Zu Gast bei den "Blutaktionären"

25.05.2013

Letzte Woche fand die jährliche Hauptversammlung des größten deutschen Rüstungskonzerns Rheinmetall AG statt - Ein Bericht

Die Rheinmetall AG ist der größte deutsche Waffenproduzent. Aber auch an diesem Großkonzern geht die Rüstungskrise nicht spurlos vorüber. Am 14. Mai 2013 fand in Berlin die jährliche Hauptversammlung der Aktionäre statt und gestattete einen Blick hinter die Kulissen. Vor dem Tagungshotel demonstrierte die Friedensbewegung gegen die aggressive deutsche Rüstungsexportpolitik.

Umstritten: Leopard-Panzer für Saudi-Arabien. Bild: Bundeswehr-Fotos/CC-BY-ND-2.0

Die Rheinmetall AG mit Hauptsitz in Düsseldorf-Derendorf ist der deutsche Konzern mit den umfangreichsten Rüstungsgeschäften, international nimmt er diesbezüglich den 26. Platz ein. Allerdings ist Rheinmetall kein reiner Rüstungsbetrieb, vielmehr verteilt sich der Umsatz auf zwei Geschäftsbereiche - der militärische "Defence"-Bereich und der "Automotive"-Bereich. Letzterer liefert Bauteile für die Autoindustrie. In welchem Umfang auch in diesem "zivilen" Bereich Dual-use-Produkte für die Rüstungsindustrie hergestellt werden, ist nicht bekannt. Vor zehn Jahren machten die Rüstungsverkäufe ein Drittel des Gesamtumsatzes von Rheinmetall aus, heute ist es schon die Hälfte.

Zum Produktportfolio gehören Bauteile für den Kampfpanzer Leopard II (Glattrohrkanone, Feuerleitanlage und Geschosse), die Schützenpanzer Marder und Puma, die gepanzerten Fahrzeuge Boxer, Duro, Fuchs, Serval, Wiesel, Wisent und Yak, der Bergepanzer Büffel, der Pionierpanzer Dachs, der Brückenlegepanzer Biber und der Minenräumpanzer Keiler. Mit Rheinmetall kann keine deutsche Zoohandlung konkurrieren. Außerdem werden das Maschinengewehr MG3, die Maschinenkanone Rh 503, die Bordkanone BK 27 für Tornado und Eurofighter, die Feldhaubitze FH155-1 und die Panzerhaubitze 2000 angeboten. Das Unternehmen verkauft zugleich Panzer und Munition, um Panzer zu zerstören.

Der Konzern beschäftigt in Deutschland rund 10.000 Mitarbeiter und verfügt mit seinen Tochterunternehmen über zahlreiche Produktionsstätten und Erprobungszentren: Aschau am Inn, Berlin, Bonn, Bremen, Düsseldorf, Fronau, Gera, Gersthofen, Hamburg, Heilbronn, Ismaning, Kassel, Kiel, Koblenz, Krefeld, München, Neuenburg, Nürnberg, Oberndorf, Rheinbach, Röthenbach, Rostock, Silberhütte, Stockach, Trittau und Unterlüß.

Das Grundkapital des Unternehmens beträgt 101.373.440 Euro; insgesamt wurden 39.599.000 Stückaktien ausgegeben. Zu den Großaktionären zählen u. a. die deutsche Tochter der amerikanischen BlackRock Inc. (New York) mit einem Paket von 1.198.814 Aktien, die DWS Investment GmbH, eine Tochter der Deutschen Bank AG, mit 1.173.000 Aktien, und die Allianz Global Investors Kapitalanlagegesellschaft mbh mit einem Portfolio von 382.004 Aktien. Hinzu kommen zahlreiche Aktien im Streubesitz von Kleinanlegern. So besitzt auch ein unbekannter Anteil von Rheinmetall-Mitarbeitern Aktien des eigenen Arbeitgebers.

Am 14. Mai 2013 fand die 13. Ordentliche Hauptversammlung der Kapitaleigner der Rheinmetall AG in Berlin statt. Versammlungsort war das Maritim Hotel (****) in der Stauffenbergstraße. Der Ort wurde mit Bedacht gewählt: Auf der anderen Straßenseite befindet sich der Berliner Amtssitz des Bundesverteidigungsministeriums. Zur Einlasskontrolle wurden die heute obligatorischen Sicherheitskontrollen mit Metalldetektor und Röntgen-Scanner durch Mitarbeiter des Wachunternehmens Securitas durchgeführt, während sich die Angehörigen des betriebseigenen Sicherheitsdienstes diskret im Hintergrund zurückhielten – sicherheitshalber.

An der Stirnseite des Konferenzraumes residierten die Mitglieder des Vorstandes und des Aufsichtsrates: Prof. Dr. Andreas Georgi, Dr. Siegfried Goll, Prof. Dr. Susanne Hannemann, Dr. Gerd Kleinert, Dr. Rudolf Luz, der neue Finanzchef Helmut P. Merch, Dr. Michael Mielke, Dipl. Ing. DDr. Peter Mitterbauer, Detlef Moog, Wolfgang Müller, Vorstandvorsitzender Armin Papperger, Prof. Dr. Frank Richter, und die DGB-Gewerkschaftler aus den Betriebsräten Roswitha Armbruster, Julia Cuntz, Heinrich Kmett, Harald Töpfer und Wolfgang Tretbar.

Etwas über 300 (Klein-)Aktionäre erschienen persönlich zu der fünfstündigen Versammlung, die insgesamt 21.577.989 Stückaktien repräsentierten. "Blutaktionäre" hat sie die Friedensbewegung getauft. Aber nur bei einem Teil der Rüstungsaktionäre handelte es sich um die berüchtigten Banker im Business-Outfit, vielmehr präsentierten die anwesenden Aktionären scheinbar den "Durchschnitt der Gesellschaft", um diesen abgedroschenen Vergleich mal wieder zu bemühen. Viele waren im Rentenalter und hatten daher Zeit, überhaupt an der Hauptversammlung teilzunehmen. Für den einen oder anderen Pensionär stand dabei weniger die kleine Rendite für seine paar Aktien im Vordergrund, vielmehr ging es darum, mal wieder unter Leute zu gehen. Auch nutzte manche Aktionärfrau die günstige Gelegenheit, um ihre jüngste Errungenschaft aus der Textilbranche öffentlich vorzuführen.

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