Rüstungsindustrie bläst zum Drohnen-Wettlauf im Mittleren Osten

01.03.2013

Ägypten, Saudi-Arabien, Libyen und Algerien wollen Flugroboter. Als Drehscheibe könnten die Vereinigten Arabischen Emirate dienen: Das Land kauft jetzt Predator-Drohnen

Die Vereinigten Arabischen Emirate wollen für rund 200 Millionen US-Dollar mehrere Predator-Drohnen des US-Herstellers General Atomics kaufen. Dies berichteten Nachrichtenagenturen am Rande der Waffenmesse IDEX die letzte Woche in Dubai abgehalten wurde. Die von General Atomics bestätigte Ankündigung der Regierung in Abu Dhabi markiert den Startschuss zum Drohnen-Wettlauf auf Märkten in arabischen Ländern.

Predator-Drohnen können zu Aufklärungszwecken genutzt werden und bieten die Möglichkeit der Bewaffnung. Die Flugroboter gehören zur Klasse der sogenannten "Medium Altitude Long Endurance" (MALE). Sie können rund 35 Stunden in der Luft bleiben und fliegen so hoch, dass sie vom Boden nicht bemerkt werden. Auch die Bundesregierung erwägt den Kauf der begehrten Mehrzweckwaffe.

Bislang dürfen die Predator-Drohnen nur an Länder verkauft werden, die der NATO angehören. Der US-Senat hatte Exporte nach Großbritannien, Italien und die Türkei genehmigt. Der Rüstungsgigant General Atomics schuf mit Predator XP deshalb eine neue Produktlinie, die Ausfuhren auch in Krisenregionen erleichtern und etwaige Bedenken von US-Abgeordneten zerstreuen soll. "XP" basiert auf dem seit 1995 gebauten Modell "Predator A". Das Akronym steht für "Export", die Drohnen können nur zur Beobachtung aus der Luft genutzt werden, eine spätere Bewaffnung ist angeblich nicht möglich. Dies wird von Kennern allerdings bezweifelt.

US-Konzern profitiert vom Nahost-Konflikt

Trotzdem können die Flugroboter für militärische Luftschläge genutzt werden: Das maximale Abfluggewicht von über einer Tonne erlaubt die Bestückung mit rund 150 Kilogramm hochauflösenden Sensoren. Hierzu könnten auch lasergestützte, optische Geräte zur Zielmarkierung gehören, um diese dann mit Kampfflugzeugen oder anderen Drohnen aus der Luft anzugreifen. General Atomics hat die Überwachungskapazität der "Predator XP" zur Erteilung der Ausfuhrgenehmigung allerdings verringert. Gewöhnlich sind die Drohnen mit Sensoren des Rüstungs- und Elektronikkonzerns Raytheon ausgestattet. Vermutlich werden sie nun mit Geräten der Firma FLIR ausgerüstet. Diese verfügen allerdings immer noch über eine beachtliche Auflösung, wie der Hersteller in einem Video auf seiner Produktwebseite vorführt.

Auf der IDEX-Messe war - ebenso wie auf der jährlichen Luftfahrtschau in Berlin - erstmals ein eigener Themenpark für Flugdrohnen eingerichtet worden. General Atomics hatte dort auch seine "Predator XP" ausgestellt. Die bislang von der US-Armee genutzten Drohnen von General Atomics werden in der Regel "fully piloted" geflogen, was stets ein hoch ausgebildetes Personal verlangt. Weil dies von den anvisierten Abnehmern aber kaum verlangt werden kann, verfügt die neue "Predator XP" über automatisierte Start- und Landetechniken.

Letztes Jahr hatte General Atomics angekündigt, die "Predator XP" vor allem auf Märkten in Lateinamerika und dem Mittleren Osten verkaufen zu wollen. Der Konzern profitiert dabei vom Nahost-Konflikt. Die israelischen Rüstungskonzerne Elbit und Israel Aerospace Industries bauen mit ihren Drohnen "Hermes" und "Heron" Flugroboter der MALE-Klasse ( (Medium Altitude Long Endurance), die damit in Konkurrenz zu den "Predator"-Drohnen stehen. Viele arabische Regierungen wollen aus politischen Gründen keine Verträge mit israelischen Konzernen abschließen. Kein israelischer Hersteller hatte auf der IDEX in Dubai ausgestellt.

Nutzung auch für polizeiliche Zwecke möglich

Eingefädelt wurde der Verkauf an die Vereinigten Arabischen Emirate bereits auf der IDEX-Messe vor zwei Jahren. Abu Dhabi hatte damals eine Partnerschaft mit General Atomics angekündigt und dessen Abwicklung der im Land ansässigen International Golden Group übertragen. Der Drohnen-Kauf ist Teil eines gigantischen Waffendeals: Das Land hat insgesamt 17 verschiedene Verträge mit einem Gesamtvolumen von über 5 Milliarden US-Dollar abgeschlossen.

Es ist wahrscheinlich, dass die Vereinigten Arabischen Emirate den Weiterverkauf in andere Länder im Auge haben: Insbesondere Dubai gilt als Drehscheibe für Technologie und Finanzdeals im arabischen Raum. Dann könnten die Überwachungsdrohnen in anderen Ländern auch polizeilich genutzt werden. Als Einsatzzwecke gelten die Grenzsicherung, die Beobachtung großer Veranstaltungen oder Demonstrationen. Viele der infrage kommenden Staaten wurden ebenso wie die Vereinigten Arabischen Emirate für die brutale Niederschlagung der Opposition kritisiert.

Eine auf der IDEX verteilte Hochglanzbroschüre spricht hierzu Klartext. Die Veranstalter skizzieren bis 2020 einen Markt von über einer Milliarde US-Dollar in der Region "Middle East & North Africa" (Nahost und Nordafrika). Die Liste von erwarteten Marktanteilen der potentiellen Käufer wird angeführt von Ägypten, Saudi-Arabien, Irak, Iran, Libyen und Algerien.

Während Länder wie die Vereinigten Arabischen Emirate, Saudi-Arabien oder Ägypten die Drohnen der MALE-Gewichtsklasse beschaffen wollen, interessieren sich demnach Länder wie der Golfstaat Katar eher für Helikopter-Drohnen, wie sie auch von der deutschen Bundespolizei getestet werden. Saudi-Arabien kooperiert im maritimen Bereich bereits mit dem US-Verteidigungsministerium. Für polizeiliche Zwecke wird die Drohnen-Politik der saudischen Regierung aus Deutschland gefördert (Deutsches Militär unterstützt hochgerüsteten Grenzschutz in Saudi-Arabien).

Verschlüsselung bleibt problematisch

Noch ist der Deal mit den Vereinigten Arabischen Emiraten allerdings nicht in trockenen Tüchern. Zwar hat General Atomics bereits eine Ausfuhrgenehmigung der US-Regierung erhalten. Jedoch muss die Entscheidung noch vom Senat gebilligt werden. Weitere Exporte kündigte der Konzern aber bereits an: Mehrere andere regionale Regierungen hätten demnach Interesse angemeldet.

Eine Schwierigkeit bleibt allerdings bestehen: Die schnelle und dennoch sichere Übertragung der Überwachungsdaten zur militärischen Bodenstation. Vor drei Jahren wurde im Irak offenkundig, dass dieser Datenstrom nicht verschlüsselt ist und mit billiger Software leicht abzufangen bzw. auszulesen ist (Die Schwäche der Drohnen). Kompliziert wird die Lösung des blamablen technischen Problems auch deshalb, da die US-Regierung die Ausfuhr von Verschlüsselungstechnik sanktioniert.

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