Joseph Ratzinger schenkt der Kirche eine neue Freiheit

11.02.2013

Ein katholischer Kommentar zum angekündigten Rücktritt von Papst Benedikt XVI. und zu Perspektiven der Römischen Weltkirche

Auf dem I. Vatikanischen Konzil 1870 ist unter mannigfachen Repressionen gegen andersdenkende Bischöfe endgültig eine Papstideologie zementiert worden, die im Licht der Botschaft Jesu eigentlich nur als Götzendienst bezeichnet werden kann. Pius IX. und die ihm hörigen Seilschaften rüsteten die Römische Kirche damals um zum Kriegsschiff wider die Moderne. Sie statteten das Papstamt aus mit einer nahezu schrankenlosen Macht über alle Ortskirchen des Erdkreises und pervertierten es zu einem institutionalisierten Ausstieg aus der Geschichte fehlbarer Menschen. Auch auf dem letzten Konzil 1962-1965 ließ die Kurie nicht zu, dass Bischöfe aus allen Kontinenten dieses Wahngebilde der Angst von 1870 verabschieden oder zumindest wirksam korrigieren konnten.

Was immer auch hinter dem jetzt angekündigten Rücktritt des amtierenden Papstes stehen mag, Benedikt XVI. eröffnet mit diesem Schritt der römisch-katholischen Weltkirche eine neue Freiheit. Es wird nunmehr leichter, den Papst wie ehedem wieder als einen Bruder Bischof und als "Ersten unter Gleichen" zu sehen. Die Kategorie der Machtausübung über andere Menschen ist vom biblischen Zeugnis für das Dienstamt in der Gemeinde Jesu ausgeschlossen. Das Amt ist für die Menschen da, nicht umgekehrt.

Im Fall von Altersschwäche, Krankheit, Überforderung, mangelnder Glaubwürdigkeit oder Unfähigkeit ist ein Zurücktreten jederzeit möglich. Der Lebensabend von Johannes Paul II. hat uns die unbarmherzige Grausamkeit eines fetischartigen Sakralinstitutes vor Augen geführt. Eine Entmythologisierung des Papstamtes ist überfällig. Benedikt XVI. sorgt nun mit seinem Rücktritt für mehr Menschlichkeit. Er befreit die Weltkirche und auch seine Nachfolger von einer Fessel. In einer gemeinschaftlichen Annahme ihrer Bedürftigkeit können die Menschen ihre Schönheit entfalten. So jedenfalls sah es Jesus von Nazareth. In einer Annahme der eigenen Bedürftigkeit könnte auch der weltkirchliche Dienst des Bischofs von Rom der Kirche zu neuer Schönheit verhelfen.

Joseph Ratzinger ist sich als Papst selbst treu geblieben

Als am 19. April 2005 die Wahl von Joseph Ratzinger zum neuen Papst verkündet wurde, saß ich als "unheilbar katholischer" Christ mit tiefer Bestürzung vor dem Fernsehbildschirm. Ein linkskatholischer Journalist wollte mich alsbald mit der Aussicht trösten, diese Wahl würde zum Wohl von einer Milliarden Katholiken einen ganz "neuen Joseph Ratzinger" zeigen.

Inmitten all der Euphorie selbst in Reformkreisen fühlte man sich als Pessimist damals sehr einsam. Heute wissen wir, dass gezielter Wahlkampf und der Einfluss finanzstarker Kreise des rechten Kirchenflügels im letzten Konklave eine große Rolle gespielt haben. Entscheidende Vorzeichen waren Zerfallshysterie und Unheilsprophetie.

Die Rechnung schien zunächst aufzugehen. Mit seiner schon früher skizzierten "Hermeneutik des Zweiten Vatikanums" gab der neue Papst dem schon lange wirkmächtigen Konzilsrevisionismus ungeheuren Auftrieb. Sogar die radikalsten Gegner des letzten Reformkonzils vom äußersten rechten Rand der Traditionalisten ließ er ohne Bedingungen wieder in das Kirchenschiff hinein. Mit einer neuen Karfreitagsbitte "Für die Bekehrung der Juden" gefährdete der Pontifex die unter Johannes XXIII. zum Durchbruch gekommene Versöhnung mit dem Judentum, dem älteren Bruder der Kirche. Der ökumenischen Verbundenheit mit den Kirchen der Reformation versetzte er, wie schon zuvor als Glaubenswächter, weitere Nackenschläge. Gemäß seiner bekannten Überzeugungen kam es auch beim geschwisterlichen Dialog mit den Weltreligionen in den ersten Amtsjahren zu einem Tiefstand.

