Muss... dich... nachahmen...
Menschen kopieren Gesten ihres Gegenüber, selbst wenn ihnen das wirtschaftliche Nachteile bringt
Wenn der Chef in der Besprechung die Arme verschränkt, wird es nicht lange dauern, bis auch ein paar der anderen Anwesenden diese Position einnehmen. Stützt er sich mit einem Arm auf dem Tisch auf, werden kurz darauf andere Arme folgen. Karriereführer empfehlen ein solches Verhalten sogar, verschafft es doch dem Chef offenbar das Gefühl, dass ihn seine Angestellten verstehen. Offenbar ist eine solche Empfehlung jedoch völlig unnötig. Denn das Nachäffen des Anderen ist uns genetisch so tief in die Wiege gelegt, dass sogar das deutsche Synonym für "nachahmen" auf unsere Verwandten unter den Primaten Bezug nimmt.
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| Auch junge Makaken ahmen schon menschliches Verhalten nach. Bild: PLoS/CC-BY-SA-2.5 |
Selbst, wenn einem Probanden wirtschaftliche Nachteile drohen, kann er sein Verhalten anscheinend nur schwer umstellen. Das zeigen drei Ökonomen der Oxford University in einem kürzlich erschienenen Paper. In den Veröffentlichungen der US-Akademie der Wissenschaften beschreiben die Forscher ihr Experiment.
Die Wissenschaftler haben dabei Probanden das bekannte Spiel "Schere - Stein - Papier" spielen lassen. Allerdings in einer geänderten Version, in der nur zwei Optionen erlaubt waren: Offene oder geschlossene Hand. Gemeinerweise änderten die Forscher dabei manchmal auch die Regeln: Spieler 1 konnte gewinnen, wenn er die gleiche Geste wie sein Gegenüber zeigte, Spieler 2 jedoch strich das Geld ein, wenn er seine Hand anders als der Gegner hielt. Theoretisch mussten die Spieler ihre Gesten gleichzeitig ausführen. In der Summe und auf längere Zeit müssten sich also Gewinn und Verlust die Waage halten, das Ergebnis wäre rein zufallsbestimmt.
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Die Erfahrung lehrt jedoch, dass es eine echte Gleichzeitigkeit nicht gibt. Die Spieler versuchen, die Geste des Gegenüber zu erkennen und ihre eigene Reaktion darauf einzustellen. Genau das war auch die Intention der Forscher, denn so konnten sie anhand der Abweichung vom zufälligen Mittelwert ausrechnen, mit welcher Intention die Gegner ihre Handstellung auswählten. Dabei zeigte sich, dass den Probanden die Nachahmung selbst dann wichtiger war, wenn sie eigentlich die jeweils entgegengesetzte Geste ausführen mussten.
Die Macht der Spiegelneuronen
Das menschliche Gehirn besitzt offenbar eine starke Tendenz dazu, das Gegenüber zu spiegeln. Welcher Mechanismus daran schuld ist, das wissen Hirnforscher schon länger: Die Spiegelneuronen sorgen dafür, dass wir uns auf andere Menschen einstellen. Dass ihre Wirkung allerdings sogar andere starke Motivationen (Geld!) übertreffen kann, das war bisher nicht bekannt.
Können sich Samsung-Designer, Ministerinnen und Barone also zukünftig vor Gericht oder vor Untersuchungs-Kommissionen mit den besonderen Umständen ihrer Menschlichkeit herausreden? Immerhin könnte man ja damit argumentieren, dass sie nachahmten, obwohl ihnen mögliche wirtschaftliche Nachteile bewusst waren... Die britische Studie kann jedoch nicht zur Entlastung dienen.
Denn mit fortlaufender Dauer des Spiels gelang es den Versuchspersonen immer besser, ihre Handlungen mit ihren wirtschaftlichen Interessen in Einklang zu bringen. Die Forscher vermuten, dass wegen des Belohnungseffekts eines Sieges mit der Zeit zu einer Neu-Verdrahtung der neuronalen Wege führt, die anti-spiegelndes Verhalten erleichtert. Wie andere Studien zeigen, findet diese Umprogrammierung anscheinend in den selben Bereichen statt, die sonst für das Spiegeln zuständig sind.
Die Ergebnisse sind übrigens nicht nur von akademisch-psychologischem Interesse: Sie könnten erklären, warum manche Situationen, etwa im Handel an der Börse, in der Realität volatiler sind als eigentlich nötig. Der Nachahmungseffekt würde hier quasi einen Teil der ökonomischen Vernunft der Teilnehmer ausschalten.
http://www.heise.de/tp/artikel/38/38511/1.html- Re: Es wird halt initiiert- (19.2.2013 10:12)
- Re: Die Erklärungen sind bei dem Thema immer so Defizitorientiert (7.2.2013 14:23)
- Re: Die Erklärungen sind bei dem Thema immer so Defizitorientiert (7.2.2013 13:28)
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