Wenn Banken ihre Versprechen brechen...

21.05.2013

Vor einem Jahr versprach die Deutsche Bank, das Geschäft mit den Lebensmitteln zu überprüfen und bis dahin keine weiteren Fonds in diesem Bereich einzurichten. Ein Jahr später hat die Bank ihr Engagement noch erhöht

Es sind diese immer wiederkehrenden Ankündigungen und pressewirksamen Verlautbarungen, die den deutschen Branchenprimus Deutsche Bank in den Fokus der Öffentlichkeit rücken. Vor einem Jahr kündigte der damalige Vorstandsvorsitzende Josef Ackermann großspurig an, es werde eine umfassende Untersuchung zum Thema "Handel mit Agrarrohstoffen und Hunger" erstellt, bis dahin würden keine weiteren Fonds in diesem Bereich aufgelegt (Die Spekulanten ziehen sich zurück...).

Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt am Main. Bild: Thomas Wolf (foto-tw.de)/ CC-BY-SA-3.0

Heute, ein Jahr später, hat die Bank insgesamt fünf neue Fonds im Bereich Lebensmittelrohstoffe aufgelegt. Während sich andere Banken aus dem Geschäft zurückgezogen haben, hat die Deutsche Bank weiter expandiert und die Marktanteile ihrer Konkurrenz übernommen. Unterm Strich bleibt damit alles beim Alten. Von einem Rückgang im Bereich Lebensmittelspekulation will David Hachfeld, Handelsexperte bei der NGO Oxfam, daher nichts wissen. Gegenüber Telepolis sagt er:

Insgesamt hat sich das Volumen der Spekulation in den vergangenen drei Jahren nicht verändert.

Bereits im August 2012 legte Oxfam eine Untersuchung vor, in der die Organisation zeigen konnte, dass deutsche Finanzinstitute zu den weltweit führenden Lebensmittelspekulanten gehören. Die Reaktion eines großen Teils der Banken auf diesen Vorwurf war durchaus ungewöhnlich. So zogen sich die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), die Deka-Bank und die Commerzbank aus dem Geschäft mit dem Hunger der Ärmsten zurück. Allein die Deutsche Bank und die Allianz - damals wie heute die größten Anleger in diesem Bereich - zeigten sich skeptisch. In einer Stellungnahme der Bank hieß es:

Unsere Analyse zeigt, dass die steigenden Preise für landwirtschaftliche Rohstoffe vor allem Folge einer steigenden Nachfrage sind, mit der das Angebot nicht Schritt halten kann.

Grundsätzlich verteidige die Deutsche Bank den Handel mit Agrarrohstoffderivaten. Er ermögliche die Absicherung der Preise und reduziere damit die Preisschwankungen. Trotzdem, wahrscheinlich aufgrund des öffentlichen Drucks, sagte die Bank zu, ihr Engagement zu hinterfragen.

Im Januar 2013 jedoch kündigte der neue Deutsche Bank Chef Jürgen Fitschen an, es würden auch weiterhin spekulative Produkte im Bereich Lebensmittelrohstoffe angeboten. Darüber hinaus hat die Bank bereits 2012 mindestens fünf neue Fonds mit Agrarbestandteilen aufgelegt. In einer von Oxfam in diesem Jahr veröffentlichten Studie mit dem Titel Hungerroulette heißt es:

Diese Tatsache zeigt, dass die Deutsche Bank offensichtlich niemals an einer tatsächlichen Überprüfung ihrer Spekulationsaktivitäten interessiert war.

Dabei wäre ein solcher Schritt notwendiger denn je. Hachfeld sagt, dass der Markt in einer Phase sehr starker Preisschwankungen verharre, in der es immer wieder zu "sehr großen Spitzen" käme. Zwischen 2004 und 2008 sei die Kurve der Investitionen und Preise bei einem Großteil der Lebensmittel auf den Weltmärkten stetig nach oben gegangen. Seit 2008 habe sich die Anspannung auf dem Markt für Agrarrohstoffe verfestigt.

Entwicklung parellel zu Aktien-und anderen Anlagemärkten

Grund dafür seien zwar auch geschrumpfte Lagerplätze, ein gestiegener Fleischkonsum, eine vermehrte Nachfrage nach Biosprit und auch die vergangene Dürre in den USA. Es sei jedoch klar, dass auch die Spekulation mit Lebensmitteln ihren Teil zu dieser dramatischen Entwicklung beitrage. So muss ein Teil der Weltbevölkerung bis zu 80 Prozent ihres Familieneinkommens allein für Lebensmittel ausgeben. Stark steigende Preise sorgen hier immer wieder für eine dramatische Ernährungssituation in den betroffenen Weltregionen.

Fraglich ist derzeit, ob sich ein Einstieg in diesen schwierigen Markt für einen Anleger überhaupt lohnt. So hat ein Investor, der beispielsweise vor 10 Jahren in den großen Rohstofffonds PIMCO-Commodity Real Return Strategy eingestiegen ist, eine jährliche Rendite von 2,84 Prozent eingestrichen. Ist er dagegen erst vor 5 Jahren eingestiegen, hätte er durchschnittlich 4,96 Prozent pro Jahr verloren.

Auch das immer wieder vorgebrachte Argument der Fondsmanager, Rohstofffonds seien ein gutes Mittel zur Risikodiversifizierung, da sich der Bereich unabhängig zu den Aktienmärkten entwickle, ist bei näherer Betrachtung nicht viel mehr als eine Marketingerfindung. So schreibt Hachfeld in seiner diesjährigen Studie:

In den letzten Jahren haben sich die Rohstoffmärkte keineswegs unabhängig, sondern zunehmend parallel zu Aktien- und anderen Anlagemärkten entwickelt.

Dies zumindest habe eine Analyse der japanischen Nationalbank ergeben, die diese Entwicklung auf den Einstieg großer Investoren in den Markt zurückführt. Die Gewinne der Deutschen Bank bestehen daher in erster Linie weniger aus den Renditen für die Investition eigenen Geldes als vielmehr aus den Provisionen, die die Anleger an die Bank entrichten müssen.

Die Deutsche Bank selbst schweigt zu diesem Thema. Auf Anfrage von Telepolis wollte die Pressestelle in Frankfurt keine Auskunft geben. Hachfeld sagt: "Sie hoffen, dass Gras über die Sache wächst." Wie sich jedoch am Ausstieg anderer Banken aus diesem Markt im vergangenen Jahr gezeigt hat, kann öffentlicher Druck auf die Institute durchaus Erfolg versprechend sein. Bleibt nur zu hoffen, dass das Thema in der Zukunft nicht vergessen wird, so wie es sich die Deutsche Bank offensichtlich erhofft.

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