Die Wiedereinsetzung der beziehungslosen tridentinischen Priesterliturgie durch Benedikt XVI. war mitnichten eine kleine ästhetische Nebensache, sondern ein Angriff auf den durch das letzte Konzil eröffneten Weg einer beziehungsvollen und theologisch verantwortbaren Liturgie. Die Anhänger eines geradezu zwangspathologischen Liturgie-Verständnisses fühlten sich bestätigt. In mehreren Ländern sollten die Ortskirchen im Gottesdienst beim Abendmahl nicht mehr verkünden dürfen, dass Jesus sein Leben für ALLE hingegeben hat. Offenbar ging es jetzt nur noch um viele Auserwählte, aber nicht mehr um alle Menschen.

Ein deutscher Liturgiewissenschaftler fragte treffend: "Wie viele sind Viele?" Sogar Priester, die abweichend von der römischen Vorschrift das Brot passend zu den gesprochenen Bibelworten brechen, können heute von traditionalistischen Kirchenbesuchern bei der Bischofsbehörde angezeigt werden.

Repression gegen die Kirche der Armen, Homophobie und Zölibatskult

Die Geburt einer Kirche der Armen in Lateinamerika, dem katholischsten Kontinent des Erdkreises, ist nach 1965 die bedeutsamste Frucht des Konzils gewesen. Mit dem Glaubenspräfekten Joseph Ratzinger war 2005 der entschiedenste Gegner dieser Kirche und der Befreiungstheologie auf den Papststuhl gelangt. Jetzt wurde mit dem Programm "Platonismus statt Weltauftrag" Ernst gemacht.

Mit dem Friedensengagement und der entschiedenen Kapitalismuskritik des polnischen Papstes konnte der feingeistige Theologe Joseph Ratzinger nie wirklich etwas anfangen, wie etwa sehr deutlich seine butterweiche Sozialenzyklika zeigt. Die Nutznießer der Religion des Neoliberalismus hätten sich beim letzten Konklave keine bessere personelle Entscheidung wünschen können. Denn Joseph Ratzingers Widerspruch zu den herrschenden Verhältnissen beschränkt sich auf die sakrale Abschottung gegenüber dem, was er als "Welt" ansieht, und auf das Festhalten an "Lehren", die in einer aufgeklärten und freiheitlichen Gesellschaft in keiner Weise mehr zu vermitteln sind. In dem von einem Rüstungskonzern spendierten "Papamobil" zu fahren, hat ihm hingegen nie Schwierigkeiten bereitet.

Seit 1985 hat Joseph Ratzinger als mächtiger Glaubenswächter in auffälliger Weise immer und immer wieder homophobe Voten zur Verächtlichmachung der gleichgeschlechtlichen Liebe vorgelegt. Die Seelsorge in unzähligen Bistümern der Erde würde zusammenbrechen, wenn man das von ihm dann als Papst erstmalig amtlich gemachte Priester-Berufsverbot für Homosexuelle wirklich durchsetzen würde. Doch Schwule sind in der Kirche nicht nur gute Priester oder Opfer, sondern auch Täter. Sie stellen z.B. als Anhänger einer bestimmten Ästhetik nennenswerte Kreise im traditionalistischen Flügel. Sie passen sich als besonders erpressbare Amtsträger oftmals willig allen Systemanforderungen an, blockieren - z.B. als fanatische Verteidiger des Zwangszölibats - alle Reformaussichten und vertreten mitunter eine angeblich zeitlos gültige Geschlechtertheorie, der zufolge namentlich Gott auf männliche oder gar patriarchale Bilder festgelegt wird und Frauen im Kirchenraum auf ewig bloße Zuschauerinnen bleiben müssen. Der noch amtierende Papst scheint nie verstanden zu haben, welches Pulverfass explodieren kann, wenn die Öffentlichkeit den homosexuellen Schatten der männerbündlerischen Kirche einmal in ganzem Umfang wahrnehmen wird. "Vatileaks" wäre geradezu eine Lappalie daneben.

