Mit Schimmelpilz kontaminierter Futtermais aus Serbien an tausende Höfe geliefert

01.03.2013

Nach dem Pferdefleisch- und Eierskandal nun schon der nächste organisierte Betrug, der die Landwirtschaft in Niedersachsen einholt, dabei war die Aflatoxin-Kontamination von serbischem Getreide schon länger bekannt

Der neue niedersächsische Umwelt-, Landwirtschafts- und Verbraucherschutzminister Christian Meyer von den Grünen hat keinen leichten Start, kann aber schon einmal eine sonst wenig geübte Transparenz zeigen. Wichtig wäre nun, dass tatsächlich auf dem von viel krimineller Energie gezeichnetem Lebensmittelmarkt besser kontrolliert und stärker sanktioniert wird - und dass endlich eine genaue Kennzeichnungspflicht über die Herkunft aller Lebensmittel und ihrer Bestandteile eingeführt wird. Das ist Aufgabe des Bundeslandwirtschaftsministeriums und der EU, die bislang eher dem Drängen der Lobbyorganisationen nachgegeben haben, damit aber auch den Ruf der ganzen Branche gefährden.

In Niedersachsen gab es den Betrug von mehr als 150 Legehennenbetrieben, die ihre Ställe überbelegt hatten, um mehr Reibach zu machen. Dazu wirkte sich auch der Pferdefleischskandal auf Niedersachsen aus. Da Produkte bereits verkauft wurden, hat das niedersächsische Ministerium gemeinsam mit den Verbraucherschutzministerien der anderen Länder einen Rückruf für die Produkte veröffentlicht, die im einzelnen aufgezählt werden.

Heute nun musste das Ministerium schon den nächsten länderübergreifenden Skandal offenlegen, der wieder einmal Futtermittel betrifft. In Futtermais aus Serbien wurde das Schimmelpilzgift Aflatoxin B1 entdeckt. Die zulässige Höchstmenge von 0,02 mg/kg, die enthalten sein darf, wurde mit 0,204 mg/kg deutlich überschritten. Wie das Ministerium berichtet, wurde das möglicherweise auch für den Menschen als Endkonsumenten gefährliche Futtermittel für Rinder, Schweine und Geflügel nicht nur in Niedersachsen in einem Mischfuttermittel verkauft, sondern auch an Betriebe in Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen. Teile gelangten auch in die Niederlande. Aflatoxin ist stark krebserregend.

Bislang handelt es sich um 10.000 Tonnen, die an 3560 Höfe in Niedersachsen und 14 in Nordrhein-Westfalen bereits ausgeliert wurden, sich also schon in der Nahrungskette befinden können. Insgesamt umfasste die Lieferung 45.000 Tonnen, von denen 10.000 in Brake und 25.000 in Bremen gesperrt werden konnten. Geprüft worden war nicht rechtzeitig bei der Einfuhr, aber auch die 13 Futtermittelhersteller, die den serbischen Futtermais verarbeitet und an die Landwirte ausgeliefert haben, führten offenbar keine Kontrollen durch.

Zwar sei eine für den Menschen gefährliche Belastung im Fleisch durch den Futtermais nicht zu erwarten, schreibt das Ministerium, die Höchstgrenze für Aflatoxin B1 in der Rohmilch könne aber überschritten werden. Eine Gefährdung der Verbraucher aus der daraus hergestellten Trinkmilch sei aber auch "unwahrscheinlich". Molkereien führen, allerdings nur monatlich, Kontrollen des Aflatoxingehalts der Milch in den Stapeltanks durch, eine Überschreitung des Höchstwerts sei hier aber noch nicht bekannt geworden. Der Kontamination des serbischen Futtermaises sei eine Molkerei durch einen Fund von Aflatoxin in der Milch eines Hofes auf die Spur gekommen. Von hier aus habe man dann den Futtermais rückverfolgen können. Die kontaminierte Milch wurde entsorgt.

Schon im Dezember war bekannt geworden, dass in Serbien ein Großteil der Getreidekern mit Aflatoxin kontaminiert sein könnte. Die serbische Regierung hat angeblich Prüfungen eingeleitet. Nach einer Analyse von Proben durch SGS SA (SGSN) sollte nur ein Drittel für den Verzehr durch Menschen geeignet sein, die Hälfte könne als Tierfutter verwendet werden, der Rest hätte entsorgt werden müssen. Offenbar hat man dies in Deutschland bei den zuständigen Behörden nicht zur Kenntnis genommen.

Das serbische Landwirtschaftsministerium hatte allerdings immer wieder versichert, dass Fleisch und Milch weiterhin unbedenklich verzehrt werden können. In Serbien liege die Höchstgrenze bislang über derjenigen, die in der EU gilt. Der Landwirtschaftsminister Goran Knežević hängt offenbar eher einer Verschwörungstheorie an. Der Aflatoxin-Skandal sei inszeniert worden, um Tierzüchtern zu schaden und Lebensmittel von genveränderten Pflanzen aus dem Ausland einzuführen. Er werde aber nicht zulassen, dass die serbischen Landwirte zerstört werden, die Landwirtschaft sei die einzige Branche in Serbien, die ein Handelsplus mache.

Er war sich vor ein paar Tagen auch weiterhin sicher, dass auch die Milch ungefährlich ist. Man müssen jetzt die Analysen abwarten, die in den Niederlanden gemacht werden. Allerdings hatte er am Donnerstag erst die Höchstgrenze für Aflatoxin in Milch von 0,05 auf 0,5 Mikrogramm erhöht, angeblich auch, um die serbische Landwirtschaft zu retten. Man könne nicht täglich 300.000 oder 400.000 Liter Milch verschwenden, sagte er, wenn man diese in Zweidrittel der Welt verkaufen könne. Es wurden allerdings 73 Höfe gesperrt und kontaminierte Futtermittel sowie Milch aus dem Handel zurückgezogen.

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