30.000 Kältetote in Großbritannien

04.04.2013

Menschen sterben nicht nur an Erfrierungen

In Deutschland war der März 2013 3,3 Grad Celsius kälter als im langfristigen Durchschnitt. Seit Beginn der systematischen Temperaturmessungen 1881 gab es nur fünf Märzmonate, die noch kälter waren. Die drei Monate davor waren mit insgesamt 96 Sonnenstunden die dunkelsten seit Beginn der flächendeckenden Wetteraufzeichnungen 1951.

Auch in Großbritannien klagt man über das Wetter. Und zwar nicht über Nebel oder Regen, sondern über eine kontinentale Eiseskälte, die dem Daily Telegraph nach in diesem Winter etwa 30.000 Menschen das Leben kostete. Für diese Schätzung zieht die Zeitung nicht nur die unmittelbar Erfrorenen heran, sondern auch diejenigen, deren Körper indirekt wegen zu niedriger Temperaturen ihr Funktionieren einstellten.

Tatsächlich begünstigt Kälte nicht nur Lungenentzündungen, sondern auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Thrombosen. Das schlägt sich statistisch nieder: Im Winter steigt sowohl die Zahl der Notfalleinsätze als auch die der Todesfälle deutlich an. Dem Office for National Statistics nach betreffen 80 Prozent der mit Kälte zusammenhängenden Todesfälle Menschen, die über 75 Jahre alt sind.

Der Schwerpunkt der Kältetode liegt nicht etwa im Norden oder im gebirgigen Wales, sondern in London. Dies hängt der Organisation Age UK nach damit zusammen, dass in diesem extrem teuren Ballungsraum viele Rentner nicht mehr genug Geld übrig haben, um ordentlich zu heizen. 2004 klagten 675.000 britische Rentner über Probleme beim Bezahlen der Energiekostenrechnung. 2009 lag ihre Zahl durch gestiegene Energie- und Lebenshaltungskosten bereits bei 2,7 Millionen - obwohl die Labour-Regierung versprochen hatte, diesen Missstand bis 2010 ganz zu beseitigen.

Finanzielle Probleme sind dann besonders problematisch, wenn Wohnungen mit Strom geheizt werden. Wird dieser gesperrt, kühlen Räume vollständig aus und Bewohner sind versucht, durch unfachmännische Improvisation mit Kerzen, Gaskochern und anderen offenen Feuern für Abhilfe zu sorgen. In Deutschland, wo 2010 312.000 Stromanschlüsse gesperrt und sechs Millionen Sperrungen angedroht wurden, ist dieses Phänomen angeblich eine wichtige Ursache für Brände und Kohlenmonoxidvergiftungen.

Dazu, wie viele Personen hierzulande durch indirekte Kälteeinwirkung sterben, macht das Bundesgesundheitsministerium keine Angaben. Die europäische Statistikbehörde Eurostat kann zwar mir Zahlen zu Kältetoten aufwarten, diese betreffen aber offenbar nur Fälle mit relativ direkter Temperatureinwirkung: In Großbritannien liegt deren Zahl im letzten verfügbaren Jahr 2010 bei 175 und in Deutschland bei 134. Spitzenreiter ist hier Polen mit 606 Toten.

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