Bis 2032 unabhängig vom Öl?

08.07.2013

Saudi-Arabien investiert hundert Milliarden Dollar in Sonnenenergie

Die Führung in Saudi-Arabien schlägt sich längst mit einem Problem herum, das man dem Nummer-1- Erdöllieferanten der Welt nicht unbedingt zuschreiben würde: Energieknappheit. Weswegen nun Milliarden-Projekte entstehen zur Nutzung erneuerbarer Energien. Darüberhinaus darf man gespannt sein, wie die westliche Welt auf die Kernkraftambitionen des Landes reagiert.

Wenig bekannt ist, dass Saudi-Arabien den drittgrößten Trinkwasserverbrauch pro Einwohner in der Welt hat (nach den USA und Kanada). Für den hohen Wasserverbrauch im Wüstenstaat, wo Swimmingpools wie auch gepflegte Rasenflächen, Brunnen und die Wäsche der dicken SUVs zum Status gehören und die Landwirtschaft immerhin den Eigenbedarf an Kartoffeln (u.a. für die Pommes in den beliebten Fastfood-Ketten) produziert, sind energieintensive Trinkwasseraufbereitungsanlagen nötig. Die benötigen viel Strom. Ebenso die Klimaanlagen.

Da die öffentlichen Verkehrsmittel keine besondere Rolle spielen, sind die meisten Bewohner mit Autos unterwegs, die nicht nur überdurchschnittlich viele Unfälle mit tödlichem Ausgang verursachen, sondern auch enorm Treibstoff verbrauchen. Der Wohlstand hat in den letzten Jahren in Saudi-Arabien dazu geführt, dass auch immer mehr Haushalte mit Geräten wie Waschmaschinen oder Geschirrspüler ausgestattet sind, der Binnenverbrauch von Energie wächst ständig.

Derzeit werden 2,1 Millionen Faß Öl täglich im eigenen Land verbraucht; es wird damit gerechnet, dass der Eigenverbrauch in den nächsten Jahren auf 3,3 Millionen Barrel am Tag steigt. In Deutschland lag der Verbrauch 2012 bei 2,4 Millionen Barrel am Tag. Produziert werden in Saudi-Arabien gegenwärtig täglich 12,5 Millionen Barrel.

Gasvorkommen im Königreich reichen nicht, um den Energiebedarf der privaten Haushalte kompensieren zu können. Benzin und Wasser wird staatlich subventioniert; es gehört zum Deal des Hauses Sauds, dass die Bevölkerung mit solchen Komfortmaßnahmen zufriedengestellt bleibt. Auch wenn klar ist, dass das Land im Öl-Business die erste Adresse bleiben wird und die Preis-wie die Produktionspolitik genau darauf abgestellt ist, dass man die erste Adresse bleibt und Großkunden durch das Versprechen garantiertem Nachschubs - gerade bei politischen Krisen im Nahen Osten - hält, so wird mehr und mehr deutlich, dass die Energieversorgung in Saudi-Arabien umgestellt werden muss. Das geschieht in beachtlichen Dimensionen.

So hat man ein 110-Milliarden-Euro-Programm aufgelegt, um eine Industrie zur Nutzung von Sonnenergie aufzubauen. Bis 2032 soll sie ein Drittel der im Inland benötigten Energie liefern (41.000 Megawatt). Das ist nur Teil einer größeren Vision, wie sie im Programm der Wissenschaftsstadt King Abdullah City for Atomic and Renewable Energy nachzulesen ist. 54 Gigawatt will man künftig aus alternativen Energiequellen gewinnen, dazu soll wesentlich auch die Nuklearenergie gehören. Damit will man, was die eigene Energieversorgung angeht, unabhängig vom Öl sein, lässt sich aktuellen Berichten entnehmen.

Während man im Bereich Kernkraft noch in Vorverhandlungen steckt, und Ländern wie Frankreich, Russland, Großbritannien, Japan und Südkorea den Mund nach Petrodollars wässrig macht, sollen nun landesweit 70 Stationen aufgestellt werden, die messen sollen, wieviel Sonnen- Wind- und geothermische Energie gewonnen werden kann. 10 Stationen wurden bereits installiert. Am Ende soll eine Art Atlas entstehen, der Forschern - und Investoren - Auskunft darüber gibt, welche Anlagen sich lohnen würden.

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