Jenseits aller kirchengeschichtlichen Fakten und aller theologischen Forschungen ist die obligate Ehelosigkeit aller Priester im lateinischen Ritus unter Benedikt XVI. wie ein unabänderliches Dogma verhandelt worden. Aber in den mit Rom unierten Kirchen gibt es schon immer verheiratete Priester. Auch protestantische oder anglikanische verheiratete Theologen werden bei Übertritt problemlos zu römisch-katholischen Priestern geweiht. Gleichwohl hat Joseph Ratzinger alles freie Nachdenken über den Zwangszölibat unterdrücken lassen.

Die lateinische Amtspriester-Ideologie ist zu einer nicht mehr tragbaren Bürde der Kirche geworden. Die Gemeinden nahe bei den Menschen sterben. Ortskirchen, deren Gründung fast ein Jahrtausend zurückgeht, werden geschlossen. Im Endertrag sorgt die rechtskonservative Zölibats-Anbetung dafür, dass Priester - statt Seelsorger zu sein - zu technokratischen Gebietsmanagern werden. Hier freilich findet man es nicht anrüchig, sich der "modernen Welt" anzugleichen.

Die gegenwärtige Krise der Römischen Kirche

Einen Aufwind hat der all diesem zugrundeliegende Kurs der Kirche nicht beschert. Die endlose Liste der Pannen und Skandale des derzeitigen Pontifikates hinterließ vielmehr oft den Eindruck, die lateinische Weltkirche sei überhaupt ohne wirkliche Leitung. Tatsächlich hat das Pontifikat des Papstes aus Deutschland die Römische Kirche in eine tiefe Krise gestürzt, in eine Krise des kirchlichen Amtes und besonders auch in eine theologische Fundamentalismus-Krise.

Joseph Ratzinger ist in seiner Theologie, deren vermeintliche Genialität von überspannten Geistern immer wieder bis ins Unermessliche gerühmt worden ist, ganz auf das "griechische Dogma" der staatskirchlich gelenkten Konzilien ab dem 4. Jahrhundert fixiert. Hier wiederum folgt er in der Auslegung nur einer ganz bestimmten neuplatonischen bzw. augustinischen Richtung, der zufolge Himmel und Erde bzw. Gott und Mensch miteinander kaum in ein wirkliches Gespräch eintreten können. Ein Problembewusstsein, wie es sich aus dem aktuellen Forschungsstand zu Hellenismus und "Hellenisierung" ergibt, ist beim Papst nicht zu erkennen.

Die skandalöse Ausblendung der modernen Forschung zur Religionsgeschichte in seiner Theologie bringt nachdenkende Katholiken geradewegs zur Verzweiflung. Hinzu kommt, dass die päpstlich verfasste Buchtrilogie "Jesus von Nazareth" auf eine Verweigerung gegenüber dem gegenwärtigen Stand der historisch-kritischen Bibelforschung hinausläuft. Die "Jungfrauengeburt" wird biologistisch missverstanden, ernsthafte Spekulationen zur Astronomie des Sterns von Bethlehems tauchen auf, und auch die Auferstehung Jesu soll eine leiblich-materielle gewesen sein, weil sie sonst angeblich nicht eine wirkliche Auferstehung sein könne.

Die fundamentalistische Engführung ist schon im derzeitigen Weltkatechismus dermaßen zementiert worden, dass eine Versöhnung mit der Aufklärung und ein glaubwürdiges Gespräch über Gott im 3. Jahrtausend gar nicht mehr als möglich erscheinen. Diese Form des Katechismus ist bereits den Vorgaben des einstigen Glaubenspräfekten Joseph Ratzinger geschuldet.

