Der Liberator ist da!

07.05.2013

Erstmals haben libertäre US-Waffenenthusiasten eine funktionsfähige Schusswaffe mit einem 3D-Drucker herstellen können

Offenbar haben es libertäre Waffenenthusiasten, die sich als Anarchisten verstehen, nun geschafft, eine funktionsfähige Schusswaffe nicht nur teilweise, sondern ganz mit einem 3D-Drucker auszudrucken und zusammenzubauen - fast ganz muss man sagen, weil der Schlagbolzen noch aus Metall besteht. Für sie ist dies ein Akt der Opposition gegen einen Staat, der das vermeintliche Recht, eine Schusswaffe zu besitzen, einschränken will.

Der Test

Zwar ist der Versuch der US-Regierung, nach dem Schulmassaker in Newtown strengere Waffengesetze einzuführen am Widerstand der rechten Republikaner gescheitert, aber schon die politische Diskussion über Hintergrundüberprüfungen der Käufer und eine schärfere Kontrolle empfinden Waffenenthusiasten als anstößig und als Ausdruck eines "Disziplinarwunsches". Die Menschen würden zu Verwaltungsobjekten, wenn vor dem Waffenkauf ihre psychische Gesundheit überprüft und Fragebogen ausgefüllt werden müssten. Angestrebt werde ein Ergebnis, dass "niemand mehr eine künstliche 'Verhaltensnorm' erreicht und alle ungeeignet sind, eine Waffe zu besitzen". Eine Schusswaffe zu besitzen, ist aber offenbar Bestandteil der Freiheit, weswegen jeder die Möglichkeiten haben soll, sich über das Internet eine Schusswaffe ausdrucken zu können (Waffen für alle mit dem 3D-Drucker) .

Die Gruppe, die sich Defense Distributed nennt und deren führende Person der 25-jährige Student Cody Wilson ist, hat letzten Samstag in Texas erstmals eine ausgedruckte 9 mm Pistole getestet - was mit viel Pathos mit einem Video demonstriert wird. Auf ihrer Website hat die Gruppe die Daten online gestellt, die zum Ausdrucken der Pistole, großkotzig "Liberator" genannt, dienen. In den USA ist die Herstellung von Waffen legal, solange sie nicht kommerziell gehandelt werden. Es gibt bereits Bestrebungen, die Verbreitung von Druckvorlagen für Schusswaffen zu verbieten. Cody Wilson meint, die Menschen auf der Welt sollten alles haben können, was sie wollen.

Bild: Defense Distributed

Noch ist die Pistole freilich für denjenigen, der sie abfeuert, ein Wagnis. Es gibt keine Garantie, dass sie stabil ist und nicht beim Schießen explodiert. Der Test bestand auch nur in einem Schuss. Aber es ist ein Durchbruch, jetzt geht es nur noch um Verbesserungen. Jeder kann sich nun auf eigene Gefahr eine Waffe ausdrucken und das Gewaltmonopol des Staates untergraben, auch wenn die Munition noch anderweitig beschafft werden muss. Nach Auskunft der BBC beobachtet man auch bei Europol die Entwicklung, gibt sich aber gelassen, weil Kriminelle bislang eher traditionelle Wege verfolgen würden, um an Schusswaffen zu kommen.

An pubertären Allmachtsfantasien scheint es bei Defense Distributed nicht zu mangeln.

Für Wilson stellt sich die Frage nicht, ob die Möglichkeit, sich Schusswaffen unter Umgehung der staatlichen Kontrolle ausdrucken zu können, auch Kriminellen zugute kommen kann. Es könne schon sein, sagte er der BBC, dass damit anderen Menschen Schaden zugefügt wird: "Das ist das, was das Werkzeug ist, es ist eine Schusswaffe. Aber ich glaube nicht, dass dies ein Grund ist, das nicht zu machen." Stimmt irgendwie auch. Sonst müsste man ja auch die Herstellung und den Vertrieb von Messern oder auch die Nutzung des Internet verbieten. Zudem hat Wilson, so anarchistisch ist es nun auch nicht, eine Genehmigung des US Bureau of Alcohol, Tobacco, Firearms and Explosives (ATF) erhalten.

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