Die Erde hat Fieber

15.06.2013

Juni 2013: In Mallorca schneit es. In Kuba ist es zu kalt für diese Jahreszeit. Norditalien, Tschechien und Deutschland versinken im Hochwasser. Und wer ist schuld?

Die Klimaforscher sagen es seit über 20 Jahren: Wir Menschen mit unserem pyromanen Verhalten. Wir verbrennen heute an einem Tag so viel Kohle, Gas und Erdöl, wie die Natur in einer Million Tagen geschaffen hat.

Eins zu einer Million Mal verbrennen wir die Zukunft unserer Kinder und Enkel. Das hält unser Planet auf Dauer nicht aus. Täglich produzieren wir 150 Millionen Tonnen CO2 und belasten die Atmosphäre damit. Wir benutzen unseren Lebensraum als Müllkippe. Deshalb hat die Erde Fieber und steckt uns Menschen natürlich damit an. Und niemand kann sagen, er oder sie habe nichts gewusst.

Die Klimaerwärmung verläuft exakt so wie sie die Klimaforscher seit Jahrzehnten voraussagen: Die Wetterextreme häufen sich. Sie sind nach Meinung des Instituts für Klimafolgenforschung in Potsdam ein deutliches Indiz für den Klimawandel, der uns in seiner eigentlichen Dimension erst noch bevorsteht. Drei "Jahrhunderthochwasser" in elf Jahren machen deutlich, dass sich die Zeichen des Unheils mehren.

Weil wir hemmungslos CO2, das Haupttreibhausgas, in die Luft pumpen, heizen wir die Atmosphäre auf. Immer mehr Wasser verdunstet. Die Luftfeuchtigkeit steigt. Wolken saugen sich voll und regnen sich ab. Es gibt immer mehr Starkniederschläge und in Folge heftigere Überschwemmungen. 

Am Klimawandel und seinen Folgen führt offensichtlich kein Weg mehr vorbei. Vielleicht haben wir noch eine Chance, wenigstens das Schlimmste zu verhindern. Dann sollten wir sie nutzen und die Energiewende zu 100 Prozent so rasch wie irgend möglich organisieren. 

Jahrhundertfluten in Deutschland: In nur vier Tagen kamen in Bayern und Sachsen 400 Liter Regenwasser pro Quadratmeter herunter. In Berlin fielen im ganzen Monat Mai dagegen nur 60 Liter. In Nordeuropa stieg das Thermometer in diesen Tagen auf 30 Grad, aber in Spanien sank die Temperatur auf 15 Grad, auf Spaniens Bergen schneite es noch Anfang Juni.  Wetterextreme und Wetterchaos! In der kommenden Woche soll es am Dienstag in Bayern bis zu 38 Grad heiß werden. 

Aber in diesen wetterverrückten Tagen thematisiert kaum ein Politiker und kaum ein Journalist diese offensichtlichen Zusammenhänge zwischen Wetterextremen und dem Klimawandel, den "Naturkatastrophen" und unserem Energieverhalten. 

Was muss, Herr Altmaier, Herr Röttgen und Frau Merkel, eigentlich noch alles passieren, damit endlich politisch etwas passiert und die Energiewende ernsthaft und seriös vorangetrieben wird? Dass die Industriegesellschaften permanent unsere Böden versiegeln, Straßen, Lagerhallen und Wohnsiedlungen bauen und Regenwasser immer weniger Platz zum Versickern findet, verstärkt das Problem.

Schon vor 16 Jahren sagte Helmut Kohl im Angesicht des damaligen Oder-Hochwassers: "Gebt dem Fluss mehr Raum." Und was ist geschehen? Fast nichts. Zumindest nicht genug.

Und jetzt zeigt sich wieder einmal: Nichtstun wird teurer als Vorbeugen. Die Weltbank hat schon vor sechs Jahren errechnet, dass der ungebremste Klimawandel mindesten fünfmal teurer wird als eine intelligente Energiewende. Energiewende kostet, aber keine Energiewende kostet die Zukunft.

Mensch, Klima und Wasser müssen ein neues, naturverträgliches Verhältnis zueinander finden. Sonst versinken nicht nur einige Tausend Häuser, sondern unser aller Zukunft.

Mehr von Franz Alt auf seiner Website Sonnenseite.com.

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