"Mindestens 87 Prozent aller gemeldeten EHEC-Fälle ohne Klärung der Ansteckungsursache zu den Akten gelegt"

20.09.2013

Foodwatch wirft der Bundesregierung bewusste Täuschung der Bevölkerung bei der Aufklärung der EHEC-Epidemie 2011 vor

Wer sich noch an die - unberechtigte - Angst vor den "spanischen Killergurken" im Jahr 2011 erinnert, an die EHEC-Hysterie, die Meldungen über die tödlich verlaufenden Erkrankungen (insgesamt 53 Todesopfer), an die Unsicherheit vor den Gemüseständen und an den Küchentischen zuhause und dann an die Erleichterung, als später die emsig gesuchte Ursache präsentiert wurde, dem serviert die heutige Meldung von Foodwatch einen kräftigen Nachschlag an beunruhigenden Stoffen.

Die Lebensmittelwächter behaupten darin, dass die Epidemie "bei weitem nicht aufgeklärt" wurde. Es wurde ein Sündenbock, ein "Bauernopfer" gefunden, aber mindestens 87 Prozent aller gemeldeten EHEC-Fälle wurden "ohne Klärung der Ansteckungsursache zu den Akten gelegt".

Im November 2011 galt es für das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) als bestätigt, dass die Ursache für den EHEC-Ausbruch "Bockshornkleesamen aus Ägypten, die in einem niedersächsischen Gartenbaubetrieb und von Privatpersonen zur Sprossenproduktion verwendet wurden", waren. Ein Jahr nach dem Ausbruch, im Mai 2012, heißt es in einer offiziellen Bilanz der Bundesminister Aigner (Verbraucherschutz) und Bahr (Gesundheit):

In der Vergangenheit konnten laut Bundesinstitut für Risikobewertung rund 75 Prozent aller EHEC-Fälle nicht aufgeklärt werden. Im Fall der schweren Epidemie 2011 ist es durch intensive Zusammenarbeit der deutschen und europäischen Behörden jedoch gelungen, mitan Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit (Herv. d. A.) die Ursache zu identifizieren: Bockshornkleesamen aus Ägypten sowie Sprossen und Keimlinge, die daraus gezogen wurden, waren für den Ausbruch verantwortlich.

Geht es nach Foodwatch, so wurde mit der Presseerklärung der Minister auch der Eindruck in der Öffentlichkeit bestätigt, wonach die Ursache mit dem oben genannten Betrieb in Niedersachsen in allerengster Verbindung steht. Die Bundesregierung habe behauptet, "der Hof in Niedersachsen sei die einzige Verbreitungsquelle des EHEC-Erregers gewesen", so Foodwatch. Das würde allerdings durch Überprüfungen nicht gedeckt, so die Organisation.

E.coli-Bakterien. Bild: BfR

Foodwatch ging es dabei um die Akteneinsicht in eine Gesamtliste aller EHEC-Ausbruchsorte, um zu überprüfen, wie Verbindungen zu dem Sprossenerzeuger im Landkreis Uelzen hergestellt wurden. Eine solche Liste sollte es laut eines EHEC-Abschlussberichts des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit geben. Dem ist aber nicht so:

Mittlerweile haben sowohl das BVL als auch das Robert-Koch-Institut (RKI), die zentrale Einrichtung der Bundesregierung auf dem Gebiet der Krankheitsüberwachung und -prävention, bestätigt: Eine solche "Gesamtliste" mit allen 3.842 EHEC-Erkrankungen und den Verbindungen zu dem Sprossenbetrieb hat es nie gegeben!

In Wirklichkeit seien laut RKI etwa 500 Fälle auf einer Liste erstellt worden. Damit seien bestenfalls bei nur 13 Prozent aller EHEC-Erkrankungen eine Spur zum niedersächsischen Hof "identifiziert" worden.

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