Genveränderte Maissorte mit 6 Bt-Toxinen und Resistenz gegen 2 Herbizide

18.06.2013

Monsanto versucht, in der EU eine Einfuhrgenehmigung für den Supermais zu erhalten, die Chancen stehen nicht schlecht, Kritiker protestieren

Vor kurzem machte die Behauptung die Runde, Monsanto ziehe sich aus dem Geschäft mit der EU zurück. Das war freilich eine Ente, auch wenn sie glaubwürdig klang, schließlich hatte letztes Jahr BASF aus diesem Grund seine biotechnische Forschung aus Deutschland in die USA verlagert, um dort genveränderte Pflanzensorten zu entwickeln.

Monsanto wollte aber bei aller Abneigung der Europäer gegenüber genveränderten Produkten keineswegs darauf verzichten, weitere Anträge auf Genehmigung zu stellen (Die wieder aufgetauchte genveränderte Weizensorte). Bislang ist einzig der Monsanto Mais MON810 in der EU zugelassen, sieben Länder haben aber den Anbau der BT-Maissorte verboten, während sie in Spanien, Portugal, Rumänien, Tschechien und der Slowakei angebaut werden darf.

Erst am Montag wurde im Ständigen Ausschuss für genveränderte Lebens- und Futtermittel über die Zulassung von drei genveränderten Maissorten verhandelt, darunter die der Maissorte SmartStax, die gegen die zwei Herbizide Glyphosat und Glufosinat resistent ist und sechs verschiedene Insektengifte aus der Gruppe der Bt-Toxine enthält, darunter Cry1A105, das aus verschiedenen Insektengiften synthetisiert wurde. Die Toxine stammen von verschiedenen Stämmen des Bakteriums Bacillus thuringiensis und werden in der Pflanze auch anders als in den Bakterien gebildet. Dabei geht es nicht um den Anbau, sondern um den Import als Futter- und Lebensmittel.

Verhandelt wurde auch über die Einfuhr von Pollen des genveränderten MON810. Nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs 2011 darf Honig, der auch nur mit geringsten Spuren von genveränderten Pollen kontaminiert ist, nicht verkauft werden, ohne entsprechend gekennzeichnet zu werden. Die EU-Kommission strebt an, gesetzlich das gerichtliche Verbot zu umgehen, indem Pollen im Honig nicht mehr als Inhaltsstoffe gelten, die reguliert werden können, sondern als natürliche Bestandteile. Allerdings muss der genverändere Pollen - daher Monsantos Genehmigungsantrag für den MON810-Pollen - von genehmigten Pflanzensorten stammen. Gedacht ist daran, dass dann, wenn weniger als 0,9 Prozent genveränderte Pollen im Gesamtprodukt enthalten sind, keine Kennzeichnungspflicht erforderlich wird.

Der Ausschuss konnte sich über die Zulassung nicht einigen, Deutschland hat sich bei der Abstimmung enthalten, wodurch das Patt entstanden war. Auch wenn sich damit noch ein Berufungsausschuss befassen wird, könnte damit der Weg frei sein für die Zulassung, über die die EU-Kommission demnächst entscheiden wird. Die EU-Lebensmittelsicherheitsbehörde EFSA hat die Maissorte SmartStax, deren Zulassung als Lebens- und Futtermittel Monsanto 2008 beantragte, bereits im Jahr 2010 als unbedenklich bewertet. Dabei handelt es sich um die Kombination von MON 89034, DAS1507, MON 88017 und DAS59122. Die Kombination gibt es auch für Sojabohnen oder Baumwolle und soll die Pflanzen vor verschiedenen Schädlingen schützen, aber auch den Vorteil bieten, so wirbt Monsanto, nur 5 Prozent an Ausgleichsanbauflächen zu erfordern, um vor der Entstehung von Resistenz schützen. Normalerweise müssen auf 20 Prozent der Anbaufläche nicht genetisch veränderte Sorten angebaut werden.

Kritiker wie etwa Testbiotech monieren, dass SmartStax ungenügend geprüft wurde, vor allem nicht von unabhängiger Seite. Beispielsweise seien Kombinationswirkungen der Toxine und der Spritzmittelrückstände nicht auf gesundheitliche Risiken untersucht worden. Untersucht wurden die Wirkungen nur bei Insektenlarven. Man habe bei Geflügel lediglich geprüft, ob das Verfüttern von Maiskörnern Auswirkungen auf die Mastleistung habe. Auch Risiken für die Umwelt seien nicht geprüft worden. Es gebe bislang auch kein Testverfahren zur Erkennung der Maissorte. Testbiotech vermutet, dass die Maissorte bereits illegal in die EU importiert wurde, die EU-Kommission habe nichts unternommen habe, ihn zu stoppen. Testbiotech ruft nun zu einer Email-Kampagne an Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner und EU-Gesundheitskommissar Tonio Borg auf, um die Zulassung von SmartStax zu verhindern.

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