"Der Rücktritt Ponaders war ein Befehl!"

18.02.2013

Piratenstreit wird untergangswürdig

Zu den bekanntesten Memen des letzten Jahrzehnts zählen Mashups eines Wutanfalls von Adolf Hitler aus dem Spielfilm Der Untergang, die mit Untertiteln zu aktuellen Debatten unterlegt werden: Zum Beispiel über iPad-Mängel, die Wikipedia-Löschwut oder Fußballergebnisse. An der Beliebtheit dieses Phänomens konnte auch die massenhafte Sperrung dieser Clips durch die Constantin Film AG nichts ändern, die als Immaterialgüterrechteinhaber einen Verbotsanspruch für sich beansprucht.

Nun wurde auch die aktuelle Personaldebatte bei der Piratenpartei zu einem Untergangs-Mashup verarbeitet. Die aus Twitter bekannte Stephan-Urbach-Parodie "Zensurbach" veröffentlichte gestern ein YouTube-Mashup mit dem Titel "Der Führer erfährt, dass Ponader seine SMS veröffentlicht hat", in dem Adolf Hitler anscheinend die Position des Berliner Fraktionsführers Christopher Lauer einnehmen soll. Hitler wird in dem Video darüber informiert, dass der "Neustart" nach der verlorenen Niedersachsen-Wahl "bislang verpufft" sei und Spiegel Online weiter über die Piratenpartei "abrante". In Umfragen "verkacke" die Partei außerdem "krasser als mit Noro-Virus" und Johannes Ponader habe "wieder eine Vorstandsneuwahl für den Parteitag ins Spiel gebracht".

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Hitler antwortet darauf, dass er "dem Ponader schon per SMS klargemacht [habe], dass er endlich zurücktreten soll". Als die umstehenden Offiziere ihm vorsichtig klar machen, dass Ponader dem nicht nachkam und stattdessen die SMS veröffentlichte, nimmt Hitler die Brille ab und spricht den berühmten Satz: "Es bleiben im Raum", der in dieser Version des Mems mit den Namen "Schlömer, Dornheim, Zensurbach und der Typ, der mir immer aus Twitter vorliest" ergänzt wird. Dann setzt er zu seinem Schreikrampf an:

Das war ein Befehl! Der Rücktritt Ponaders war ein Befehl! Wie verstrahlt ist der, dass der sich einfach meinem Befehl widersetzt? So weit ist es also gekommen … Ich hätte ihn wohl lieber anrufen und anschreien sollen wie sonst Spiegel Online. Dieser gesamte BuVo [Bundesvorstand] ist nichts weiter als ein Haufen unfassbar debiler Vollpfosten!

Darauf hin widerspricht ihm ein Offizier, er könne nicht zulassen, dass der Führer "auch Julia" einen Vollpfosten nennt – womit offenbar auf Julia Schramm angespielt wird. Und Hitler entgegnet: "Vollpfost_*innen eben, für die Femtrolle!". Auf den Vorwurf, dies sei "Rape Culture", erwidert der Schnauzbartträger, der aktuelle Vorstand sei nichts weiter als "ein Retweet der FDP" und räumt ein, dass er Ponader "damals" als Politischen Geschäftsführer vorschlug - aber da habe er auch noch nicht gewusst "dass er statt Wirtschafts- lieber Kinderbücher liest". Nach der letzten Vorstandswahl habe man seine Aktionen "nur behindert" und ihm "jeden nur erdenklichen Widerstand in den Weg gelegt". Er hätte deshalb "gut daran getan, [den Bundesvorstand] schon vor Jahren abzuschaffen und mit einem Klarnamens-Liquid zu ersetzen".

Außerdem meint Hitler in dem Clip, er habe "nie an einem Antrag mitgeschrieben" und doch "allein mit [s]einer charmant-flapsigen Art die Herzen der ganzen Nation erobert". Aber dann seien "diese Aluhüte" gekommen und hätten "immer nur 'Datenschutz, Datenschutz' geschrien und die Ständige Mitgliederversammlung im Liquid Feedback (SMV) mit "Privatsphäre-Mimimi" als "Gesinnungsdatenbank" abgelehnt. Aber diese "Vollpfosten" würden damit bezahlen, dass sie nun "einen politischen Bundesvorstand kriegen". Dann sollten sie sehen "wie viel Basisdemokratie noch bleibt". Es sei "unmöglich, unter diesen Umständen die Strippen zu ziehen" und sein Einfluss auf die Partei sei zu Ende - aber deswegen werde er Berlin noch lange nicht verlassen, sondern "lieber ab und zu in eine Kamera bullshitten".

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