Das Leben hat keinen Sinn!

09.07.2013

Warum es den Sinn des Lebens wohl nicht gibt - und warum wir ohne ihn sowieso besser dran sind

Selbst im digitalen Zeitalter gibt es noch Fragen, die man nicht googeln kann, um eine passende Antwort zu erhalten. Die Frage nach dem "Sinn des Lebens" ist eine davon: Wozu das Ganze? Warum leben wir? Und was zum Kuckuck machen wir hier eigentlich? Nur ein Narr wartet auf Antwort! Und dennoch: Es ist eine der wichtigsten Fragen des Lebens, weil es die Frage über unser Leben ist. Wir sind die Lost Generation 2.0, Kinder des Nihilismus und der Dauerkrise. Die erste Lost Generation, die Ernest Hemingway 1926 in seinem Roman The Sun Also Rises beschreibt, hatte nach dem Ersten Weltkrieg und der anschließenden Wirtschaftskrise alles verloren, was ihr vormals Halt gab, ja, einen Sinn vermittelte. Genau wie die Lost Generation 1.0 fühlen wir uns verloren - und sind es: Wir fühlen uns entfremdet von einer Welt, die keinen Sinn bietet … einer Welt, deren Gott tot ist … einer Welt, in der die Massen hungern und frieren … einer Welt, in der nicht wie im Paradies Honig, sondern Blut fließt. […]

Für die Frage nach dem Sinn des Lebens gibt es kein Backrezept. Gäbe es eine definitive Antwort, so hätte sie sich nach Jahrhunderten der Suche bestimmt herumgesprochen. Also: Welche Bedeutung, welchen Sinn hat das Leben? Vermutlich gar keinen: Wenn es den Sinn des Lebens gäbe, müsste dieser ein letzter und endgültiger, unhintergehbarer und unhinterfragbarer Sinn sein. Der Sinn des Lebens müsste uns vollkommen einleuchten und glasklar vor Augen stehen. Er müsste uns mit einem "Bämm, so ist es!" anspringen; er müsste das unerschütterbare Fundament von allem darstellen. Der Sinn müsste also einfach da, einfach gültig, einfach wahr sein.

Wenn einer sagt: "X ist der Sinn des Lebens!", dann kommt sofort ein zweiter herbeigeeilt und fragt vollkommen zu Recht: "Und was bitte ist der Sinn von X?" Wir haben es also mit einem "Matrjoschka-Problem" zu tun: In jeder der russischen Holzpuppen steckt eine weitere Puppe. Sobald wir irgendetwas zum Sinn des Lebens (v)erklären, stellt sich die Frage nach dem Sinn dieses etwas. Kurzum: Wir können bei jedem Ding nach dem "Wozu?" fragen, nach der Richtung und vor allem nach dem Ziel und somit dem Sinn seiner Existenz. Und weil wir niemals eine Antwort erfahren werden, hat das Leben keinen endgültigen Sinn. Allein die Tatsache, dass wir nach dem Sinn des Lebens fragen können, weist darauf hin, dass die Welt keinen endgültigen Sinn haben kann. Das heißt nicht, dass unsere aller Leben hoffnungslos sind und wir uns von den Klippen stürzen sollen - doch dazu später mehr. […]

Das Leben hat keinen Sinn. Wenn Gott oder der "Heilsplan" der Sinn sein sollten, wären wir in der Sinnfrage geradezu entmündigt. Wir wären ein bloßes Werkzeug für einen anderen Sinn. Dieser Zustand wäre erbärmlich. Jeder noch so schöne Sinn kann seinerseits keinen Sinn haben. Es gibt keinen Sinn des Sinns. Der nackten Sinnlosigkeit des Lebens können wir schon auf einer rein logischen Ebene kaum entrinnen. Es kann keinen objektiven und allgemeinverbindlichen Sinn geben. Jeder, aber auch jeder postulierte Sinn ist unhaltbar, da er seinerseits sinnlos sein muss. Die Existenz aller Dinge - sei es ein Atom, eine Pflanze, ein Mensch, die Milchstraße oder das gesamte Universum - kann niemals einen Sinn haben. Denn wir können stets fragen: Wozu ist dieses und jenes Ding in letzter Konsequenz überhaupt da? Für Gott etwa? […]

Der Text wurde dem Buch von Patrick Spät: Das Leben - und der Sinn des Ganzen entnommen, das gerade im Schmetterling Verlag (120 S., 9,80 €) erschienen ist.

