Waffen für alle mit dem 3D-Drucker

11.02.2013

Eine US-Gruppe will die Waffengesetze mit ausdruckbaren Waffenteilen aushebeln und hat nun angeblich ein Magazin gebastelt, mit dem sich hunderte Patronen abschießen lassen

Ein wenig Aufruhr hat bereits die Gruppe Defense Distributed gefunden, als sie im Dezember einen ersten Schießtest mit einem selbst gebastelten AR-15-Gewehr - der am meisten in den USA verkauften Waffe - durchführten, bei dem bislang allerdings nur Griff und Abzug (lower receiver) mit einem 3D-Drucker hergestellt wurde. Der Rest der Waffe bestand aus frei erhältlichen Waffenteilen, während nach dem US-Waffengesetz lediglich das Griffteil, das die Seriennummer trägt, im Kauf reguliert wird. Nach einigen Schüssen war allerdings der lower receiver bereits gebrochen und nicht weiter brauchbar.

Der Versuch, einen funktionsfähigen "lower receiver" auszudrucken, würde das Waffengesetz aushebeln. Daher hatte ein Unternehmen, von dem die Gruppe der Hobby-Waffenschmiede zuerst einen 3D-Drucker geleast hatte, diesen wieder zurückgefordert. Und die Firma MakerBot, die 3D-Drucker herstellt, löschte nach dem Bekanntwerden des Tests Daten aus ihrer Online-Bibliothek, mit denen sich der Griffteil nachdrucken lässt, ließ jedoch den Kommentar weiter stehen.

Die Gruppe will mit ihrem "Wiki Weapon Project" die Waffengesetze umgehen und "frei verfügbare Pläne für 3D-druckbare Schusswaffen erstellen". Das Ziel ist, alle Teile einer funktionsfähigen Waffe durch einen 3D-Drucker herstellen zu können und im Sinne von Open Source die Pläne zu verbreiten. Mit Verweis auf Thomas Jefferson propagieren sie, dass niemand an der Verwendung einer Waffe gehindert werden dürfe (Herunterladen, Drucken, Schießen). Ob es allerdings wirklich möglich sein wird, alle Teile einer Schusswaffe auszudrucken, muss derzeit zumindest noch bezweifelt werden.

Während schon nach dem ersten Bekanntwerden der Gruppe Politiker forderten, die Herstellung von Plastikwaffen per Gesetz zu verbieten, hat sich die Lage nach dem Schulmassaker von Newton (Selbstmord durch Massaker) noch einmal verändert, da nun strengere Waffengesetze gefordert werden, die neben einem Verbot von halbautomatischen Waffen auch die Zahl der Kugeln in einem Magazin auf 10 begrenzen sollen, um so auch die Zahl der Opfer künftiger Massaker zu reduzieren. Natürlich ist das auch wieder ein gefundenes Fressen für Defense Distributed.

Die Gruppe hatte nach der Löschaktion von MakerBot die Seite Defcad ins Web gestellt, um dort die CAD-Dateien zum Ausdrucken von Waffenteilen zu veröffentlichen. Und ihre Antwort auf eine mögliche Begrenzung der Magazine war erwartbar: Sie versuchen nun Magazine zum Ausdrucken herzustellen, mit denen sich hunderte Patronen feuern lassen.

Mit "Cuomo" haben sie ein ausdruckbares Magazin für das AR-15-Gewehr entwickelt, das 30 Patronen enthält. Benannt ist es nach dem Gouverneur von New York, Andrew Cuomo, der am 15. Januar ein Gesetz in Kraft treten ließ, nach dem nur sieben Patronen in einem Magazin enthalten sein dürfen. Wenn man keine größeren Magazine kaufen darf, so die Gruppe, dann kann sie eben selbst ausdrucken, zumindest so lange dies nicht ausdrücklich verboten ist.

Bei einem Schießtest mit dem ausgedruckten Magazin konnten mit diesem 342 Patronen abgeschossen werden. Die Gruppe hat dies mit einem Video dokumentiert - und lamentiert, dass aufgrund von Kritik von Liberalen der zweite Teil des Videos von YouTube vom Netz genommen worden sei. Zumindest jetzt war es aber wieder auf YouTube vorhanden. Mit dem ausdruckbaren Magazin ließen sich technisch Waffengesetze umgehen, es sei denn, dass auch schon das Herunterladen der CAD-Dateien strafbar gemacht wird.

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