Pentagon richtet Drohnen-Stützpunkt in Niger ein

Florian Rötzer 23.02.2013

Angeblich sind noch keine Einsätze von Kampfdrohnen geplant, die Aufklärungsdrohnen sollen die Bekämpfung von Al-Qaida in Mali unterstützen

Bislang haben das Pentagon und die CIA Drohnen überwiegend in Ostafrika eingesetzt. Von Stützpunkten auf den Seychellen, Äthiopien und Dschibouti wurden Überwachungs- und Kampfdrohnen vor allem nach Somalia, aber auch in den Jemen. In Somalia sind derzeit die Islamisten auf dem Rückzug. Wie kürzlich herauskam, was gleichzeitig den geheimen Charakter des unter US-Präsident Obama und dem vormaligen Sicherheitsberater und jetzigen CIA-Direktor John Brennan massiv ausgebauten Drohnenkrieg belegt, betreibt die CIA seit 2 Jahren auch in Saudi-Arabien einen geheimen Stützpunkt für Drohnen.

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Der Drohnenstützpunkt soll zunächst in der HauptstadtNiamey eingerichtet werden. Karte: CIA

In Libyen wurden ebenfalls 2011 zur Unterstützung der Aufständischen vom Pentagon US-Drohnen eingesetzt. Angeblich sollen sie dort weiter nach dem Krieg mit der Billigung der neuen libyschen Regierung fliegen (Pentagon plant Operation zur Tötung libyscher TerroristenI). Nun berichtet die Washington Post, dass die US-Regierung offenbar einen weiteren Drohnen-Stützpunkt aufbauen, der sich im Niger befindet. Von hier aus sollen, so Informanten aus dem Pentagon, al-Qaida-Kämpfer in der Sahara beobachtet werden.

Offiziell hatte allerdings US-Präsident Obama in einem Brief an den Kongress nur davon gesprochen, dass um die 40 US-Soldaten nach Niger verlegt worden sind, so dass die Zahl der dort stationierten Soldaten auf ungefähr 100 angestiegen ist. Die Soldaten seien zum Selbstschutz bewaffnet und würden die französische Militärmission im benachbarten Mali unterstützen. Ende Januar wurde ein Abkommen mit Niger zur militärischen Zusammenarbeit geschlossen. Das sei in Kooperation mit Frankreich geschehen, sagte am 30. Januar die Sprecherin des US-Außenministeriums, machte keine Angaben über Drohnen oder Einsatzpläne.

Obama schrieb in dem Brief nicht von Drohnen, aber er erklärte, die Soldaten würden Unterstützung beim Sammeln von Informationen leisten, was daraufhin hindeutet. Ein Pentagon-Mitarbeiter sagte der Washington Post, dass die kürzlich entsendeten 40 Soldaten fast alle der Luftwaffe angehören und der Ausführung von Drohnenflügen dienen würden. Die von den Drohnen gesammelten Informationen würden an das französische Militär und an afrikanische Truppen weiter gegeben, um al-Qaida zu bekämpfen. Unklar ist, ob bereits Drohnen in den Niger gebracht wurden und ob es sich nur darum handelt, Beobachtungsflüge zu machen, oder ob auch Kampfdrohnen eingesetzt werden, um gezielte Tötungen auszuführen. Niger hat jedenfalls den Vorteil, dass nun das Pentagon auch in dieser afrikanischen Region, die von den südeuropäischen und ostafrikanischen Stützpunkten nicht erreichbar sind, Erkundungsflüge oder auch Kampfdrohneneinsätze machen kann.

In den letzten Jahren hat das Pentagon zwar bereits einmotorige PC-12 Turboprop-Flugzeuge zum Auskundschaften von Agadez in Niger eingesetzt, aber deren Reichweite ist begrenzt. Seit einigen Monaten, so die Washington Post, wurde dieser Einsatz outgesourct. Der Einsatz von Predator-Drohnen, die weiter fliegen können und mit besserer Sensorik ausgestattet sind, verlangt jedoch weit mehr Personal zur Wartung und zum Reparieren vor Ort (Kampfdrohnen ersetzen nicht Menschen, sondern brauchen mehr Personal). Ein Pentagon-Mitarbeiter meinte denn auch, dass sich die Zahl der US-Soldaten in nächster Zeit vermehren würde.

Wie sich die Obama-Regierung mehr und mehr auf den Drohnenkrieg stützt, zeigen auch Zahlen aus Afghanistan. Während dort die Truppen abgezogen werden, nimmt die Zahl der Drohneneinsätze zu. Zwar stellen die Drohneneinsätze noch immer nur einen kleinen Teil der Luftangriffe dar, aber ihr Anteil ist von 5 Prozent im Jahr 2011 auf 12 Prozent letztes Jahr angestiegen. Je weniger Soldaten in Afghanistan stationiert sind, desto mehr wird sich das Pentagon auf die Drohnen stützen. 506 Angriffe wurden letztes Jahr in Afghanistan mit Drohnen ausgeführt, 72 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

http://www.heise.de/tp/artikel/38/38629/1.html
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