Klimawandel: Überzeugte Wissenschaftler, verunsicherte Öffentlichkeit?

16.05.2013

Eine Metastudie über wissenschaftliche Arbeiten stellt den Konsens der Wissenschaftler über die anthropogene Natur der Erderwärmung heraus

Der Streit darüber, ob die globale Erderwärmung anthropogener Natur ist, geht schon eine ganze Weile. Doch herrsche in der Öffentlichkeit ein anderes Bild darüber als unter Wissenschaftlern. Während dort ein weitgehender Konsens über das Phänomens des anthropogenic global warming, herrsche, sei der Zweifel, der sich in Umfragen zeige, in der Öffentlichkeit überproportional repräsentiert - das ist These einer Metastudie, die aktuell im US-Fachmagazin Environmental Research Letter veröffentlicht wird.

Das Team um John Cook, der Physiker ist, kein Klimaforscher, hat sich knapp 12.000 wissenschaftliche Arbeiten aus den Jahren 1991 bis 2011, in denen die Stichwörter "globaler Klimawandel" oder globale Erwärmung" in der Zusammenfassung auftauchten, darauf hin angesehen, ob die Verfasser der Arbeiten eine Position zur Ursache des Klimawandels erkennen ließen.

We find that 66.4% of abstracts expressed no position on AGW, 32.6% endorsed AGW, 0.7% rejected AGW and 0.3% were uncertain about the cause of global warming.

Bei den etwa 4.000 wissenschaftlichen Arbeiten, in denen die Autoren eine deutliche Positionierung kundtaten, vertraten etwas mehr als 97 Prozent die Auffassung, dass der Klimawandel menschengemacht ist. In einem zweiten Schritt fragte das Team Wissenschaftler ihre eigenen Arbeiten danach zu beurteilen, welche Position sie vertreten. Angeschrieben wurden 8.500 Wissenschaftler, es antworteten 1.200, die 2.100 Arbeiten bewerteten - wobei sie im Gegensatz zum Studienteam nicht nur die Zusammenfassung ("abstract") durchsahen, sondern das ganze Paper.

Es stellte sich heraus, dass ein geringerer Teil (35, 5 Prozent) keine Position angab. Unter denen, die eine Position vertraten, etwa 1.400 Arbeiten, waren auch hier über 97,2 Prozent von der anthropogenen Natur der Erderwärmung überzeugt.

Der Schluss, den John Cook, Dana Nuccitelli, Sarah A Green et al. in ihrem Studien-abstract daraus zogen, ist, dass laut ihrer Analyse die Anzahl der wissenschaftlichen Arbeiten, die den Konsens über anthropogenen Klimawandel zurückweisen, einen "verschwindend kleinen Teil der öffentlichen Forschung ausmachen".

Cook ist der Gründer der Webseite Sceptical Science, die sich einer Aufgabe verschrieben hat: der Aufklärung von Mythen, die im Zusammenhang mit dem Thema Klimawandel kursieren. Dem will man wissenschaftliche Aufklärung, "peer reviewed science" entgegenstellen. Im Fall der geschilderten Studie, an der außer Cook noch andere Sceptical Science-Mitarbeiter beteiligt waren, ging es darum, eine Kluft deutlich zu machen, den sogenannten "Consense gap".

Die Kluft wird durch eine Pew-Umfrage aus dem Jahr 2012 (PDF) illustriert. Demnach sind weniger als die Hälfte der befragten Amerikaner davon überzeugt, dass sich Wissenschaftler über die anthropogene Ursache der Erderwärmung einig sind. Verantwortlich dafür seien Medien, so Cook, vor allem in den USA würden sie einer "falschen Ausgewogenheit" folgen und damit den Standpunkt der Kritiker übergroßes Gewicht geben. Dies habe politische Konsequenzen, denn eine Öffentlichkeit, die vom menschengemachten Klimawandel überzeugt ist, lasse sich leichter zu notwendigen Verhaltens- und Gesetzesänderungen mobilisieren

Cook ist nicht der erste, der die falsche Balance in den Medien moniert, aber er behauptet, dass der Konsens unter den Wissenschaftlern noch nie so umfassend belegt wurde.

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