Manning wird von der Anklage als Narzisst dargestellt

26.07.2013

Die US-Regierung will an Bradley Manning ein Exempel für alle Whistleblower statuieren - mit teils verwegenen Argumenten

Der Prozess vor dem Militärgericht gegen Bradley Manning, der sich als schuldig bekannt hat, geht in die letzte Phase. Deutlich ist, dass die Anklage darauf abzielt, ein möglichst hartes Urteil zu erreichen, um weitere mögliche Whistleblower abzuschrecken. Im Abschlussplädoyer warf ihm Staatsanwalt Ashden Fein erneut vor, gegen die USA gehandelt und al-Qaida unterstützt zu haben. Sollte Richterin Denise Lind diesen Vorwurf nicht zurückweisen, droht dem 25-Jährigen eine lebenslange Haftstrafe, ansonsten "nur" 20 Jahre.

Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft sei Manning ein Egoist, der durch das Leaken der Staatsgeheimnisse das Vertrauen seines Landes hintergangen habe, um bekannt zu werden. Er habe als Analyst gewusst, dass die über WikiLeaks im Internet veröffentlichten Dokumente auch von al-Qaida gelesen würden. Nachgewiesen werden müsste ihm, dass er die Dokumente auch deswegen weiter gegeben hat. Als Beleg dafür soll wohl dienen, dass von WikiLeaks veröffentlichte Dokumente bei Osama bin Laden gefunden wurden, der von US-Soldaten im Rahmen eines Sondereinsatzkommandos in Pakistan ermordet wurde.

Das Argument, dass Dokumente, die im Internet veröffentlicht werden und damit weltweit zugänglich sind, direkt dem Feind in die Hände spielen sollen, ist schwer nachvollziehbar und eigentlich ein kaum begründbarer Vorwurf. Demnach müssten alle US-Medien, die geleakte Informationen auch online veröffentlicht haben, als Staatsverräter verfolgt werden, weil sie damit auch irgendwelchen Gegnern der USA Argumente bieten, die sie gegen diese richten können. Amnesty hatte bereits scharf kritisiert, dass die Richterin den "lächerlichen" Anklagepunkt, dem Feind mit der Internetveröffentlichung geholfen zu haben, nicht zurückgewiesen hat. Auch die Zeugen der Anklage hätten keine Belege dafür gebracht, dass Manning Sympathien für al-Qaida gehegt oder Beziehungen zu einem anderen Staat als die USA gehabt habe

Jetzt will die Staatsanwaltschaft also neben dem Vorwurf, dem Feind geholfen zu haben, auch Mannings Persönlichkeit zum Antrieb seiner Tat machen. Fein erklärte, Manning sei keineswegs der von der Verteidigung dargestellte verwirrte und naive Soldat gewesen, der die Geheimdokumente aus Gewissensgründen weiter gegeben hat. Fein zeigte ein Foto eines grinsenden Manning aus dem Jahr 2010, das er von sich selbst gemacht haben soll, bevor er das Material WikiLeaks mit dem Gruß "Have a good day" übergeben hat. Darunter befand sich auch das Video, auf dem zu sehen ist, wie US-Soldaten aus einem Apache-Hubschrauber Zivilisten niedermetzeln. Das Video "Collateral Damage" hat weltweit Aufsehen und Abscheu erregt, das Pentagon hat sich hinter die Soldaten gestellt und gesagt, sie hätten aus nachvollziehbaren Gründen die Fotoausrüstung des getöteten Reporters für Waffen gehalten, was nur erneut ein Argument für Manning ist.

Fein versucht zudem, Manning als Narzissten darzustellen. Er habe eine Erkennungsmarke besessen, auf der "Humanist" eingraviert war, aber er habe sich nur um sich selbst gekümmert: "Die Flagge bedeutete ihm nichts." Er soll also als ein vaterlandsloser Geselle erscheinen, der stolz über seine Tat war. Zudem habe gezielt schon kurz nach seinem Dienstantritt im Irak nach Dokumenten gesucht, die WikiLeaks haben wollte - und es seien ausschließlich solche über die USA gewesen. Das freilich ist eine Auslegungssache. Die Depeschen des US-Außenministeriums waren beispielsweise für viele Regierung peinlich.

Unterstützer von Manning haben in der New York Times gestern eine Anzeige mit dem Titel geschaltet: "We are Bradley Manning". In der Anzeige standen die Namen derer, die Geld gespendet hatten und ein Text, in dem Freiheit für Manning gefordert wird. Er habe in einer Zeit des endlosen Kriegs und der wirtschaftlichen Not, als Regierungsgeheimnisse die Repubplik überzogen, für Offenheit gesorgt. Mit der Geheimhaltung seien auch Verbrechen verborgen worden: "Folter, illegale Überwachung und Korruption - und das alles in unserem Namen."

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