Mehr Sex in Ehen mit traditioneller Aufteilung der Hausarbeit?

04.02.2013

Wenn Männer nicht waschen, kochen, putzen, sondern dies ihren Ehefrauen überlassen, dann sollen die Paare nach einer US-Studie häufiger Sex haben als solche in einer egalitären Beziehung

Nach einer amerikanischen Studie von Soziologen der University of Washington sollen verheiratete Paare, die auf traditionelle Weise ihre Haushaltspflichten aufteilen, mehr Sex haben, als solche Paare, die das gleichberechtigter bzw. egalitärer aufteilen. Auch wenn bei anderen Studien herausgekommen war, dass Männer, die mehr Hausarbeit leisten, auch mehr Sex in der Beziehung haben, spreche dies nicht dafür, dass Sex von den Frauen gegen Hausarbeit der Männer getauscht werde. Es käme nämlich darauf an, welche Haushaltsarbeit die Männer leisten.

Die Frauen kochen, backen, putzen, gehen einkaufen, die Männer pflegen den Garten, kümmern sich ums Haus/die Wohnung und das Auto und andere Maschinen. Das scheint nach einer Befragung von 4.500 heterosexuellen Paaren die Häufigkeit des Geschlechtsverkehrs zu erhöhen. Allerdings muss man gleich dazu sagen, dass die Daten der Erhebung aus den Jahren 1992-1994 stammen, dort wurde das letzte Mal, so die Soziologen, in einer größeren Befragung die Häufigkeit des Geschlechtsverkehrs bei verheirateten Paaren in den USA und die Aufteilung der Hausarbeit ermittelt. Die Wissenschaftler sind aber überzeugt, dass ihre Ergebnisse trotzdem noch weitgehend aktuell sind, weil einige Merkmale der Ehe wie die Aufteilung der Hausarbeit nach dem Geschlecht, sich kaum geändert haben.

In ihrer Studie, die im American Sociological Review erschienen ist, versuchen die Soziologen dem angeblich gängigen neuen Narrativ entgegenzutreten, dass heute Ehepaare mehr Sex haben, weil sie egalitärer, flexibler und fairer seien. Die Rollen der Ehefrau und des Ehemannes würden konvergieren, die Rolle des Mannes als demjenigen, der das Geld verdient, löse sich in der industrialisierten Welt zunehmend auf. Gleichzeitig übernehmen die Ehemänner zunehmend auch die Hausarbeiten und die Kinderbetreuung, die früher Frauensache gewesen waren. Das treffe nach Untersuchungen auch in allen industrialisierten Ländern zu. Daraus soll sich dann eine höhere Zufriedenheit der Frauen ergeben, was dazu führe, dass Ehefrauen ihren Männern, die sich an der Hausarbeit stärker beteiligen und überhaupt egalitärer seien, mehr Sex gewährten. Für die verbreitete Ansicht gebe es aber kaum empirische Belege, monieren die Soziologen.

Werden also Ehefrauen sexuell freizügiger oder stimuliert eine gleichberechtigtere Ehe mehr Sexualität? Die Autoren wenden ein, dass es auch Studien gebe, nach denen egalitäre Paare eine weniger zufriedenstellende Sexualität haben sollen. Allerdings ist die Fragestellung der Soziologen schon auch deswegen etwas seltsam, weil sie lediglich Haushaltsarbeit mit der Sexhäufigkeit verbinden wollen, auch wenn erste nur ein Indikator für eine traditionelle Geschlechterbeziehung ist, die viele weitere Faktoren beinhaltet. Zwar soll häufigerer Sex Paare zufriedener machen, gleichzeitig ist die - berichtete - Häufigkeit kein Hinweis auf den Genuss, die Qualität oder überhaupt die Zufriedenheit.

Stress für die Männer durch stärkere Beteiligung an der (weiblichen) Hausarbeit?

