energiesparlampe" und die EU-Verordnungen sind nichts weiter als ein Taschenspielertrick, um Geld in die Kassen der angeschlagenen Leuchtmittelhersteller zu spülen. Die gute alte Glühbirne, aber auch neuere Technologien wie LED oder OLED sind der giftigen und unästhetischen Energiesparlampe haushoch überlegen.

Der schwedische Konzern IKEA, seines Zeichens der weltweit größte Leuchtmittelverkäufer, hat angekündigt, ab 2016 nur noch LED-Leuchten verkaufen zu wollen. Auch die hausinterne Beleuchtung soll in den weltweit 330 IKEA-Filialen, die über eine Million Leuchtkörper in ihren Hallen verfügen, auf LEDs umgestellt werden, wodurch der Möbelkonzern zwischen 10 und 20 Millionen US-Dollar an Stromkosten pro Jahr einsparen will.

LED-Leuchte

LED-Leuchten halten durchschnittlich 20 Jahre und verbrauchen rund 85 Prozent weniger Energie als herkömmliche Glühbirnen. Angesichts dessen, dass 20 Prozent des globalen Energieverbrauchs durch Beleuchtung entsteht, haben die LEDs also viele Vorteile. Und der Markt für LED-Leuchten wächst dementsprechend um 9,8 Prozent jährlich.

So oder so ist es an der Zeit, dass Licht werde! Und es ist an der Zeit, dass den EU-Bürokraten ein Licht aufgeht! Hoffen wir, dass sich allerspätestens zum "Jahr des Lichts" 2015 etwas ändert.

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