"Frauen wollen einen Mann, der sie führt"

24.08.2013

Scot McKay über die Beziehung und den Sex zwischen den Geschlechtern

Frauen und Männer trennen nicht Abgründe voneinander, sondern sie sind als menschliche Wesen ähnlicher als sie bisweilen selbst wahrnehmen wollen. Allerdings besetzen sie die zwei Pole innerhalb des Geschlechterverhältnisses und haben somit verschiedene Herangehensweisen zur Bewältigung der großen und kleinen Alltagsprobleme, die sich aber unter reflektierten Bedingungen weniger widersprechen müssen als ergänzen können.

Mit diesem Ansatz in seinem Buch Woman Made Easy konnte der amerikanische Beziehungscoach Scot McKay einen Bestseller in den USA und England landen, der binnen 24 Stunden an die Spitze der Verkaufslisten schoss. Telepolis sprach mit ihm über Gemeinsamkeiten und Unterschiede bei den Geschlechtern.

Herr McKay, können Sie uns einen Weg empfehlen, um die Fähigkeit zu entwickeln, zu wissen, was innerlich bei den Frauen abgeht?

Scot McKay: Man muss realisieren, dass es als Mann wirklich möglich ist, zu verstehen, was Frauen denken, was sie bei ihren Sehnsüchten und Bedürfnisse umtreibt, solange man weiß, was sie sich vorstellen und was sie wirklich wollen. Frauen wollen nicht, dass ihr Leben im Chaos versinkt. Sie wollen nicht das Gefühl haben, dass sie nicht wissen, was als Nächstes passiert. Und sie wollen ein sicheres Umfeld haben. Das ist sehr wichtig.

Außerdem wollen sie einen Mann, der sie führt. Das bedeutet nicht, dass sie ihn bedienen wollen, aber sie wollen einen Mann, der einen Plan hat und die Fähigkeit besitzt, diesen auch in ihrem Interesse umzusetzen. Man muss wissen, dass Frauen genau danach Ausschau halten.

"Frauen wollen auch mal ungezogen und versaut sein"

Gibt es in Sachen Sex nennenswerte Unterschiede zwischen Jungen und Mädels?

Scot McKay: Außer den offensichtlichen physischen Unterschieden denke ich, dass die sexuellen Begehren und Vorlieben eher ähnlich als unähnlich sind. Andernfalls wäre man gar nicht fähig, Sex zusammen positiv zu empfinden. Es ist falsch zu meinen, nur Frauen wollten eine Verbindung von Sex und Gefühlen, denn Männer wollen das ja auch. Oft hört man, dass Männer mehr die physischen Seiten und Frauen mehr die emotionalen Aspekte interessieren, aber ich kenne keinen Mann, der eine Frau möchte, die nur im Bett liegt und ihre Schenkel spreizt.

Wir wollen Sex, bei dem die Frauen nicht nur physisch, sondern auch emotional dabei sind. Beide Geschlechter vergnügen sich wechselseitig mit dem anderen und sind verzückt, wenn es dem oder der anderen gleichfalls gefällt. Diese Geben-und-Nehmen-Verbindung beim Sex ist meiner Meinung nach sehr wichtig.

Frauen haben gleichfalls eine freche Seite. Sie wollen auch mal das Gefühl haben, ungezogen und versaut zu sein, auch wenn sie mit dem Kerl, mit dem sie Sex haben, seit Jahren verheiratet sind. Das ist ja bei uns Männern auch nicht anders.

Was wollen Frauen von Männern und Männer von Frauen - nachdem sie Kinder haben?

Scot McKay: Die meisten Frauen, die ich kenne, wollen hauptverantwortlich bei der Kindererziehung sein. Sie wollen zwar, dass ihr Mann sie unterstützt und auch die Windeln wechseln und das Baby füttern kann, aber es erfüllt sie mit großem Stolz, eine gute Mutter zu sein. Männer sehen sich eher als der Ernährer. Nicht nur im finanziellen Sinn, sondern auch als einer, der das Nest schützt, das der Frau ermöglicht, ihre Kinder zu pflegen und aufzuziehen.