Auch der gegenwärtige Glaubenspräfekt Erzbischof Gerhard Ludwig Müller, ebenfalls ein Deutscher, bietet nicht im mindesten theologische Horizonte an für einen wieder an Jesus ausgerichteten Glauben - welcher immer ohne Vergewaltigung der Vernunft möglich ist. Die theologische Fundamentalismus-Krise der Römischen Kirche wird von den Massenmedien zugunsten der zahllosen hausgemachten Skandale fast durchgehend ignoriert. Sie bildet jedoch den eigentlichen Kern der gegenwärtigen Kirchenkrise, die interessierte Kreise gerne nebulös - also verschleiernd - als "Gotteskrise" bezeichnen.

Die jüngsten Umfragen auch hierzulande haben eindrucksvoll gezeigt, dass der allgemeine Glaubenssinn der Gläubigen, der dogmatisch an sich höchsten Stellenwert genießt, aber nie von den Oberhirten erfragt wird, mit dem Kurs der obersten Kirchenleitung in keiner Weise mehr zusammengeht. Die Herde hat sich schon längst innerlich von den Hirten losgesagt.

Ein Klima der Angst, Paranoia und selbstmitleidige Opfermentalität

Bei allem liebenswürdigen Auftreten von Joseph Ratzinger darf eines nicht vergessen werden: Unter seiner Federführung sind seit den 1980er Jahren ungezählte römisch-katholische Christinnen und Christen durch Repressionen, Redeverbote und Amtsenthebungen kaltgestellt worden. Zu den "Betroffenen" gehören Bischöfe, Ordensleitungen und sogenannte Laien, gerade auch couragierte Frauen, leidenschaftliche Anwälte der Armen, Theologen, die sich im Dienste einer menschlichen Seelsorge mit den psychologischen Tiefenschichten der Glaubensüberlieferung befasst haben, und katholischer Denker, die die Versöhnbarkeit von Glaube und moderner Vernunft nicht nur abstrakt postulieren.

Die Arroganz, Ignoranz und Kaltherzigkeit der kirchlichen Macht gegenüber all den Gemaßregelten gereicht uns Katholiken wahrlich zur Schande. Heute dürfen selbst kirchentreue CSU-Politiker mit abweichenden Meinungen zur Schwangerschaftsberatung oder maßvolle Kirchenreformer in vielen Bistümern nicht mehr öffentlich im Kirchenraum auftreten. Das schon seit den 1980er Jahren geschürte Klima der Angst und der Denunziation im Kircheninnenraum hat in den letzten Jahren dramatische Formen angenommen. Die Menschenlästerung durch innerkirchliche Repressionen zeigt ein hässliches Gesicht, das niemandem mehr als Frohe Botschaft vermittelt werden kann.

Derweil wird jedoch unterschlagen, welche selbstgemachten Probleme das real existierende Amtspriestersystem der gesamten Kirche einbrockt. Viele Oberkleriker haben immer noch nicht verstanden, welchen Tiefstand der Wertschätzung die römisch-katholische Kirche bei den meisten Menschen erreicht hat, nachdem das Ausmaß der sexualisierten Gewalt an Wehrlosen im Innersten des Kirchenraumes offenbar geworden ist. Stattdessen, man kann es kaum glauben, stilisieren sich die Verantwortlichen selbst zu Opfern! Bei einer Papstmesse im Petersdom wurde im Zusammenhang mit den sexualisierten Gewaltskandalen der Papst selbst als ein solches hingestellt. Im Seewald-Interviewband "Licht der Welt" (2010) deutet Joseph Ratzinger selbst an, die Kirche werde wegen ihrer abweichenden Positionen zur Gleichberechtigung der Frauen und zur Homosexualität oder wegen ihres zähen Festhaltens am Ehelosigkeitszwang für alle Priester Gegenstand einer modernen Kirchenverfolgung. Paranoia und selbstmitleidige Opfermentalität treten nunmehr als Außenbild einer im Innersten zutiefst brüchigen Hierarchie zutage.