Selbst Gott, der seit Generationen als Lückenbüßer für die Sinnleere herhalten muss, kann uns keine Antworten liefern.

Für die Frage nach dem Sinn des Lebens ist es vollkommen egal, ob Gott existiert oder nicht! Gott mag konkret wie ein Apfelbaum oder eine bloße Illusion sein - beide Möglichkeiten haben keinerlei Bedeutung für den Sinn des Lebens.

Mit dieser These möchte ich einen neuen Gedankengang zum Thema Gott und Sinn des Lebens vorschlagen. Es gibt viele Formen, Gott zu denken: Zum Beispiel als weißbärtigen, männlichen, allmächtigen und allwissenden Herrscher. Oder als reinen, absoluten, unfassbaren, unendlichen und seelenhaften Geist. Oder als das uns unbekannte Schicksal. Oder als unbeteiligten Beobachter der Welt. Meist wird Gott als der Schöpfer der Welt bezeichnet; vielleicht hat er einen Plan oder eine Aufgabe, die es für den Menschen auf Erden zu erfüllen gilt. Vielleicht liegt der Sinn des Lebens in ebendieser Aufgabe. Vielleicht liegt er aber auch in der Vereinigung mit Gott jenseits des irdischen Lebens - sei es durch mystische Kontemplation, sei es durch den Aufstieg der unsterblichen Seele ins Himmelreich. Ganz gleich, ob es diese Dinge tatsächlich gibt oder ob sie Hirngespinste und Opium des Menschen sind: Ich behaupte, dass all diese Dinge uns nichts über den Sinn des Lebens sagen können:

Selbst dann, wenn es einen Gott (oder viele Götter) gäbe, könnte er (oder sie, oder es) nicht der endgültige Sinn des Lebens sein: Wenn Gott der Sinn des Lebens ist, worin liegt dann der Sinn Gottes? Warum gibt es Gott? Wozu ist er da? Und wer oder was hat diesen Schöpfer geschaffen? Gott kann keinen Sinn haben, denn wir können jederzeit den Sinn Gottes in Frage stellen. Gott kann niemals die gesuchte Antwort auf den Sinn des Lebens sein - und für diese These ist es völlig egal, ob er existiert oder nicht. Die radikalste (und stimmigste) Position beim Hickhack um die Gottesfrage lautet einfach: Gott ist egal. Ob Gott wirklich da ist oder nicht, ist völlig belanglos. […]

Irren wir nicht wie durch ein unendliches Nichts? Haucht uns nicht der leere Raum an? […] Hören wir noch Nichts von dem Lärm der Todtengräber, welche Gott begraben? Riechen wir noch Nichts von der göttlichen Verwesung? - auch Götter verwesen! Gott ist todt! Gott bleibt todt! Und wir haben ihn getödtet!

Freidrich Nietzsche

Friedrich Nietzsche, von dem diese Worte stammen, hegt keinen primitiven Atheismus; Nietzsche hat die Situation des modernen Menschen erfasst: Er hat keine Orientierung, er hat keine festgelegte Richtung und also keinen Sinn, dem er blindlings folgen kann oder sogar muss. Nichts ist wahr: Alle Wahrheiten - und somit auch Gott - zerbröseln in unseren Händen, da nichts, aber auch rein gar nichts ein Fundament hat. Wir können alles hinterfragen und in Frage stellen. Nichts ist von Bestand. Gott war nicht einfach schon immer tot.

