Die katholische Kirche sieht sich verfolgt

11.02.2013

Und konservative Intellektuelle wie Norbert Bolz sehen in der Männerkirche ein subversives Potential

Der katholischen Kirche geht es nicht gut. Während in Köln der Karneval auf seinen Höhepunkt zustrebt, beklagt der Kölner Kardinal Joachim Meisner einen Sturm gegen die Kirche: "In den vergangenen Wochen hat die Kirche in Köln in der öffentlichen Wahrnehmung einen Sturm erlebt, wie ich ihn in meinen Jahren als Bischof selten erlebt habe." Der Kardinal diagnostizierte in einem Brief an die Seelsorger eine "Katholikenphobie", nachdem zwei katholische Krankenhäuser eine vergewaltigte Frau abgewiesen hatten.

Anstatt sich bei der Frau zu entschuldigen, jammert die von Männern beherrschte Kirche und will sich nicht als Täter, sondern als Opfer sehen, das offenbar völlig unschuldig in Kritik geraten ist. Zuvor hatte schon Erzbischof Müller von einer "Pogromstimmung" gegen die katholische Kirche gesprochen, während diese an diesem Punkt vorsichtig sein sollte, da sie im Dritten Reich sich schön weggeduckt hatte, als es wirklich ein Pogrom gegeben hat.

Meisner ist der Überzeugung, dass die "Entschiedenheit der katholischen Positionen zum Lebensschutz, zu Ehe und Familie" eine Polarisierung auslöse. Das dürfte zutreffen, nur dass die Kirche diese auch durch ihre konservative und unbelehrbare Haltung provoziert, die in einer mehrheitlich aufgeklärten Gesellschaft nicht mehr akzeptiert wird.

Meisner hatte die Verabreichung einer "Pille danach" nach einer Vergewaltigung ziemlich verwinkelt dann als kirchlich konform betrachtet, wenn sie die Befruchtung verhindert. Ist die Eizelle einer vergewaltigten Frau aber schon einmal befruchtet, wäre nach ihm eine Pille, die verhindert, dass sich die befruchtete Eizelle einnistet, weiterhin eine Tötung und deswegen abzulehnen. Die Frau muss dann also nach der katholischen Lehre das Kind nach einer Vergewaltigung austragen.

Meisner meinte in dem Brief, keine Religion werde so angegriffen wie die, die die katholische Kirche vertritt. Da spielt schon viel Selbstmitleid herein, schließlich wird der Islam sehr viel mehr gegeißelt. Bischof Franz-Josef Overbeck distanziert sich zwar von diesen Beschwörungen und nennt die Formulierungen nicht "hilfreich", meint aber auch, dass es "in letzter Zeit eine aggressive Stimmung gegen die katholische Kirche" gebe. Die Kirche müsse sich mit der Sexualität neu befassen, das hätte sie aber nach den Missbrauchsfällen schon längst machen sollen.

Wie schön, dass es gefällige Philosophen oder Medienwissenschaftler wie Norbert Bolz gibt, die die Probleme der katholische Kirch auch nur als eine Folge einer "Medienkampagne" sehen:

Natürlich gibt es in den vergangenen Monaten Anlass zu Kritik: die Missbrauchsskandale, der Umgang Kölner Kliniken mit einer vergewaltigten Frau, der Streit um das Gutachten von Professor Pfeiffer. Das alles ist Wasser auf die Mühlen der Medien. Das sind Themen, die sich beliebig skandalisieren lassen. Dabei ist viel Heuchelei und Häme im Spiel.

Das alles hat also nach Bolz mit der Kirche nichts zu tun, sondern nur mit Journalisten, die sich irgendwie auf der Seite der Aufklärung sehen. Offenbar findet er die Haltung der Kirche gut, "unzeitgemäß" zu sein, was per se schon gut zu sein scheint, wenn er die "bedingungslose Anpassungsstrategie an den Zeitgeist" der evangelischen Kirche geißelt. Da geriert sich Bolz als subversiver Nonkonformist, der die verkrustete Ideologie der katholischen Kirche als revolutionäre Haltung verklärt. Solche dienstbaren "Aufklärer" und "Intellektuelle", die sich als subversive Opposition verstehen und Altes verteidigen, brauchen wir eigentlich nicht.

Gemotzt wird auch, dass nach dem Rücktritt der Bildungsministerin und engagierten Katholikin Schavan wegen ihrer plagiatsdurchsetzen Doktorarbeit im Kabinett zu wenige Katholiken seien. Die von Merkel nominierte neue Ministerin Wanka kommt nicht nur aus Ostdeutschland, sondern ist auch noch Protestantin, also eigentlich bedingungslos anpassungsbestrebt. Ein Mitglied des Zentralkomitees der Katholiken (ZdK) soll gesagt haben, dass sich unter den sieben CDU-Ministern und Kanzlerin Angela Merkel nur noch ein Katholik befinde, nämlich Umweltminister Peter Altmaier.

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