Hummeln, Wespen und Co. - wilde Bestäuber in Gefahr

18.08.2013

Während das Sterben der Honigbiene in Gesellschaft und Medien angekommen ist, bleiben die wilden bestäubenden Insekten nahezu unbeachtet

Hummeln und Wespen bestäuben Blütenpflanzen genauso wie Schmetterlinge und Käfer. Rund 550 wilde Bienenarten leben allein in Deutschland- und alle sind geschützt. Dennoch verschwanden in den letzten 30 Jahren viele Arten und mit ihnen zahlreiche Wildpflanzen.

2006 stellten Wissenschaftler fest, dass die Bienenvielfalt um 80 Prozent zurück gegangen war. Untersucht wurden Lebensräume der Insekten in Großbritannien, Holland und Deutschland. Am häufigsten verschwanden Insekten mit speziellen Ansprüchen an den Lebensraum, die ein begrenztes Spektrum von Pflanzenarten bestäuben.

Zeitgleich verschwanden Pflanzenarten, die von der Bestäubung bestimmter Insekten abhängig sind. So gingen in Großbritannien mit der Bienenvielfalt 70 Prozent der Wildpflanzen verloren. Tendenziell wurden Bestäuber, die früher schon selten waren, heute noch seltener, während Arten, die auch früher weit verbreitet waren, sich weiter ausbreiteten.

Wildbienen bestäuben effizienter

Nahezu alle Kirsch-, Apfel- und Birnensorten sind auf Fremdbestäubung durch Insekten angewiesen, die den Pollen fremder Sorten auf die Narbe bringen. Bei Steinobst müssen bis zu 25 Prozent, bei Kernobst bis zu 15 Prozent der Blüten befruchtet sein, damit sich die Früchte voll ausbilden können.

Wilde Insekten wie Hummeln (Bombus), Sandbienen (Andrena), und Mauerbienen (Osmia) sind bei der Bestäubung im Obstbau gefragter denn je - aus gutem Grund. Zwar können Wildbienen die Bestäubungsarbeit der Honigbienen (Stiller Tod - warum Bienen sterben) nicht vollständig ersetzen, denn diese sind eindeutig in der Überzahl: Die 50.000 Tiere eines Bienenvolkes bestäuben mehr Blüten als einige Hundert Hummeln.

Foto: Susanne Aigner

Doch die Hummel mit ihrem dichten Pelz und die vor allem am Bauch dicht behaarte Mauerbiene kann den Pollen weitaus besser transportieren. Die Honigbiene schafft zwar eine Flugweite von acht Kilometern am Tag, während die Erdhummel nur einen Kilometer weit und die Mauerbiene gerade mal einige hundert Meter fliegt. Doch je weiter der Flug, desto mehr Energie verbraucht sie - Energie, die die Biene für das Sammeln der Pollen benötigt.

Je mehr Blüten angeflogen werden, desto mehr werden bestäubt: Die Honigbiene kommt auf 200 Blüten am Tag. Die Mauerbiene schafft einige hundert Blüten. Eine Hummel fliegt täglich zwischen 500 bis 1.000 Blüten an. Mit dem Nektar von 500 Blüten deckt sie ihren Eigenbedarf von einem Zehntel Gramm Nektar, ein Sechstel ihres Eigengewichtes.

Als so genannte Solitärbienen legen die meisten Wildbienenarten Brutzellen in einem röhrenförmigen Nest an, das sie mit einem Gemisch aus Pollen und Nektar versorgen. Nachdem sie ihr Ei darin abgelegt haben, wird die Zelle versiegelt. Viele der allein lebenden Wildbienenarten kümmern sich ohne Hilfe von Arbeiterinnen um Nestbau und Brutpflege. Da einige oft nur wenige Wochen leben, erleben sie den Schlupf des eigenen Nachwuchses nicht mehr. Deshalb brauchen sie für die Eier und Larven einen großen Vorrat an Pollen.

Bei einigen Arten schlüpfen mehrere Generationen im Jahr. Rund 70 Prozent bauen ihre Nester im Erdboden, häufig zu Tausenden nebeneinander. Die parasitären Kuckucksbienen nehmen 24 Prozent an der Wildbienenarten ein. Sie kümmern sich weder um Nestbau noch Brut. Die meisten Arten nisten in Totholz, Steinspalten oder leeren Schneckenhäusern.

In unseren ausgeräumten Landschaften sind diese Bedingungen immer seltener anzutreffen. Einige Pollenspezialisten befliegen nur wenige Pflanzenarten. Die Löcherbiene zum Beispiel ist nur auf Korbblütler spezialisiert. Sie bevorzugt Alant, Disteln, Kamille, Schafgarbe und Calendula. Manche befliegen auch nur eine einzige Pflanzenart.

So sammelt die Glänzende Natterkopf-Mauerbiene Nektar und Pollen vom Gewöhnlichen Natternkopf (Echium vulgare). Sie überlebt also nur in jenen Gegenden Mitteleuropas, in denen "ihre" Pflanze weit verbreitet ist.

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