Kein Zögern mehr

22.02.2013

Zum Abbau von Hemmschwellen bei Polizisten bot eine Firma Schießtraining auf Bilder von Kindern und Schwangeren

Manche sagen, Computerspiele, zumal wenn es sich um Ego-Shooter handelt, würden die Menschen desensibilisieren, so dass sie auch im wirklichen Leben die Hemmung verlieren, andere Menschen zu töten oder zu verletzen. Die systematische Überwindung der Schießhemmung ist auf jeden Fall ein Ziel der Firma Law Enforcement Targets Inc. in Minneapolis, die das Schießen zur Übung auf möglichst realistisch aussehende, mobile Ziele anbietet.

No More Hesitation

Der Firmenname suggeriert, dass hier nur Soldaten, Polizisten oder andere Angehörige von Sicherheitsbehörden trainieren, aber das Angebot richtet sich auch an Schießvereine oder "Schießenthusiasten". Man habe ein umfassendes Angebot an Zielscheiben aus unterschiedlichen Materialien, um allen Anforderungen, auch den finanziellen, zu genügen.

So gibt es beispielsweise ein Foto vom Gesicht eines Mannes, der gerade mit einem Gewehr zielt, für Scharfschützen:

  • Sniper Ear Shot 90 Degrees Target
  • Full color with light gray background.
  • Life Size, printed on 10" x 14 " Paper.
  • Optimum hit areas not visible while shooting.

Oder es gibt realistisch aussehende, dreidimensionale und lebensgroße "Bad guy/good guy"-Puppen, die "bluten", wenn sie getroffen werden. Oder Zombies: "Be prepared for the next Zombie outbreak. This target is a life-sized; three-dimensional tactical mannequins that "bleed" when you shoot it. "

Aber mit dem Realismus ist die Firma nun zu weit gegangen. Angeblich auf Wunsch von Sicherheitsbehörden habe man die Serie "No More Hesitation" (Kein Zögern mehr) entwickelt. Polizisten konnten für weniger als 99 Cents auf Fotos schießen, auf denen ein Kind, eine Schwangere, eine alte Frau oder eine junge Mutter zu sehen waren, die jeweils eine Pistole halten. Gedacht waren die Ziele, den Polizisten beim Schießtraining die Erfahrung mit "tödlichen Schussszenarien auf Personen" zu bieten, die nicht zur Norm gehören. Es ginge um "ungewohnte komplexe Situationen, wo Entscheidungen in Bruchteilen von Sekunden zu unnötigen Verlusten von Menschenleben führen können". Man könnte dies freilich auch umgekehrt sehen.

Nach einer kurzen und unkritischen Erwähnung der Serie in dem libertären Online-Magazin Reason wurden kritische Stimmen auch aus den Sicherheitsbehörden laut, wie die Firma schreibt. Deswegen habe man die Produkte aus der Website genommen, was allerdings nicht heißt, dass mit den Fotos weiter trainiert wird, die Hemmschwelle zu senken. Die Firma entschuldigt sich wegen der "anstößigen Produkte". Man werde jedoch weiterhin Wünsche der Sicherheitsbehörden aufnehmen, um deren Trainingszwecken und Qualitätsanforderungen besser zu entsprechen. Allerdings findet man das Angebot heute noch weiter auf der Website der Firma, allerdings nicht die Bilder.

No More Hesitation

Reason schrieb die Firma, was der Autor als "hilfreiche" Erklärung betrachtet, es sei aus Gesprächen mit Polizisten und Ausbildern hervorgegangen, "dass es auf Seiten der Cops ein Zögern gebe, wenn tödliche Gewalt auf Personen in einem atypischen Alter oder mit einer ungewohnten Schwäche oder Verfassung ausgeübt werden muss". Ein Offizier habe berichtet, er habe sogar Fotos seiner eigenen Kinder als Ziele verwendet, um nicht von einer solchen Situation im Dienst überrascht zu werden. Ist das nicht heroisch?

No More Hesitation

Die Firma schreibt weiter, dass das Zögern vielleicht nur Sekunden betragen könne, aber es sei nicht akzeptabel, "wenn Polizisten ihr Leben in solchen Situationen verlieren". Das Ziel sei es, die Stereotypen bei den Schießübungen zu durchbrechen, "unabhängig davon, wie klein die Wahrscheinlichkeit ist, im wirklichen Leben auf ein Szenario zu treffen, das ein Kind, eine Schwangere etc. umfasst". Wenn die Polizisten auch hier die Hemmschwelle abbauen, die sie zögern lässt, wäre damit diesen selbst und der Allgemeinheit gedient.

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