Männer und Frauen wollen beide ein gutes Beispiel für Männlichkeit (beziehungsweise Weiblichkeit) abgeben und ihren Kindern, während sie aufwachsen, zeigen, was einen Charakter auszeichnet und was es wirklich bedeutet Mann oder Frau zu sein.

"Seit 20 Jahren bekommen wir auf nahezu new-age-artige Weise zu hören, dass Frauen nichts falsch machen können und Männer an allem Schlechten schuld wären. "

Wie haben sich die Beziehungen zwischen Frauen und Männern in den letzten 20 bis 30 Jahren verändert?

Scot McKay: Ich weiß nicht, ob das für Europa gilt, aber die großen Veränderungen haben sich in den USA während der späten Sechziger und frühen Siebziger Jahren mit der Frauen-Bewegung und dem Feminismus ergeben. Damals haben die Frauen damit angefangen, sich ihren Teil von etwas, was historisch eine Männerwelt war, zu erobern: Gleicher Lohn für gleiche Jobs, gleiche Vertretung in den privaten und öffentlichen Bereichen et cetera. Ich finde das wunderbar.

Scot&Emily McKay. Foto: X&Y Communications

Männer und Frauen sollen als menschliche Wesen auch gleich behandelt werden. Gleichwohl gibt es heutzutage die Theorie, dass Männlichkeit per se etwas Schlechtes wäre, dass man als Mann von vorn herein als Schwachkopf und Schuft geboren werden würde und jeder Mann für alle Vergewaltigungen in der Welt verantwortlich wäre. Seit 20 Jahren bekommen wir auf nahezu new-age-artige Weise zu hören, dass Frauen nichts falsch machen können und Männer an allem Schlechten schuld wären.

Viele Beziehungen richten sich nach solchen Gedanken, weil es sich gut anhört und für Frauen ja auch erst einmal praktisch ist. Männern haben unterdessen in den letzten 20 Jahren als Konsequenz aus diesem Ansatz geschlossen, dass sie Frauen ohne weitere Probleme hintergehen können, weil sie eh die Schlimmen sind.

Dieser Ansatz ist meiner Meinung nach verhängnisvoll, weil Männer und Frauen in einer Beziehung nicht gegeneinander, sondern als Team auftreten sollten. Es gibt gutartige und bösartige Menschen bei beiden Geschlechtern und mein Job ist, Menschen zu helfen, das zu verstehen, und die anderen zu vermeiden. Einen guten Partner zu finden ist ein unglaublicher Segen.

"Machismo bedeutet Wheelies auf dem Motorrad zu machen"

Wenn Männer Schwächen und Gefühle zeigen, sind sie als Wimps verschrien, wenn sie stark und ehrgeizig sind, werden sie zur Macho-Front gezählt. Wie kommt man aus dieser Falle heraus?

Scot McKay: Als erstes gibt es einen Unterschied zwischen ein Macho sein und männlich sein: Machismo bedeutet, dass sich Männer auf dem Golfplatz gegenseitig beeindrucken wollen oder viel trinken oder Wheelies auf dem Motorrad machen et cetera. Männlich sein ist hingegen das, was Männer für Frauen sexuell attraktiv macht und das ist eben der Unterschied in der sexuellen Polarität. Ich glaube darüber hinaus, dass es ein großer Fehler ist, zu denken, dass Männer die Logischen seien, während die Frauen für Gefühle zuständig sind.

Es ist auch für Männer kein Zeichen von Schwäche, Emotionen zu haben: Wenn man auf ein Fußballspiel geht, sieht man bei einem Tor reihenweise Männer in einem emotionalen Zustand. Wenn man die Frau eines Mannes nicht respektiert, bekommt man gleichfalls recht bald eine emotionale Reaktion. Das heißt nicht, dass sich die Reaktion in Weinen ausdrücken muss, ganz im Gegenteil.

