Antibakterielle Desinfektionsmittel fördern Resistenz von Bakterien in Flüssen

25.09.2013

US-Wissenschaftler haben erstmals nachgewiesen, dass die exzessive Verwendung von Desinfektionsmitteln Folgen in der natürlichen Umwelt mit sich bringt

Die Welt ist dialektisch, wie man vielleicht früher gesagt hätte. Will man sich im planetaren Ökosystem einen Vorteil verschaffen, muss man, wenn auch nicht gleich, sondern mitunter erst die nächsten Generationen, für den Erfolg einen Preis zahlen.

Die Verwendung von antibakteriellen flüssigen Seifen, Standard in Arztpraxen und Krankenhäusern, aber auch bereits in Privathaushalten, fördert Resistenz bei Bakterien in Flüssen und verändert die dort lebenden Bakteriengemeinschaften. Bild: John Kelly

Das zeigt sich nicht nur bei der Verwendung von Antibiotika, deren Wirksamkeit allmählich abnimmt, sondern auch am Einsatz von Desinfektionsmitteln in Arztpraxen und Krankenhäusern und antibakteriellen Mitteln in flüssigen Seifen, Putzmitteln, Kosmetika, Zahnpasta etc. Auch hier gilt, dass der Schutz vor Bakterieninfektionen, dazu beiträgt, dass resistente Bakterien entstehen, gegen die es dann keine Mittel mehr gibt.

Einer der am weitesten verbreiteten Bakterienhemmer, die auch gegen Pilze wirken, ist Triclosan. Das künstliche Biozid war ursprünglich in den 1960er Jahren als professionelles Desinfektionsmittel für Ärzte und Krankenhäuser entwickelt worden, um die Übertragung von Krankheitskeimen zu verhindern, wird aber seit geraumer Zeit vielfältig und in großen Mengen verwendet – auch in Textilien. Die Verbindung steht unter dem Verdacht, Muskelzellen schädigen zu können.

Schon länger wird davor gewarnt, dass die massive Verbreitung zur Resistenz bei Bakterien führen wird. So fordert das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), es nicht im Haushalt zur Desinfizierung zu verwenden, weil es dort meist zu niedrig konzentriert ist, sondern nur im ärztlichen Bereich. Nach Messungen von Wissenschaftlern des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) und des Slowakischen Umweltinstitutes im Einzugsgebiet der Elbe "betrug die Konzentration der Chemikalie an zahlreichen Messpunkten bis zum Zwölffachen des Wertes, der für Algen ohne Wirkung wäre. Von 500 untersuchten Schadstoffen belegte Triclosan, das in der Regel gegen Bakterien eingesetzt wird, damit Platz sechs der problematischsten Stoffe in Europa."

US-Wissenschaftler u.a. vom Cary Institute of Ecosystem Studies haben nun erstmals in einer Studie, die in der Zeitschrift Environmental Science and Technology erschienen ist, nachgewiesen, dass Triclosan, das über Abwasser in Flüsse gelangt, auch bereits in der natürlichen Umgebung zur Entwicklung von resistenten Bakterien führt. Die Wissenschaftler haben an drei Orten in der Nähe von Chicago geprüft, wie sich Bakterien im Wasser und in Sedimenten gegenüber Triclosan verhalten.

Einleitung von Abwasser aus Mischsystemen. Bild: John Kelly

Überall wurden resistente Bakterien, mehr in Stadtnähe und vor allem in einem Kanal, in dem Wasser von mehreren Abwassermischsystemen gelangt, wenn diese überflutet sind. Solche gibt es in 800 US-Städten, die damit ein wirkliches Risiko darstellen. Unterhalb einer funktionierenden Kläranlage gab es deutlich weniger resistente Bakterien als in dem Kanal, in den Abwasser auch direkt gelangte.

Die übermäßige Verwendung von Triclosan fördert nicht nur die Verbreitung von resistenten Bakterien, sondern verändert damit auch die Bakteriengemeinschaften in den Gewässern mit unbekannten Folgen für die Ökologie. So wurde eine deutlich verstärkte Zunahme von Cyanobakterien und dramatisches Absterben von Algen beobachtet.

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