Jodtabletten im Umkreis von 100 km um ein AKW

22.07.2013

In der Schweiz sieht eine Anordnung vor, die flächendeckende Versorgung der Bevölkerung mit Jodtabletten von 20 auf 100 km um ein AKW zu erweitern

Bei Unfällen in Atomkraftwerken kann wie im AKW Fukushima 1 radioaktives Jod freigesetzt werden, das sich über die Atmung in der Schilddrüse ablagert. Gerade erst wurde bekannt, dass der Grenzwert von 100 Millisievert in der Schilddrüse bei fast 2000 Arbeitern am AKW Fukushima deutlich mehr, als bislang von Tepco angegeben, überschritten wurde. Tepco hatte zunächst von nur 178 Arbeitern gesprochen (Erst jetzt rückt Tepco einigermaßen korrekte Zahlen über die radioaktive Belastung der Arbeiter heraus).

Bild: Nationale Alarmzentrale

Als eine Lehre aus Fukushima wurde nun in der Schweiz gezogen, berichtete der Tagesanzeiger, dass Jodtabletten nicht nur wie bislang in allen Haushalten in einem Umkreis von 20 km um ein AKW vorrätig gehalten werden müssen, sondern dass der Radius zumindest für Basel-Stadt, Luzern und Zürich, auf 100 km (Zone 3) erweitert werden soll. In Deutschland werden Jodtabletten im Umkreis von 25 km an die Bevölkerung verteilt oder vorrätig gehalten, bei einem Unfall mit erheblichen Jod-131-Freisetzungen sollen sie auch an Kinder in einem Umkreis bis 100 km verteilt werden (Notfallpläne beim atomaren Katastrophenfall). Jodtabletten schützen lediglich vor der Aufnahme von radioaktivem Jod durch die Atmung, nicht aber vor Strahlung, die von außen auf den Körper einwirkt, oder vor anderen radioaktiv kontaminierten Stoffen, die in den Körper gelangen.

Viele Kantone, vor allem die städtischen, seien nicht in der Lage, innerhalb von 12 Stunden die Jodtabletten an die gesamte Bevölkerung auszugeben. Vorgesehen ist etwa in Basel, dies über die Postämter zu machen, die dann aber bis zu 10.000 Menschen die Tabletten zustellen müssten, was kaum machbar erscheint. Vermutlich würden, wie Urs Vögeli, Präsident der Koordinationsplattform ABC der Kantone, dem Tagesanzeiger sagte, nicht nur die städtischen, sondern auch die anderen Kantone alle Personen im Umkreis von 100 km mit Tabletten beliefern werden. Zwar werde die Aktion für Unruhe sorgen, aber die eigentliche Botschaft sei nach Vögeli: "Auch wenn die AKW als sicher gelten, so ist es nicht völlig auszuschließen, dass es zu einem Vorfall mit radioaktiver Strahlung kommt, bei dem die Jodtabletten auch in der Zone 3 nötig sind."

Die Anordnung ist nicht verpflichtend, so wird der Kanton Bern, wo sich das AKW Mühlberg befindet, keine Jodtabletten vorsorglich verteilen. Die Einwohner der Städte Bern und Biel hätten bereits die Tabletten, weil sie im 20-km-Radius liegen, die übrigen könne man in 12 Stunden versorgen. In Regionen, die mehr als 100 km von einem AKW entfernt liegen, müssen die Bewohner nach der neuen Anordnung nicht mehr innerhalb von 12, sondern nur noch innerhalb von 24 Stunden versorgt werden.

Die Anti-Atom- und Friedensorganisation Solarpeace nutzt die neue Anordnung für eine Kampagne, in der sie dazu auffordert, jeder Stromrechnung eine Packungsbeilage Atomstrom beizulegen (keine Jodtabletten mit Packungsbeilage, wie hier irrtümlich zunächst berichtet wurde). So soll auf die Risiken und Nebenwirkungen von Atomkraftwerken aufmerksam gemacht und der beschlossene Ausstieg aus der Atomenergie beschleunigt werden.

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