Männer und Frauen äußern sich emotional in unterschiedlicher Weise, aber beide sind emotionale Wesen. Ein Merkmal an Männern, das sie für Frauen interessant macht, ist aber, dass sie ihre Gefühle unter Kontrolle haben, nicht so schnell in Panik geraten und unter Druck cool und ruhig bleiben, besonders wenn viel auf dem Spiel steht und es hart auf hart kommt.

Wenn eine Entscheidung ansteht und der Mann ruhig bleibt anstatt auszuflippen, macht dies einen Mann für Frauen wirklich attraktiv. Das, denke ich, ist wirklich der Schlüssel für die Beziehung zwischen Mann und Frau.

"Man müsste ein Superheld sein, um solche Menschen zu ändern"

Was sind die Waffen einer Frau, in einer Beziehung durchzusetzen, was sie will - und wie wappnet man sich als Mann am besten dagegen?

Scot McKay: Das Erste, was Mann und Frau verstehen müssen, ist, dass, wenn man in einer Beziehung etwas ohne Rücksicht auf den anderen durchsetzen möchte, dies ein ganz schlechtes Zeichen für die Beziehung selber ist. Das beste Mittel, um eine Beziehung zu erhalten, ist, die Interessen des anderen voranzusetzen - aber auf eine Art und Weise, die einen selbst erfüllt und glücklich macht. Dann würde man auch bald merken, dass man Ähnliches zurückbekommt und somit hätte man den besten Weg gefunden, wie man bekommt, was man will. Unglücklicherweise aber sind heutzutage die meisten Leute zu selbstsüchtig dazu.

Der beste Rat, den ich zu Ihrer Frage an Männer geben kann, ist der, zu warnen, sich mit Frauen einzulassen, die nichts von ihnen wissen wollen und mit denen sie aus diesem Grund so wenig wie möglich zu tun haben sollten. Wenn Frauen Männer allgemein nicht mögen, dann hat es für einen Mann keinen Sinn, diese Frauen zu respektieren und eine Beziehung mit ihnen zu beginnen. Das wäre eine sehr einseitige Angelegenheit.

Das gleiche gilt für Frauen, die extrem selbstsüchtig sind, extreme Süchte oder Haßgefühle haben. Das gilt natürlich auch für Männer. Man müsste schon ein Superheld sein, um solche Menschen zu ändern. Auch nehme ich, dass, wenn jemand in einer Beziehung vom Anderen Geld für Luxusgegenstände, Hobbies et cetera verlangt, es schon kriselt. Viele Männer lassen sich von der Schönheit von Frauen gefangen nehmen und geben alles dafür, um mit ihnen Sex zu haben. Das gibt den Frauen aber eine Machtposition, die allen Beteiligten schadet.

Was sind denn überhaupt Zeichen, dass es in einer Beziehung kriselt?

Scot McKay: Wenn ständig gemeckert und gekeift wird: Sobald das Stadium erricht ist, wo man vorgeworfen bekommt, auf der Couch herumzulungern, anstatt etwas zu tun, wird es ernst. Wer so etwas macht, verliert anders herum auch für den Partner an Attraktivität. Wenn jemand nicht mehr an Gesprächen, an Sex interessiert ist, ist das auch kein gutes Zeichen.

Was sollte man bei einem ersten Date unbedingt tun?

Scot McKay: Erstens: Man muss unbedingt einen Plan haben oder zumindest so tun, also Entschlossenheit zeigen. Man sollte herausfinden was ihr gefällt und etwas in dieser Richtung unternehmen. Zweitens: Männlich sein! Nicht über das Wetter und Kreuzschmerzen jammern.

Man sollte mit einer Frau in einer Weise reden, die ihr zeigt, dass man an ihr Interesse hat, ohne aber sofort sexuell eindeutig zu werden. Und drittens: Man sollte ihr zeigen, dass man von ihrer Feminität angesprochen ist. Ganz wichtig aber ist, nicht aufdringlich zu werden.

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