Orden für die Fernkrieger

Florian Rötzer 18.02.2013

Zu seinem Abgang als Verteidigungsminister hat Leon Panetta Medaillen für Drohnenpiloten und Cyberkrieger eingeführt, bei Veteranen stößt dies auf Kritik

Zu seinem Abschied als Verteidigungsminister wollte Leon Panetta noch eine Geste machen, die sich ins Gedächtnis eingraben soll. Er hat eine neue Medaille für Soldaten geschaffen, die Herausragendes geleistet haben. Allerdings nicht auf dem herkömmlichen Schlachtfeld, sondern in der sicheren Position am Schreibtisch in der Heimat als Cyberkrieger oder Drohnenpilot. Auch Piloten von ferngesteuerten U-Booten oder Personal, das mit Raketentechnik zu tun hat, nannte Panetta. Er selbst bekam die erste Director's Distinguished Service Medal von der CIA verliehen.

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Der scheidende Verteidigungsminister Leon Panetta erhielt nicht den Orden, sondern den ersten Director's Distinguished Service Medal vom CIA-Direktor. Bild: Glenn Fawcett/Pentagon

Mit der Distinguished Warfare Medal würde das Pentagon der veränderten Wirklichkeit des Krieges Rechnung tragen, sagte Panetta am Mittwoch vor einer Woche. Technische Fortschritte hätten neue Mittel geschaffen, direkt Kampfhandlungen zu unterstützen, auch wenn sie keinen Mut oder körperliches Risiko beinhalten. Betont wurde, dass die Orden hoch selektiv vergeben würden.

Am Freitag legte das Pentagon noch einmal nach, um die Medaillen zu rechtfertigen, nachdem Veteranenorganisationen diese abgelehnt hatten. Juliet Beyler, Direktorin der Personalverwaltung, erklärte, dass der Wunsch aus dem Militär entstanden sei, Menschen zu ehren, die "unglaubliche Dinge" tun. So gebe es eben noch keine Medaillen für einen Soldaten, "der an einem Cyberangriff auf ein bestimmtes militärisches Ziel beteiligt ist", oder für einen Drohnenpiloten, der ein militärisches Ziel zerstört. Es könne sich auch um einen Soldaten handeln, der Truppen auf dem Schlachtfeld steuert, ohne körperlich präsent zu sein. Und sie versicherte, dass die Medaillen für Flugeinsätze und für Soldaten, die wegen ihres Mut ausgezeichnet werden, einen höheren Rang haben. Es könnte also einen Medaillenregen geben, zumal sie rückwirkend ab dem 11.9. 2001 verliehen werden können. Zu dem Zeitpunkt ist offenbar die gemeinte neue Wirklichkeit des Krieges in Kraft getreten.

Zuvor hatte die größte Veteranenorganisation, die Veterans of Foreign Wars (VFW), scharf kritisiert, dass die neue Medaille für die Fernkrieger über den Medaillen Bronze Star and Purple Heart liegt. Das können die Moral der Truppe beeinträchtigen, warnen sie. Die Veteranen räumen zwar ein, dass auch diejenigen, die weit entfernt vom Kampf sind "einen unmittelbaren Einfluss auf das Schlachtfeld in Echtzeit" haben können, "aber Medaillen, die nur im direkten Kampf verdient werden, müssen mehr wert sein als solche, die hinter der Front verdient werden."

Der neue Orden für die Kriege aus der Ferne. Bild: Pentagon

Auf dem Facebook-Account von VFW liest man Kommentare wie "OAA medal Obama's Air Assassins" oder "What's next? Awarding the drone commandos a Purple Heart for getting carpal tunnel syndrome?" Im Online-Magazin Salon wird auch auf Tapferkeit vor Ort abgehoben und sich mokiert, dass nun Kriegsorden an diejenigen verliehen werden sollen, "die Amerikas tödliche Computerspiele bedienen". Die Kritik geht von Glenn Greenwald geht allerdings tiefer. Er meint, dass mit dem neuen Orden der von US-Präsident Obama geführte, aber weiterhin auch in den USA umstrittene Drohnenkrieg geadelt werden soll.

Für Peter Singer, Direktor der 21st Century Defense Initiative an der Brookings Institution, macht allerdings genau der Umstand, dass die Medaille für Leistungen verliehen wird, die nicht an einen geografischen Ort gebunden sind oder bei denen es unerheblich ist, wo sich der Soldat aufhält, diese bemerkenswert. Zwar seien ferngesteuerte Roboter auf dem Boden und in der Luft immer wichtiger geworden und werde viel Personal und Geld in die Cyberverteidigung gesteckt, aber es sei ein Zeugnis der Identitätskrise des Militärs durch die neuen Techniken gewesen, dass bislang Leistungen dort nicht ausgezeichnet wurden.

Neue Techniken würden stets die erforderten Fähigkeiten der Soldaten verändern. Das sei auch so gewesen beim Aufkommen der Schusswaffen, die einen Kampf auf größere Distanz ermöglichten und einen klaren Vorteil gegenüber dem Kampf von Mann gegen Mann mit Schwertern oder Lanzen darstellten. Das habe auch die erforderte Tapferkeit verändert. Der durch Technik ermöglichte Fernkrieg habe eine "revolutionäre Lösung vom Risiko" bewirkt. Gleichwohl würden die Menschen, "die unabhängig von der Zeit und vom Ort aus der Ferne kämpfen, harte und folgenreiche Entscheidungen treffen, die sowohl Leben retten als auch vernichten können". Deswegen sei die neue Medaille auch angemessen, weil sich die Kriegsführung durch die Technik verändert habe. Man könne dies bedauern oder schlicht anerkennen, "dass dies die Wirklichkeit unserer fremdartigen neuen Welt der Roboterflugzeuge, der computerisierten Waffen und der Orden ist, die nicht für Tapferkeit im Kampf verliehen werden".

http://www.heise.de/tp/artikel/38/38580/1.html
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