Heat Map der globalen Lauschangriffe der NSA

09.06.2013

NSA-Dokumente enthüllen die weltweite Lauschaktivität der NSA, Deutschland ist in Europa das Land, aus dem am meisten Daten abgesaugt werden

"Global Heat Map" der NSA. Bild aus den geheimen Dokumenten, die dem Guardian zugespielt wurden

Nach Informationen des Guardian hat die NSA schon vor der Eröffnung ihres gigantischen Datenzentrums die Möglichkeit entwickelt, weltweit riesige Datenmangen zu sammeln und zu analysieren.

Das Datamining-Programm, das den nicht gerade bescheidenen Namen Boundless Informant trägt, zählt und kategorisiert die Daten, die der Geheimdienst von Computer- und Telefonnetzwerken absaugt und kartiert diese auch. Das geht aus geheimen Papieren der NSA hervor, die dem Guardian zugespielt wurden. Dabei handelt es sich allerdings nicht um die Inhalte, sondern um die Verbindungsdaten. Der Sinn scheint darin zu bestehen, den NSA-Mitarbeitern einen Überblick darüber zu verschaffen, wie viele und welche Daten der Geheimdienst in Echtzeit in welchen Ländern abhört.

Während vier Wochen im März 2013 wurden von US-Computernetzwerken in diesem Jahr 3 Milliarden Informationspakete gesammelt, weltweit waren es im selben Zeitraum stattliche 97 Milliarden. Mit Boundless Informant kann eine weltweite "Heat Map" erstellt werden, um das Volumen der aus einem Land stammenden Verbindungsdaten und die Details, etwa IP-Adressen, erkennen zu können. Jede Nation erhält eine Farbe: grün markiert die Ländern, aus denen am wenigsten Daten vorliegen, mehr gibt es in gelben und dann orangenen, am meisten in den roten Ländern. Aus dem Iran wurden im März 2013 am meisten Daten abgegriffen, gefolgt von Pakistan, Jordanien, Ägypten und Indien. Die auf dem Dokument zu sehende Jahreszahl 2007 zeigt nach dem Guardian nicht das Herstellungsdatum der Karte, sondern deren Klassifizierung an.

Wie aus der Karte zu erkennen ist, werden vom Auslandsgeheimdienst NSA auch in den USA viele Daten gesammelt - in Europa wird nur in Deutschland ebenso stark gelauscht wie in den USA, in Saudi-Arabien oder im Irak.

NSA-Direktor Keith Alexander hatte noch während einer Kongressanhörung im März 2012 geleugnet, dass der Geheimdienst wisse, in welchem Umfang die Kommunikation von Amerikanern abgehört wird. Man habe auch gar nicht die Technik dafür, versicherte er, was nun wiederlegt sein dürfte, auch wenn die IP-Adresse nicht für Alle eine sichere Lokalisierung garantiert. Das scheint auch der Rückzugweg der NSA zu sein. Deren Sprecherin erklärte gegenüber dem Guardian, dass man mit der existierenden Technik "noch nicht positiv alle Personen und Orte mit einer gegebenen Kommunikation identifizieren" könne. Man achte aber sorgsam darauf, dass die Kommunikation bestmöglich lokalisiert wird, um die Privatsphäre der Amerikaner zu schützen.

Gestern hatte der Director of National Intelligence, James R. Clapper, in einer Pressemitteilung versucht klarzustellen, dass beim bekannt gewordenen NSA-Abhörpogramm Prism alles mit rechten Dingen zugehe (Die Rückkehr von Echelon oder dem Projekt Total Information Awareness). Mit dem dadurch bestätigten Programm würden legitim ausländische Daten von Kommunikationsprovidern unter richterlicher Genehmigung gesammelt: Prism ist keine unbegrenzte Abhör- oder Datamining-Programm." Damit würden Auslandsinformationen gesammelt, die notwendigen seien, um Terrorangriffe gegen die USA und alliierte Staaten abzuwehren.

Mit der Aufdeckung des Programms durch die Medien würden nun die Feinde Informationen erhalten haben, um der Belauschung zu entgehen. Und man könne nicht alle falschen Darstellungen, die in den Medien behauptet wurden, richtig stellen, um nicht weitere geheime Informationen zu offenbaren.

Die Konzerne, die angeblich der NSA einen direkten Zugriff gewähren würden, haben dies allesamt abgestritten. Offiziell sollen jeweils nur einzelne Daten nach einem, allerdings geheimen richterlichen Beschluss gesammelt werden können. Der aber legitimiert ein Jahr lang das Sammeln, so die Washington Post.

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