Zurück ins Büro
Ist die Arbeit im Home Office weniger innovativ?
In Deutschland wird es von vielen Angestellten als Privileg empfunden, wenn der Arbeitgeber es ihnen freistellt, im Home Office zu arbeiten. In manchen Unternehmen kommen auch nur leitende Angestellte in den Genuss, ihre Arbeit von zuhause aus zu erledigen und auch nicht immer, sondern nur ein paar Tage im Monat - ein Extra nicht so üppig, aber ähnlich wie der Firmenwagen. Für Eltern erleichtert die Arbeit zuhause das Zusammenspiel mit schwer miteinander zu verknüpfenden Aufgabenstellungen, die sich aus Beruf und Familie ergeben. Das Home-Office Angebot wird von manchen Unternehmen daher auch als Karte ausgespielt, um interessante Bewerber für sich zu gewinnen.
Lange Zeit sah es ganz danach aus, als ob das Home Office für ein neues zukunftsträchtiges Arbeitsmodell steht. Die Firmen sparen Bürokosten und die Angestellten arbeiten mit Heimvorteil, sparen sich das Pendeln, haben also mehr Zeit, die sie sich besser einteilen können. Und sie arbeiten nicht weniger, wie Studien in den USA festgestellt haben.
Die Produktivität falle bei Home Office-Personal höher aus, fasst ein Artikel in der New York Times zusammen. Was möglicherweise daran liegt, dass die Angestellte sich auf keinen Fall dem Vorwurf aussetzen wollen, sie würden sich zuhause einen faulen Lenz erlauben. Ganz im Gegenteil ("Produktiver, aber isoliert und unglücklicher").
Dazu kommt, dass die Arbeitssignale zuhause ständig auf Sendung sind, mindestens 16/24. Das Bürozimmer wird natürlich nicht um sieben Uhr abends zugesperrt oder das Notebook zugeklappt, um erst wieder um sieben Uhr morgens geöffnet zu werden. Home Office ist eine WG mit dem Unternehmen als geisterhaften Mitbewohner. Dessen Ansprüche und Anforderungen können sich ziemlich ausbreiten. Und es gibt Grenzkonflikte mit den anderen Mitbewohnern.
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Die Kinder rufen "mir ist schlecht" oder "Popo putzen", das Telefon klingelt, ein Anruf, der entgegengenommen werden muss, weil man auf ihn gewartet hat und der Gesprächspartner nur schwer erreichbar ist, während der Kopf konzentriert noch in einer anderen Welt gefangen ist, in der Abfassung eines dringenden Mails (Home-Office: E-Mailen rund um die Uhr, um am Ball zu bleiben), auf das es ankommt, bei einer Programmierzeile, in einer Excel-Tabelle, im Syrien-Krieg. Man tut sein Bestes, die Lebensbereiche Arbeit und Privates so zu verbinden, dass beide möglichst gut bedient werden.
Der unübersehbare Vorteil für Angestellte mit Familie: Das Home Office gestattet ihnen eine andere Flexibilität, fiebrige Kinder können ohne organisatorische Akrobatik ziemlich rasch aus dem Kindergarten abgeholt werden; man sieht sie schon vor dem Abendessen bzw. noch wach - und muss die Wohnung nicht zu Zeiten verlassen, wo sie noch schlafen. Dafür ist der Unternehmensmitbewohner auch am Wochenende da.
Nun ruft in den USA gerade eine Managerin, die, wie die ganze Welt erfahren hat, eben erst ein Baby bekommen hat, die Angestellten von Yahoo wieder zurück an ihre Schreibtische im Büro. Marissa Mayers Yahoo’s policy change soll damit einen wahren Sturm der Kritik bei den Protagonisten der Flexibilität am Arbeitsplatz entfacht haben. Sie werfen ihr vor, dass diese Wende ein Rückschritt sei, insbesondere für solche Arbeitnehmer, die außerhalb ihrer Berufstätigkeit ein Kind oder pflegebedürftige Angehörige versorgen.
Laut dem betriebsinternen Yahoo-Memo, dessen Anweisungen auf einen Plan von Mayer zurückgehen sollen, erhofft man sich von der Arbeit im Büro höhere Schnelligkeit, Qualität und ein größeres Zusammengehörigkeitsgefühl:
Speed and quality are often sacrificed when we work from home.(...) We need to be one Yahoo!, and that starts with physically being together.
"Glückliche Begegnungen" unter Kollegen
Mayers Rückruf sei Teil einer Politik, die sich an Erfolgsrezepten ihres früheren Arbeitgebers, Google, orientiere, erklärt die New York Times. Dazu gehört auch die mittlerweile legendäre Arbeitsplatzgestaltung der Google-Filialen. Deren Prinzip ist alles - Arbeit, Essen, Entspannung, Kreativinseln, Kinderbetreuung etc. - unter einem angenehmen Dach für die Mitarbeiter, die selbstverständlich dort präsent sind und arbeiten und nicht im Home-Office. Laut Studien fördert die Arbeit mit anderen die Innovationsfähigkeit. Auf neue Ideen kommt man leichter und eher, wenn man sich mit anderen austauscht.
Dieser Ansicht folgend werden neue Arbeitsplätze - man spricht kaum mehr von Büroräumen, in Mode kommt die Bezeichnung "Campus" wie bei Universitäten - so angelegt, dass Begegnungen und Gespräche mit den Mitarbeitern sich gar nicht vermeiden lassen. Das wird dann wahrscheinlich nicht unbedingt immer so gaga aussehen wie bei Google. Stattdessen könnte es eng werden, wenn, wie bei einem Subunternehmen von Amazon, der Platz pro Angestellten kleiner geplant wird. Das hat Vorteile fürs Firmenbudget und wird gleichzeitig als innovationsfördernd dargestellt.
Wir wollen damit die Wahrscheinlichkeit von glücklichen Begegnungen (i.O. "serendipitous encounters") maximieren. Der Erfolg unseres Unternehmens baut auf unserer Kultur und unserer Ansicht nach kann man sie nicht über E-Mails herstellen
Möglich, dass sich in Zukunft eine Mischung aus Home-Office und Arbeit im Büro durchsetzt. Die Argumente für das Arbeiten im Home Office sind nicht leicht vom Tisch zu wischen: angeführt wird von einem Manager der Consulting-Firma Booz Allen, der im Zeitungsbericht zitiert wird, die bessere Öko-Bilanz "less money on gas" und eben die Flexibilität: Er versorgt seine Eltern, die im vorgerückten Alter sind. Das könnte künftig viele angehen.
http://www.heise.de/tp/artikel/38/38647/1.html- Re: Eine Krankheit. (27.2.2013 22:21)
- Re: dann kann man ja auch das Gehalt radikal kürzen (27.2.2013 22:12)
- Re: Hamsterrad bleibt Hamsterrad! (27.2.2013 22:09)
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