Die Antike und das Mittelalter hatten, trotz aller Zweifel und Sinnkrisen, stets "ihre" Wahrheiten, an die sie sich halten konnten. Erst durch die Kopernikanische Wende, den Siegeszug der Naturwissenschaften und die sich anknüpfenden Fragen haben wir Gott getötet. (Oder die Idee von Gott, nachdem wir Gott erfunden hatten.) Dadurch, dass wir Gott aufs Schafott der Ideengeschichte gezerrt haben, haben wir auch unsere Werte entwertet. Denn wir können nicht länger an gottgegebene Werte glauben - Gott ist unglaubwürdig geworden. Gott ist tot. Und Gott bleibt tot. Wir sind verloren im Universum. Ohne endgültige Wahrheiten. Ohne Sinn. Die Welt ist ohne Grund, sie ist ein Abgrund. […]

Das Absurde ist nicht nur eine gedankliche Spielerei, es ist ein Lebensgefühl

Allerdings ist unsere heutige Lost Generation 2.0 zutiefst geprägt vom Nihilismus des vergangenen Jahrhunderts. Dem Nihilismus zufolge ist nichts wahr, alles ist fraglich, sowohl Gott und unser Leben als auch unsere Werte und Normen. Spätestens seit Nietzsche hängt der Nihilismus wie ein Damoklesschwert über den Häuptern der Philosophen. Und nicht nur über ihren Häuptern: Das Thema der Sinnlosigkeit hat sich schon längst in unsere Köpfe eingenistet. Selten hat eine philosophische Idee einen derart großen Einfluss auf unser Lebensgefühl gehabt. Wären Musikbands wie The Doors, Nirvana oder Radiohead ohne Nietzsche möglich? Gäbe es ohne Nietzsche Filme wie Das siebente Siegel oder Bücher wie Fight Club? Ich glaube nicht.

Die Zeit der großen Erzählungen ist vorbei. Das Gefühl des sinnlosen Wartens auf Antworten, das Samuel Beckett in seinem Stück Warten auf Godot (1953) so eindringlich beschreibt, wird nie mehr von uns weichen. Genau das ist das Gefühl der Entfremdung: Wir haben uns von der Welt entfremdet, wir fühlen uns nicht mehr heimisch in der Welt, sondern fremd. Das kuschlige Haus Gottes ist eingestürzt - und wir irren gottverlassen durch die Straßen einer uns fremd gewordenen Welt. Das meint Nietzsche mit den Worten: "Gott bleibt tot!" […]

Manchmal stürzen die Kulissen ein. Aufstehen, Straßenbahn, vier Stunden Büro oder Fabrik, Essen, Straßenbahn, vier Stunden Arbeit, Essen, Schlafen, Montag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, Freitag, Samstag, immer derselbe Rhythmus - das ist meist ein bequemer Weg. Eines Tages aber erhebt sich das ‚Warum‘, und mit diesem Überdruß, in den sich Erstaunen mischt, fängt alles an. ‚Fängt an‘ - das ist wichtig. Der Überdruß steht am Ende der Handlungen eines mechanischen Lebens, gleichzeitig leitet er aber auch eine Bewußtseinsregung ein. Er weckt das Bewußtsein und fordert den nächsten Schritt heraus.

Albert Camus

Wir sind emsig beschäftigt in unserem Leben: mit uns selbst, mit unserer Familie, mit unserem Geld, mit unserem Job. Doch manchmal stürzen die Kulissen ein. Das kann die Folge einer schweren existentiellen Krise sein, wie zum Beispiel bei einer Krankheit oder beim Tod eines geliebten Menschen. Das kann aber auch die Folge bloßer Langeweile oder Melancholie sein. Oder aber das bewusste Hinterfragen des eigenen Lebens. Wir fragen nach dem "Wozu?" und erhalten keine Antwort. Wir blicken in einen gähnenden Abgrund - und dann kann es passieren, dass uns das Absurde heimsucht: "Das Gefühl der Absurdität kann an jeder beliebigen Straßenecke jeden beliebigen Menschen anspringen. Es ist in seiner trostlosen Nacktheit, in seinem glanzlosen Licht nicht zu fassen", so Albert Camus, der Meister des Absurden.

Was ist das Absurde? Der Begriff meint so viel wie "widersinnig" und "sinnwidrig", im Wortstamm "ab-sonus" stecken Bedeutungen wie "misstönend" und "taub, nicht verstehend". Die Welt und unser Leben sind sinnwidrig, sie ergeben keinen Sinn. Das einzige, was wir am Leben begreifen, ist seine Unbegreiflichkeit! Und deshalb kann es passieren, dass sich unser Leben leer wie Schnittlauch anfühlt.