Die jüngsten Auslassungen von Kardinal Joachim Meissner und Glaubenspräfekt Erzbischof Gerhard Ludwig Müller kann jeder psychologisch Versierte nur als Offenbarung von verleugneter Schwäche und großer Angst deuten (Die katholische Kirche sieht sich verfolgt). Wartet da vielleicht doch noch ein Skandal im Hintergrund, der mehr enthält als Indiskretionen im päpstlichen Privatgemach und der wirklich zu einem Knall in der Weltkirche führt?

Bereits ein halbes Jahr nach Ende des letzten Reformkonzils klagte Joseph Ratzinger - noch als Priester mit Schlips - auf dem Katholikentag zu Bamberg über einen drohenden Verrat am Kreuz durch falsche Weltangleichung der Kirche. Angesprochen war damit wohl kaum jener tödliche Konflikt mit den Strukturen einer Welt der Ungeliebten, der den Lebensliebhaber Jesus von Nazareth ans Kreuz gebracht hat.

Die Märtyrer der lateinamerikanischen Kirche der Armen, ermordet durch Handlanger der Reichen und Mächtigen, haben nach dem letzten Konzil das Kreuz nicht verraten. Wohlversorgte Oberhirten sollten sich schämen, wenn sie heute mit großem Selbstmitleid von einer neuen Kirchenverfolgung sprechen und sich als Opfer sehen. Bei ihnen geht es um hausgemachte Blockaden, um selbstverantwortete Skandale und um das Festhalten an nicht mehr kommunizierbaren Behauptungen im Bereich von Theologie oder Sexualethik, die mit einem Zeugnis für die Sache Jesu rein gar nichts zu tun haben. Joseph Ratzinger sollte klarstellen, dass dergleichen nicht sein Vermächtnis für die Gemeinschaft der Glaubenden ist.

Steht ein Wunder bevor?

Die Perspektive eines neuen Aufbruchs der römischen Kirche kann heute - unter den Vorzeichen von Globalisierung und Kommunikationszeitalter - nur darin liegen, wirklich die vom letzten Konzil vorgezeichnete Vision von Dialog, Weltkirchlichkeit und globaler Geschwisterlichkeit wahr werden zu lassen. Katholisch ist der Blick auf das Ganze und auf die brennenden zivilisatorischen Fragen, die die ganze Menschenfamilie betreffen. Der dialogunfähige und engstirnige Eurozentrismus des rechten Kirchenflügels hat zu Pessimismus, abstrusen Sonderheiten und selbstverliebten Sektenmentalitäten geführt.

Eine Milliarde Romkatholiken auf dem Globus sollten endlich Impulse erhalten, in christlicher Freiheit überall an ihren Lebensorten mit anderen Menschen neue Wege zu suchen und die Möglichkeit einer weltweiten Vernetzung als Zeichen der Zeit verstehen zu können.

Dem Bruder Papst sei an dieser Stelle gerade auch nach seiner beeindruckend menschlichen Entscheidung nur Gutes gewünscht, insbesondere ein Lebensabend mit freier Atemluft und lieben Menschen an der Seite.

Ob die nächste Papstwahl wirklich für eine Überraschung sorgen kann? Haben überhaupt Kandidaten eine Chance, die die Welt mit ihrer zärtlichen Menschlichkeit und ihrem heiteren Glauben betören können wie einstmals ein Angelo Giuseppe Roncalli (1881-1963) oder ein Albino Luciani (1912-1978)? Ist gar ein Prophet auf dem Stuhl Petri vorstellbar, der sich mutig an die Seite der Elenden und Geschundenen stellt?

Kardinäle werden wählen, Inhaber eines Amtes, das in der Bibel und den Ordnungen der Alten Kirche überhaupt nicht vorgesehen ist. Im letzten und gegenwärtigen Pontifikat hat Rom systematisch für klare konservative bzw. traditionalistische Mehrheitsverhältnisse bei den Wahlberechtigten Sorge getragen. Da muss man schon - gut katholisch - an Wunder glauben ...

Der Verfasser ist römisch-katholischer Theologe und hat seit 2005 in Telepolis regelmäßig Beiträge und Kommentare zum Pontifikat Joseph Ratzingers veröffentlicht, die im TP-Archiv nachzulesen sind.

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