China will keine Organe von Hingerichteten mehr verpflanzen

23.08.2013

Freiwilliges Spendesystem soll den Bedarf befriedigen

Wie viele Menschen jährlich in China exekutiert werden, ist offiziell nicht bekannt. Amnesty International geht jedoch davon aus, dass das 1,35-Milliarden-Einwohner-Land in diesem Bereich in absoluten Zahlen gemessen klar an der Weltspitze steht.

In der Vergangenheit gingen viele Organe von chinesischen Hingerichteten an Krankenhäuser, die sie Patienten einpflanzten. Dies wurde damit begründet, dass die Verurteilten sich mit solch einer Verwendung einverstanden erklärt hätten und die Organentnahme als Sühne ansehen würden. Kritiker äußerten allerdings Zweifel daran, inwieweit Verurteilte, die möglicherweise auf eine Umwandlung ihrer Strafe hoffen, dabei wirklich frei entscheiden können. Außerdem bemängelten sie, dass das System Anreize für Gerichtsbestechung und eine möglichst häufige Verhängung der Todesstrafe setzt.

Menschliche Leber. Foto: Suseno. Lizenz: Public Domain.

Nun hat der für Organtransplantation zuständige Vizegesundheitsminister Huang Jeifu angekündigt, dass China die Organentnahme bei Hingerichteten ab November 2013 auslaufen lassen will. Der Umstieg erfolgt nicht nur aus rechtsstaatlichen Erwägungen, sondern auch, weil die Zahl der Hingerichteten und der verfügbaren Organe von Verurteilten seit einigen Jahren zurückgeht: Das wiederum liegt auch daran, dass nicht nur Todesurteile, sondern auch Spendenbereitschaftserklärungen von Verbrechern und deren Familien strenger kontrolliert werden. So prüft man beispielsweise, ob ein Verdacht auf Organhandel vorliegt.

Derzeit warten in der Volksrepublik etwa 300.000 Kranke auf ein Spenderorgan, aber es gibt nur etwa 10.000 Transplantationen im Jahr. Von den dabei verpflanzten Lebern stammten dem chinesischen Gesundheitsministerium zufolge 2012 drei Viertel von Hingerichteten, von den Nieren über die Hälfte. Dass nicht mehr Organe von außerhalb der Gefängnisse kamen, liegt unter anderem an der traditionellen Vorstellung, dass tote Körper möglichst unversehrt begraben werden sollten.

Bei urbaneren Generationen verschwindet dieses Tabu angeblich zunehmend: Neueren Umfragen zufolge haben 70 Prozent der jungen Chinesen kein grundsätzliches Problem damit, wenn ihre Organe nach ihrem Tod in andere Körper verpflanzt werden. Durch diesen Wandel hofft Wang Haibo, der Direktor eines neuen Organverteilungskoordinationszentrums in Shenzhen, ein "offenes, transparentes und gerechtes" Spendesystem aufbauen zu können, das ähnlich oder besser funktioniert wie Äquivalente in den USA und in europäischen Ländern.

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