Das Absurde ist nicht nur eine gedankliche Spielerei, es ist ein Lebensgefühl. Wenn einen dieses Gefühl erst einmal angefallen hat, wird man es nie wieder los - was nicht zwangsläufig das schlechteste Schicksal ist. Im Gegenteil: Vielleicht können wir das Leben umso mehr genießen und ausschöpfen, je deutlicher wir hin und wieder das Gefühl der Absurdität verspüren. Vielleicht schafft die Sinnlosigkeit - und nur sie - eine Form der Freiheit und Unabhängigkeit. Das Absurde nistet sich nicht nur in den theoretischen Gedanken, sondern auch im Herzen ein, kurzum: Es ist ein Lebensgefühl. Es kann ein Stachel sein, der sich in unserem Geist festsetzt und bohrt und sticht: Wir hangeln uns durch Ausbildung oder Studium, nehmen zahlreiche Entbehrungen auf uns, rennen 9-to-5 zur Arbeit, strampeln uns ab, setzen Kinder in die Welt, machen uns Sorgen über Sorgen. Wozu das alles? Es kann der Moment kommen, wo wir alles in Frage stellen, auch uns selbst. Es kann der Moment kommen, wo uns das Leben zu Tode langweilt und schlichtweg ankotzt.

Die Frage nach dem "Warum?" stellt alle anderen in den Schatten. Das Absurde kann uns ganz plötzlich aus unserem Schlummer reißen. Es entsteht beim Aufeinanderprallen unserer Ernsthaftigkeit, mit der wir die alltäglichen Dinge erledigen und uns sorgen und unserer Fähigkeit, unser Leben aus der Vogelperspektive zu betrachten, uns von uns selbst zu distanzieren, uns kritisch anzugucken, uns über uns selbst lustig zu machen und über uns zu zweifeln und schließlich alles in Frage zu stellen. Wir stehen morgens vorm Spiegel und fragen uns, warum wir hier sind und ob wir das Leben leben, das wir wirklich leben wollen. Das klingt nun tragischer, als es ist. In der Frage steckt ein großes Potential: Wenn sowieso alles - wirklich alles! - für die Katz ist, dann kann ich doch auch mein Leben hier und da ändern. Kleinigkeiten ändern, oder sogar aus dem Hamsterrad ausbrechen. […]

Die Befreiung durch die Sinnlosigkeit

Wir müssen das Absurde vollends anerkennen und daraus unsere Freiheit schöpfen. Wenn es keinen Sinn gibt, dann sind wir auch keinem Sinn, keiner Wahrheit, keinem Plan Gottes verpflichtet. Wir sind frei! In diesem Sinne behaupte ich: Zum Glück hat das Leben keinen Sinn! Wir würden ihn sofort in Frage stellen und gegen ihn rebellieren! Besser eine Welt ohne Sinn, als eine Welt mit einem Sinn, den wir nicht akzeptieren können. Das Fehlen eines endgültig festgenagelten Sinn des Lebens führt zur Freiheit des Menschen. Wir müssen keinem höheren Sinn oder Ziel dienen, wir können uns unseren eigenen Sinn schaffen. Sinnlosigkeit ist Freiheit. Genau das behauptet auch Emil M. Cioran:

Hätte das Leben auch nur ein einziges Argument für sich, einen einzigen unwiderlegbar deutlichen Beweis - es würde sich in Nichts auflösen. […] Man setze dem Leben ein bestimmtes Ziel: im Nu wird es seinen Anreiz verlieren. Einzig die mangelnde Exaktheit seiner Bestimmung macht es dem Tod überlegen; ein Gran Präzision, und es wäre so trivial wie die Gräber. Denn eine positive Wissenschaft vom Sinn des Lebens würde die Welt an einem einzigen Tage menschenleer machen, und kein Rasender brächte es ja wieder fertig, die so ergiebige Sinnwidrigkeit der Begierde neu zu beleben.

