Über 60-Jährige fliehen vermehrt aus der Ehe

07.08.2013

Während allgemein die Zahl der Scheidungen sinkt, trennen sich die Älteren immer öfter, ein Grund könnte die wachsende Lebenserwartung sein

In Deutschland hat das Statistische Bundesamt kürzlich festgestellt, dass die Ehen vor einer Scheidung etwas länger halten, nämlich durchschnittlich 14 Jahre und 7 Monate (). Nach einem Peak im Jahr 2003 geht überdies die Zahl der Scheidungen seitdem leicht und kontinuierlich zurück, 2012 gegenüber 2011 um 4,5 Prozent.

In Großbritannien ist die Entwicklung ähnlich. Dort gab es den höchsten Stand der Scheidungen 1996, 2003 gab es wieder einen Peak, seitdem trennen sich die Ehepartner nicht mehr so gerne. Mag sein, dass die Krise sich hier auswirkt, schließlich sind Scheidungen auch oft ein finanzielles Abenteuer.

Das britische Office for National Statistics hat allerdings einen Trend herausgearbeitet, der ganz interessant ist du auch bereits in den USA beobachtet wurde. Obgleich die Scheidungsrate in den letzten Jahren zurückgegangen ist, stieg sie bei den über 60-Jährigen an. Die Statistikbehörde hat die Zahlen für Männer aufgearbeitet, sagt jedoch, dass es bei den Frauen ähnlich sei. Während sich 1991 von 1000 Männern 13,6 scheiden ließen, waren es 2011 nur noch 10,8. Dafür stieg die Zahl der geschiedenen Männer über 60 von 1,6 pro 1000 auf 2,3. Bei mehr als 15 Prozent hatte die Ehe 40-49 Jahre gehalten, im Durchschnitt waren es immerhin mehr als 27 Jahre. Es wird also lange durchgehalten, bevor man den Absprung macht

Das sieht nach wenig aus, die Veränderung ist dennoch beachtlich. Seit 1990 ist die Zahl der geschiedenen Männer im Alter von 60 Jahren und mehr um 73 Prozent gestiegen. In absoluten Zahlen sind das allerdings nicht so viele, nämlich 9.500 Männer im Jahr 2012 (Frauen: 5.800), in den 1980er und 1990er Jahren waren es zwischen 5000 und 6000 (Frauen: 3.200 im Jahr 1991), nachdem in dem 1970ern die Scheidungen bei den über 60-Jährigen deutlich zugenommen hatten. Die Unterschiede zwischen den Männern und Frauen kämen vor allem dadurch zustande, dass normalerweise die Männer älter sind als ihre Ehefrauen.

Die Statistikbehörde versucht sich auch daran, den Trend zu erklären, im Alter nicht zusammen zu bleiben, sondern noch einmal aufzubrechen und ein neues Leben zu beginnen. Ehen enden jetzt schon mit einer größeren Wahrscheinlichkeit der Scheidung als des Todes des Ehepartners. Eine Ursache könnte die weiter wachsende Lebenserwartung sein, man hat also noch viele Jahre vor sich, es scheint sich zu lohnen, nicht auszuhalten, sondern erneut eigene Wege zu gehen. 1991 konnten Männer durchschnittlich damit rechnen, noch 21 Jahre zu leben, 2012 stehen schon 26 Jahre in Aussicht - viel Zeit also, um nur auszusitzen, wenn man eigentlich nicht zufrieden ist.

Sich scheiden zu lassen, auch wenn man schon älter ist, sei heute auch kaum mehr ein Problem und ziehe keine Stigmatisierung nach sich, weswegen sich beziehungsmäßig die midlife crisis verschiebt und die Scheidungszahlen ab einem Alter von 60 Jahren steigen, wenn das Ende der Arbeitszeit naht, die Kinder schon lange außer Haus oder zumindest kein großer Hinderungsgrund mehr sind und man vielleicht noch Hoffnung hegen kann, einen neuen Partner zu finden. Den Frauen fällt eine späte Scheidung auch deswegen leichter, weil ein hoher Anteil arbeitet und finanziell nicht vom Mann abhängig ist. Trotzdem reichen mehr Männer über 60 die Scheidung ein als Frauen über 60.

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Über Sexismus, Feminismus und die Krise der Männer
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