Schavan und die Seilschaften

Peter Mühlbauer 08.02.2013

Warum man an der Universität Düsseldorf auch nach einem Abschied der Ministerin zittern wird

In akademischen Kreisen heißt es derzeit, dass die beiden Düsseldorfer Professoren Stefan Rohrbacher und Bruno Bleckmann "Märtyrer" seien - und zwar deshalb, weil man erwartet, dass sie und ihre Universität in den nächsten Jahren und Jahrzehnten spürbare Nachteile haben werden, wenn es um die Verteilung von Fördergeldern geht. Das wird sich möglicherweise auch dann nicht ändern, wenn Annette Schavan ihren Posten als Bildungsministerin aufgeben muss. Denn sie ist Teil von Netzwerken, die auch nach ihrer Entlassung weiter bestehen werden.

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Das Blog The Hobo and the Gypsy hat zur Illustration potenzieller Befangenheit eine Sammlung von Wissenschaftlern zusammengestellt, die mit Schavan finanziell und/oder persönlich eng verbunden sind und die Universität Düsseldorf in der Plagiatsaffäre in auffälliger Weise kritisierten: Darunter befinden sich auch Margret Wintermantel, die Präsidentin des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD), und Helmut Schwarz, der Präsident der Alexander von Humboldt Stiftung.

Jan-Hendrik Olbertz. Foto: Sielaff. Lizenz: CC BY-SA 2.0.

Besonderes Unbehangen herrscht in Düsseldorf für den Fall vor, dass der vom Spiegel zum engeren Kreis der Nachfolgekandidaten gezählte Jan-Hendrik Olbertz Bundesbildungsminister wird. Der Präsident der Berliner Humboldt-Universität (dessen zu DDR-Zeiten verfasste Dissertation zwar nicht als besonders vielversprechendes Terrain für Plagiatsfunde, aber als Geheimtipp für das Studium der Anpassungsfähigkeit an aktuell herrschende Verhältnisse gilt) fiel seit dem Bekanntwerden der Vorwürfe gegen Schavans Dissertation als besonders eifriger Verteidiger der Erziehungswissenschaftlerin auf:

Er nannte das Plagiatsprüfungsverfahren "schlicht unsäglich" und meinte am 16. Oktober 2012, es habe "bisher nicht der Wahrheitsfindung, sondern anderen Interessen gedient". "Hier", so der ehemalige Kultusminister von Sachsen-Anhalt, solle lediglich eine "erfolgreiche Wissenschaftsministerin politisch und persönlich demontiert werden". Und er empfahl deshalb, es an die "Ombudsleute der großen Forschungseinrichtungen" weiterzugeben. Dass Olbertz über Pläne zur Vereinigung des Max-Delbrück-Zentrums mit der Charité und den Ausbau der Humboldt-Universität zu einer "Bundesuniversität" in einer ganz besonderen Beziehung zur Ministerin steht, erwähnte damals keines der reichweitenstärkeren Medien, die seine Äußerungen druckten oder sendeten.

Schavan dürfte aber auch deshalb viele Freunde in einflussreichen Positionen behalten, weil sie bis 1995 das katholische Cusanuswerk leitete, das unter anderem den (im Vergleich zur Causa Guttenberg) in Sachen Schavan auffällig milden Süddeutsche-Zeitungs-Schreiber Heribert Prantl förderte, der 1982 promovierte.

Ihren ersten Posten als Referentin beim Cusanuswerk trat die eifrige JU-Aktivistin schon Anfang der 1980er Jahre an. Einer Home Story in der Zeit zufolge hatten ihr "Förderer" die attraktive Arbeitsstelle bereits vor der Dissertation in Aussicht gestellt. Wäre dem so, dann könnte es sein, dass sie relativ kurzfristig einen Abschluss brauchte - und dass der in Form einer notgedrungen zusammengeschusterten Doktorarbeit schneller zu haben war als über das in den Erziehungswissenschaften übliche Staatsexamen mit seinen vielen und lernaufwendigen Prüfungen. Schavan selbst war für eine Stellungnahme dazu nicht erreichbar.

http://www.heise.de/tp/artikel/38/38528/1.html
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