Emil M. Cioran

Unsere Welt mag vollkommen sinnlos sein. Doch eine Welt, in der der Sinn in Stein gemeißelt ist, wäre der Gipfel der Sinnlosigkeit. Es ist befreiend, sich zumindest gedanklich das Gegenteil vorzustellen, also eine eindeutig definierte Welt. Wir wären unglückliche Sklaven dieser eindeutigen Welt. Marionetten irgendeines lächerlichen Weltplans. Ein Leben in einer solchen Welt würde im Nu seinen Anreiz verlieren. Der Sinn des Lebens bleibt eine unüberwindbare Grenze, eine verschlossene Tür, oder treffender: eine Tür, hinter der das pure Nichts lauert. Aber wo nichts ist, kann uns auch nichts zwingen; und hier beginnt unsere Freiheit. […]

Der Sinn des Lebens hat keine Lösung in der Theorie. Die Frage nach dem Sinn des Lebens erfährt in der Praxis eine Auflösung. Wer einen Text schreibt, eine Kartoffel erntet, einen anderen Menschen glücklich macht oder im politischen Freiheitskampf aktiv ist, bewegt sich bereits im Flow des Lebens. Die Person, die handelt, hat die Sinnfrage schon hinter sich gelassen - zumindest für den Augenblick des Handelns. Hinter der Binsenweisheit, dass der Sinn des Lebens das Leben selbst sei, steckt also der wahre Kern, dass wir den Sinn des Lebens nicht außerhalb unserer selbst finden werden. Nur wir stellen diese Frage und nur wir können die Antwort liefern. Es gibt nur einen inneren Sinn, keinen äußeren. Und der innere Sinn steht nirgendwo geschrieben, er entsteht jeden Tag, jeden Moment, wenn wir tätig sind. Der Film des Lebens läuft jenseits unseres ständig analysierenden Kopfkinos. […]

Das Leben ist mehr als Sinn des Lebens

Und dass das Leben keinen Sinn hat, heißt noch lange nicht, dass das Leben nicht wert ist, gelebt zu werden. Im Gegenteil: Ein sinnvolles Leben wäre unmöglich, wenn es einen in Stein gemeißelten Sinn gäbe. Natürlich ist eine gute Theorie die beste Praxis. Aber die graue Theorie kann höchstens der Steigbügel sein für die bunte Praxis des Lebens. Denn das Leben selbst ist keine Theorie. Das Leben übersteigt jede Logik und Philosophie. Das Leben ist buchstäblich unfassbar. Wir können das Leben nur dadurch erkennen, indem wir leben. […]

Wenn aber Gott tot ist, dann bröckelt das letzte Fundament unserer Werte. Dann verschafft sich ein neues Phänomen Zutritt zur Welt: "Der Nihilismus steht vor der Thür: woher kommt dieser unheimlichste aller Gäste?" Auf seine Frage liefert Nietzsche sogleich die Antwort: "Was bedeutet Nihilismus? - Daß die obersten Werte sich entwerten. Es fehlt das Ziel; es fehlt die Antwort auf das Warum?‘" Der unheimliche Gast entspringt buchstäblich dem Nichts, einer Leere, die jedes Ziel, jedes Warum des Lebens vernichtet hat.

Fjodor Dostojewski wird der Satz zugesprochen: "Wenn es keinen Gott gibt, dann ist alles erlaubt." Nietzsche, der das Werk Dostojewskis sehr schätzte, wandelt diese These leicht um in ein: "Nichts ist wahr, Alles ist erlaubt." Genau das ist die Gefahr des Nihilismus: Wenn es keinen Gott gibt, der die ewige Wahrheit verkörpert, dann gibt es auch keine wahre Moral. Nichts und niemand in der Welt könnte mich davon abhalten, ein Verbrechen zu begehen oder mich im Anschluss zur Rechenschaft ziehen. Wenn Gott tot ist, wenn es keine endgültige und allgemeingültige Wahrheit gibt, dann gibt es keinen absoluten Maßstab, an dem man mein Handeln beurteilen könnte. Wir haben Gott getötet, so dass sich alle Werte entwertet haben.

Wie können wir dem Nihilismus entgehen, wenn jeder seines Sinns Schmied ist? Können wir, wenn es keinen äußeren Sinn gibt, jedem x-beliebigen inneren Sinn nachgehen? Kann es für uns sinnvoll sein, anderen zu schaden oder sie sogar zu töten? Ist alles erlaubt, wenn Gott und damit jeder Sinn und jede Wahrheit von der Bildfläche verschwunden sind?

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