Intelligente Netze bringen die Energiewende kaum voran

31.07.2013

Besonders in kleineren Haushalten lässt sich der Stromverbrauch kaum an das Stromangebot anpassen

Das Smart Grid galt der Bundesregierung bislang als ein wichtiger Baustein für die Energiewende: Ein intelligentes Stromnetz soll den Stromverbrauch so steuern, dass Stromproduktion und Stromverbrauch zeitlich zusammenpassen. Elektrische Geräte wie Waschmaschine und Geschirrspüler sollen automatisch dann anspringen, wenn reichlich Strom im Netz ist. Zudem soll der Strompreis permanent an das aktuelle Angebot und die Nachfrage sowie der Stromverbrauch an die nicht konstante Stromeinspeisung durch die Erneuerbaren Energien angepasst werden.

Intelligenter Stromzähler. Bild: EVB Energie AG

Doch eine aktuelle Studie von Ernst & Young, die im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums entstanden ist, weckt Zweifel, ob ein flächendeckendes Smart Grid tatsächlich ein sinnvoller Beitrag zur Energiewende ist und ob die Stromkunden in den Haushalten überhaupt von der Technologie profitieren würden.

Dazu hat Ernst & Young untersucht, in welchem Umfang es in Privathaushalten möglich ist, den Stromkonsum überhaupt zu verschieben, um Stromangebot und -nachfrage auszugleichen. 40 Prozent des Stromverbrauchs in Haushalten ist der Studie zufolge zeitlich gar nicht verschiebbar: Kochen, Fernsehen und Wohnungsbeleuchtung können sich nun einmal nicht danach richten, wann Strom im Überfluss zur Verfügung steht. Doch immerhin 85 Terawattstunden pro Jahr entfallen auf Geräte, die sich zu einem gewissen Grad von einem intelligenten Netz steuern ließen. Ernst & Young zählt dazu unter anderem Kühl- und Gefrierschränke, Waschmaschinen, Geschirrspüler und Nachtspeicherheizungen.

Für jede Geräteart wurde anschließend anhand des durchschnittlichen Stromverbrauchs und der Verbreitung der Geräte der Gesamtstromverbrauch berechnet. Besonders große Stromverbraucher in den Haushalten sind demnach Kühlschränke mit einem Gesamtverbrauch von 22,5 Terawattstunden, direkt gefolgt von den zwar nur in 4 Prozent der Haushalte verbreiteten, aber besonders stromhungrigen Nachtspeichern. Diese verbrauchen im Jahr 18,7 Terawattstunden und sollten eigentlich bis 2019 verboten werden. Auf Druck der Stromindustrie, die um die Auslastung ihrer Kohlekraftwerke besorgt war, wurde das Verbot jedoch von Schwarz-Gelb zurückgenommen (Die Nachtspeicherheizung darf bleiben). Nachtspeicher werden seitdem als wichtige Stromspeicher für die Energiewende bezeichnet, und auch Ernst & Young attestiert ihnen eine vergleichsweise hohe Flexibilität. Sie könnten ihren Stromverbrauch um maximal 12 Stunden verschieben.

Bei Haushaltsgroßgeräten wie Waschmaschinen, Trockner und Geschirrspüler setzt die Studie ein Verschiebepotential von maximal 24 Stunden an, wobei diese Geräte zu selten laufen, um wirklich ins Gewicht zu fallen. Kühlschränke als größter Verbraucher können der Studie zufolge ihren Verbrauch um maximal eine Stunde verschieben.

Insgesamt, so das Fazit der Studie, liegt das technische Lastverlagerungspotential bei Privathaushalten nur bei 7,2 Prozent des gesamten Nettostromverbrauchs und ist damit verschwindend gering. Ohne die eigentlich schon verbotenen Nachtspeicher wäre es sogar noch einmal um fast 50 Prozent geringer.

Angesichts der Kosten, die auf die Verbraucher für intelligente Stromzähler und die Steuertechnik zukommen, würde eine verpflichtende Einführung der Technik besonders für Haushalte mit einem geringen Stromverbrauch zu spürbaren Mehrkosten führen. Ernst & Young rät der Bundesregierung daher, die Einführung des Smart Grids nur in den Bereichen zu forcieren, in denen sich tatsächlich der Stromverbrauch in nennenswertem Umfang verlagern lässt.

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