Wenn in der ausgewerteten Umfrage Männer in Ehen, die eher traditionell in der Aufgabenverteilung sind, häufigeren Sex - nach eigenen Angaben im letzten Monat 6,6 Mal - als solche in gleichberechtigteren Ehen (5 Mal) berichten, dann könnte dies freilich auch schon daran liegen, dass die Männer mit dem traditionellen Rollenbild meinen, sie müssten häufigeren Sex berichten, weil dies ihrer eigenen Erwartung entspricht. An solchen Überlegungen waren die Soziologen offenbar nicht interessiert, sie leiten aus ihrem Ergebnis, dass traditionelle Ehepaare häufiger Sex haben, lieber ab, dass die Häufigkeit von Sex keine Handelsware zwischen Mann und Frau sei, sondern "scripts" folge. Diese regeln die Erwartung an Sex, aber die Häufigkeit habe nichts mit dessen Qualität zu tun. Schließlich gebe es keine Unterschiede in der Zufriedenheit der Frauen in traditionellen und egalitären Ehen mit ihrem Sexleben, es sei auch egal, ob die beide arbeiten oder die die Frau Hausfrau sei, auch Religion oder Geschlechterideologie spiele keine Rolle.

Was die Umfrage bestätigt, ist schlicht die Tatsache, dass die Männer sich weniger an der häuslichen Arbeit beteiligen - und sie übernehmen weniger oft traditionell weibliche Arbeiten als Frauen traditionell männliche Arbeiten übernehmen. Daraus kann man auch schließen, dass Männer im Privatleben fauler sind, aber hier müsste man auch wissen, wie das bei Männern und Frauen ist, die beide einer Lohnarbeit nachgehen.

Eine mögliche Interpretation sei, dass die Partizipation der Ehemänner an den traditionell weiblichen Arbeiten deren Stress vergrößere. Ausgehend von der Annahme, dass Männer häufiger Sex als Frauen begehren, würde die vermehrte Hausarbeit der Männer dazu führen, dass diese aus Müdigkeit auf die Einleitung von Sex verzichten. Und weil dies die Frauen sowieso weniger machen, sinkt die Häufigkeit von Sex: "Mit dieser Interpretation muss eine höhere Gleichheit bei der Hausarbeit nicht inkompatibel mit der sexuellen Aktivität selbst sein", so die Soziologen, "aber höhere Gleichheit ist nicht vereinbar mit den vorhandenen sexuellen Scripts." Das meint, überkommene Scripts würden weiterhin vorschreiben, dass Männer Sex einleiten, während Frauen passiver sind und sich verführen lassen.

Nun könnten Ehemänner ja auf die Idee kommen, dass sie ganz einfach mehr Sex haben könnten, wenn sie weitgehend die Mithilfe im Haushalt einstellen, wenn es, wie die Soziologen behaupten, eine Korrelation zwischen Haushaltsarbeit und der Häufigkeit des Geschlechts geben sollte. Sabino Kornrich, einer der Autoren der Studie, fühlte sich offenbar deshalb bemüßigt, davor zu warnen: "Männer, die sich weigern, Haushaltsarbeiten zu machen, könnten Ehekonflikte stärken und die Zufriedenheit ihrer Frauen mit der Ehe mindern."

x
service:
drucken
versenden
facebook
twitter
google+
rss
newsletter
folgen:
facebook
twitter
google+
rss
newsletter
http://www.heise.de/tp/artikel/38/38496/
Anzeige
>
<

Darstellungsbreite ändern

Da bei großen Monitoren im Fullscreen-Modus die Zeilen teils unleserlich lang werden, können Sie hier die Breite auf das Minimum zurücksetzen. Die einmal gewählte Einstellung wird durch ein Cookie fortgesetzt, sofern Sie dieses akzeptieren.

Anzeige
Cover

Cold War Leaks

Geheimnisvolles und Geheimdienstliches aus dem Kalten Krieg

Telepolis Gespräch

Audio-Mitschnitt der Veranstaltung "Überwachung total" am 7. Juli mit Peter Schaar, Klaus Benesch und Christian Grothoff.
(MP3, 73min, 35MB)

bilder

seen.by

Anzeige

TELEPOLIS