Ein Ausweichquartier für die Menschheit

19.04.2013

Astronomen haben mit Hilfe des Weltraumteleskops Kepler ein Sonnensystem ausgemacht, das sogar zwei recht erdähnliche Planeten bietet

Ein Sonnenuntergang sieht auf Kepler-62f wohl deutlich anders aus als auf der Erde: Der Planet kreist zwar in 30 Prozent geringerer Entfernung als die Erde um seine Sonne, die er in 262 Tagen einmal umrundet. Doch das Zentralgestirn Kepler-62 ist deutlich kleiner und kühler als unser Heimatstern, seine Helligkeit liegt im Vergleich zur Sonne nur bei 20 Prozent.

Kepler-62f, wie man ihn gerne sehen würde. Bild: NASA Ames/JPL-Caltech

In der Summe kommen auf der Oberfläche des fünften und äußersten Planeten dieses Systems noch gut 40 Prozent der Energie an, die die Erde täglich aufnimmt. Für einen romantischen Abend am Meer, und zwar ohne Weltraumanzug, sollten diese Bedingungen jedoch genügen, jedenfalls wenn die (begründeten) Spekulationen und Modellrechnungen der Astronomen stimmen, die die Kepler-Fotos ausgewertet haben. Ihre Schlussfolgerungen lassen sich jetzt in der Online-Ausgabe des Wissenschaftsmagazins Science nachlesen.

Kepler-62f bestünde demnach aus festem Material wie die Erde - eventuell auch aus Eis. Handelt es sich um einen Gesteinsplaneten, dürfte seine Oberfläche deutlich anders als die Erdoberfläche aussehen: Bei einem geschätzten Alter von sieben Milliarden Jahren wäre die Erosion schon deutlich weiter fortgeschritten. Zumal Kepler-62f wohl auch eine Atmosphäre besitzt, die von seiner tatsächlichen Zusammensetzung abhängt.

Wichtig ist seinen Entdeckern vor allem, dass an seiner Oberfläche flüssiges Wasser existieren könnte - die Voraussetzung für Leben, zumindest wie wir es kennen. Damit gehören Kepler-62e und -62f zusammen mit Kepler-22 und dem kürzlich entdeckten Begleiter von Tau Ceti (siehe Ein Katzensprung zur zweiten Erde) zum bisher sehr exklusiven Club der Planeten in ungefährer Erdgröße, die ihre Sonne in der Lebens-Zone umkreisen.

Kepler-62e, wie er nach einer "künstlerischen Darstellung", ziemlich auf Erde getrimmt, aussehen könnte. Bild: NASA Ames/JPL-Caltech

Diese Zone wird nach den Bedingungen definiert, unter denen flüssiges Wasser existieren kann. Je nach Leuchtkraft und Spektrum der zugehörigen Sonne besitzt dieses Gebiet unterschiedlichen Radius. Dabei unterscheiden die Forscher eine empirische, nach dem Vorbild unseres eigenen Sonnensystems ermittelte Zone und ein aus Modellen berechnetes, ein Stück schmaleres Gebiet.

Relative Größen der Supererden, bis auf die Erde alle in "künstlerischer Darstellung: Kepler-22b, Kepler-69c, Kepler-62e, Kepler-62f und die Erde. Bild: NASA/Ames/JPL-Caltech.

Nur etwas größer als die Erde

Bei der empirischen Variante geht man davon aus, dass auf Mars und Venus als konkreten Beispielen zumindest vor langer Zeit flüssiges Wasser nachweisbar war - die beiden Planeten bilden deshalb gewissermaßen die empirischen Grenzen. Der bisher kleinste Planet in der bewohnbaren Zone, Kepler-22b, liegt "nur" innerhalb dieser empirischen Zone, während sich Kepler-62f sogar innerhalb der engeren Zone befindet.

Ob die beiden Supererden tatsächlich eine Lufthülle besitzen, ist derzeit noch unklar. Ein Blick in die Atmosphäre eines Exoplaneten ist Astronomen kürzlich erst beim Gasriesen HR 8799c gelungen (siehe Eisenwolken über HR 8799c) - vor allem, weil sich dieser Planet so weit entfernt von seiner Sonne befindet. Ob ein Besuch auf Kepler-62f allerdings dereinst als romantische Hochzeitsreise taugt, darf jedoch völlig unabhängig davon bezweifelt werden.

Zwar ist der Planet mit 1,4 Erdradien nur etwas größer als die Erde. Doch da, wie der Mathematiker weiß, der Radius in dritter Potenz in das Kugelvolumen eingeht, ergibt sich daraus bei identischer Zusammensetzung eine dreimal so große Masse. Und damit eine entsprechend größere Anziehungskraft, die Spaziergänge ebenso erschwert wie Streicheleinheiten.

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